Handy und Computer erscheinen im Vergleich zu den Möglichkeiten von On-Body-Interaktionstechniken wie Wearables zunehmend wie Technologien aus der Vergangenheit. Doch welche Risiken entstehen, wenn dauerhaft am Körper getragene Mini-Computer zum Alltag werden? Dieser Frage ist CISPA-Forscher Dañiel Gerhardt nachgegangen. Seine zentrale Erkenntnis ist, dass Datenschutz- und Sicherheitsprobleme eng miteinander verknüpft sind. Als Lösungsansatz hat er eigene Design-Guidelines entwickelt. Sein Paper „Privacy & Safety Challenges of On-Body Interaction Techniques“ hat er auf der International Conference on Human Factors in Computing Systems (CHI) veröffentlicht.
Die Interaktion mit technischen Geräten gehört für die meisten Menschen zum Alltag. „Wir nutzen tagtäglich eine Maus, eine Tastatur oder einen Touchscreen, um mit Smartphones oder Laptops zu interagieren“, erklärt Dañiel Gerhardt, Doktorand in der Forschungsgruppe von CISPA-Faculty Dr. Katharina Krombholz. „Bei neueren Technologien wie Smartwatches, Smart Glasses oder VR-Brillen erfolgt die Interaktion zunehmend über Gesten oder Interaktionen im Raum. Bei Smart Textiles kommen noch biometrische Interaktionen oder Inputs über Körperfunktionen wie Herzfrequenz hinzu.“ Die besondere Herausforderung für Datenschutz und Sicherheit derjenigen, die diese Geräte tragen, liegt also darin, dass die Interaktion direkt am Körper stattfindet.
Während klassische Eingabemethoden wie Maus oder Touchscreen umfassend erforscht sind, gibt es zu On-Body-Interaktionstechniken bislang wenig wissenschaftliche Erkenntnisse. „Gerade deshalb ist das Thema so spannend“, so Gerhardt. „Denn wir gehen davon aus, dass neue, bislang unbekannte Probleme entstehen können.“ Aufgrund des explorativen Charakters seiner Forschung führte Gerhardt eine qualitative Interviewstudie mit 15 Expert:innen aus den Bereichen Human-Computer Interaction sowie Datenschutz und Cybersicherheit durch. Ziel war es herauszufinden, welche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken die Expert:innen identifizieren. Grundlage bildete zunächst eine Literaturanalyse von 91 verschiedenen Interaktionstechniken, die systematisch hinsichtlich ihrer Beobachtbarkeit und Bandbreite klassifiziert wurden. Darauf aufbauend entwickelte Gerhardt fiktive Nutzungs- und Angriffsszenarien, die anschließend in den Experteninterviews diskutiert wurden.
Identifizierte Sicherheitsrisiken und mögliche Datenschutzprobleme
Die Studie zeigt, dass Datenschutz- und Sicherheitsprobleme bei On-Body-Technologien eng zusammenhängen und weitreichende Auswirkungen haben können. „Datenschutzprobleme können direkt zu Sicherheitsproblemen führen, insbesondere im Hinblick auf das persönliche Wohlbefinden“, erklärt Gerhardt. „Da diese Technologien sehr körpernah sind und kontinuierlich hochauflösende Daten sammeln, lassen sich umfangreiche Rückschlüsse auf Personen ziehen.“ Solche Informationen könnten missbraucht werden, um Menschen zu beeinflussen, zu kontrollieren oder ihnen Schaden zuzufügen. Eine smarte Jacke mit Heizelementen etwa könnte so manipuliert werden, dass Verbrennungen entstehen. Außerdem könnten Geräte etwa zur Erpressung genutzt werden. „Ein Experte beschrieb das mit dem Begriff ‚ransomware for the body‘“, erklärt Gerhardt.
Konkret identifiziert die Studie mehrere zentrale Datenschutzrisiken. Dazu zählen eine übermäßige Datensammlung, das Risiko der Interferenz, also der Überlagerung von Daten, die Möglichkeit technischer Angriffe oder eine potenzielle Gefahr für die Privatsphäre von Unbeteiligten. „Geräte können auch Daten von Personen in der Umgebung erfassen, ohne deren Wissen oder Zustimmung“, so Gerhardt. Des Weiteren verweist die Studie auf umfassende physische und psychologische Sicherheitsrisiken, die ebenfalls Unbeteiligte betreffen können. „Physische Risiken beinhalten z.B. Verletzungen, die durch von den Geräten angeregte große Bewegungen entstehen können. Ein psychologisches Risiko hingegen kann etwa Stress sein, der durch immersive oder manipulative Systeme ausgelöst wird“, erklärt Gerhardt.
Lösungsansätze: Design-Guidelines
Das Ziel einer frühzeitigen Beschäftigung mit einer Zukunftstechnologie wie On-Body-Interaktