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30.04.2026 14:26

„Schwimmende Universität“ sticht wieder in See: Masterstudierende aus Westafrika forschen an Bord der POLARSTERN

Ilka Thomsen Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

    30. April 2026/Kiel/Mindelo. 14 Masterstudierende im westafrikanischen Studiengang „Klimawandel und Meereswissenschaften“ beginnen morgen ihre zweiwöchige Ausbildungs- und Forschungsreise auf dem Forschungsschiff POLARSTERN. Auf dem Weg vom kapverdischen Mindelo nach Bremerhaven führen sie gemeinsam mit erfahrenen Wissenschaftler:innen physikalische, biogeochemische und biologische Messungen durch. Die 'Floating University' findet zum vierten Mal unter der Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel statt. Sie wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms WASCAL gefördert.

    2840 Seemeilen liegen vor den 14 Masterstudierenden im westafrikanischen Studiengang „Klimawandel und Meereswissenschaften“: Morgen starten sie mit der Expedition PS154/2 auf dem Forschungsschiff POLARSTERN von Mindelo, Cabo Verde, nach Bremerhaven. Für sie ist es die erste Fahrt auf einem Forschungsschiff. An Bord forschen sie in enger Zusammenarbeit mit zehn erfahrenen Wissenschaftler:innen und erlernen den Einsatz von Messinstrumenten wie dem Kranzwasserschöpfer oder Filtrationssystemen. Nach ihrer Ankunft in Deutschland schließt sich für viele von ihnen ein Forschungsaufenthalt am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an, um weiter an ihren wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten.

    Erste Erfahrungen auf dem Forschungsschiff

    Die „Floating University“ – „schwimmende Universität“ – bildet den schiffspraktischen Teil des Masterstudiengangs „Klimawandel und Meereswissenschaften“ („Climate Change and Marine Sciences“) an der kapverdischen Universidade Técnica do Atlântico (UTA). Für die Ausbildungsfahrt wird ein Transit der POLARSTERN von den Falklandinseln (Malvinen) über Mindelo, Cabo Verde, nach Bremerhaven genutzt. Das Forschungsschiff wird vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), betrieben.

    „Auf der Floating University lernen die Studierenden nicht nur, wie Ozeanforschung auf einem Forschungsschiff abläuft, sondern auch, wie man in einem internationalen Team und unter herausfordernden Bedingungen qualitativ hochwertige Daten über das Ökosystem Meer erheben kann. Viele der erlernten Fähigkeiten werden die Studierenden später im Rahmen eigener Forschungsvorhaben in der Region anwenden“, sagt Dr. Björn Fiedler, Meereschemiker am GEOMAR und wissenschaftlicher Fahrtleiter der Expedition.

    Messungen in bis zu 4900 Metern Wassertiefe

    Die Studierenden und Wissenschaftler:innen führen entlang des Transits täglich physikalische, biogeochemische und biologische Messungen in bis zu 4900 Metern Wassertiefe durch. Ziel ist es, unter anderem, langfristige Veränderungen im Ozean zu dokumentieren und die marine Biodiversität zu untersuchen. Dazu misst das Team kontinuierlich Parameter wie Temperatur und Kohlendioxid (CO2) in der Wasseroberfläche. Um Geräte zu Wasser zu lassen und Proben zu nehmen, stoppt das Forschungsschiff täglich für mehrere Stunden auf einer Position.

    Die Route führt auch entlang der beiden Langzeit-Mess-Stationen Cape Verde Ocean Observatory (CVOO) und European Station for Time-Series in the Ocean of the Canary Islands (ESTOC) nahe der Kanarischen Inseln. An beiden Stationen lassen sich Prozesse im Ozean über Jahre verfolgen. So kann zum Beispiel mit der CVOO-Verankerung der Sauerstoffgehalt von 2006 bis heute in 3.500 Metern Wassertiefe bestimmt werden. Da unterschiedliche Variablen (darunter zum Beispiel die Präsenz verschiedener Zooplankton-Spezies oder die Temperatur) gleichzeitig gemessen werden, ist es möglich, über die Jahre einen wissenschaftlichen Zusammenhang verschiedener Messgrößen zu untersuchen.

    Lernen, vernetzen, Zukunft gestalten

    Zusätzlich setzen die Forschenden drei Tiefendrifter (Argo-Floats) aus – autonome Messgeräte, die jahrelang Temperatur-, Salzgehalts- und Strömungsdaten aus 2000 Metern Tiefe liefern. Das internationale Argo-Programm ist eine Zusammenarbeit zwischen mehr als 50 Forschungsorganisationen aus über 30 Ländern. In den Weltmeeren schwimmen circa 4000 Argo-Floats, die kontinuierlich Daten erheben und damit zu einem weltweit wichtigen Beobachtungssystem beitragen. In Deutschland ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) für das Programm zuständig.

    Tobias Hahn, wissenschaftlicher Koordinator für WASCAL am GEOMAR: „Menschen aus 16 Nationen kommen bei der diesjährigen Floating University zusammen. In den zwei Wochen an Bord arbeiten und lachen wir zusammen, lernen viel voneinander, vernetzen uns und tauschen uns aus. Daraus ist in den vergangenen Jahren bereits ein wertvolles globales Alumni-Netzwerk der Studierenden aus Westafrika erwachsen.“
    Fiedler ergänzt: „Wir sind uns sicher, dass viele der Alumni eine zentrale Rolle in der geplanten FUTURO Forschungskampagne zum Ende dieses Jahrzehnts einnehmen werden, um die Folgen des Klimawandels auf das marine Ökosystem in Westafrika besser zu verstehen und daraus erforderliche Handlungen abzuleiten.“

    Expedition auf einen Blick:
    Name: PS154/2 (WASCAL IV) „Floating University“
    Dauer: 01.05.2026–15.05.2026
    Fahrtleitung: Dr. Björn Fiedler
    Start: Mindelo (Cabo Verde)
    Ziel: Bremerhaven (Deutschland)

    Hintergrund Floating University:

    Neben Teilnehmenden von GEOMAR und UTA sind Wissenschaftler:innen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) vom Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS), des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, des senegalesischen Centre de Recherche Océanographique de Dakar Thiaroye (CRODT-ISRA) sowie der Scripps Institution of Oceanography (Scripps) in San Diego dabei. Insgesamt sind 31 Fahrtteilnehmende an Bord.

    Seminar in Kiel

    Nach Abschluss der Expedition geht es am 18. und 19. Mai für die Studierenden zu einem zweitägigen Nachbereitungsseminar nach Kiel ans GEOMAR. Dort treffen sie planmäßig weitere Nachwuchswissenschaftler:innen des Programms „Foster Young Ocean Researcher Development“ (FYORD), dem Nachwuchsförderprogramm von KMS an der CAU und des GEOMAR, das insbesondere die Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden der Meereswissenschaften fördert.

    WASCAL

    Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte WASCAL-Programm („West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use“) stärkt die Forschungsinfrastruktur und akademische Ausbildung zu Klimawandel und dessen Auswirkungen in Westafrika. Der zweijährige Masterstudiengang „Klimawandel und Meereswissenschaften“, der von der Universidade Técnica do Atlântico (UTA) in Mindelo koordiniert und vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel eng begleitet wird, vermittelt Studierenden wissenschaftliche Kompetenzen für Forschung, Umweltmanagement und Industrie. Seit 2021 ist das Programm Teil der internationalen „UN-Dekade der Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung“.

    Das WASCAL-Alumni-Netzwerk sowie die „Floating University“ leisten auch einen Beitrag zum internationalen Großprojekt FUTURO, das derzeit vom GEOMAR vorbereitet wird. FUTURO verfolgt das Ziel, ein nachhaltiges Management des westafrikanischen Meeresökosystems zu entwickeln.

    Forschung auf Cabo Verde

    Die Kapverdischen Inseln, rund 600 Kilometer vor der senegalesischen Küste gelegen, bilden seit 1981 einen eigenen Staat: die Republik Cabo Verde. Die Region bietet ein einzigartiges Spektrum wissenschaftlich aktueller und hoch relevanter Forschungsthemen, bei denen der Ozean meist eine entscheidende Rolle spielt. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern forscht das GEOMAR seit mehr als 20 Jahren in Cabo Verde und will die Zusammenarbeit in der Region auch künftig weiter ausbauen. Im Jahr 2017 wurde das Ocean Science Centre Mindelo (OSCM), ein regionaler Wissenschafts- und Bildungsstandort, für die internationale Wissenschaftsgemeinschaft eröffnet. Das OSCM wird zu gleichen Teilen vom GEOMAR und dem kapverdischen Instituto do Mar (IMar) betrieben.


    Weitere Informationen:

    https://www.geomar.de/n10262 Bildmaterial zum Download
    https://www.geomar.de/entdecken/forschung-auf-kap-verde Forschung auf Cabo Verde
    https://www.geomar.de/entdecken/ozeandekade/floating-university WASCAL Floating University
    https://wascal.org/
    https://onexpedition.awi.de/polarstern/ Online-Logbuch der FS POLARSTERN


    Bilder

    Während eines Pre-Cruise-Seminars in Mindelo, Cabo Verde, bereiteten sich die Studierenden auf die vor ihnen liegende Forschungsausfahrt vor.
    Während eines Pre-Cruise-Seminars in Mindelo, Cabo Verde, bereiteten sich die Studierenden auf die v ...

    Copyright: Barbara Dombrowski


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Meer / Klima, Pädagogik / Bildung, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Kooperationen
    Deutsch


     

    Während eines Pre-Cruise-Seminars in Mindelo, Cabo Verde, bereiteten sich die Studierenden auf die vor ihnen liegende Forschungsausfahrt vor.


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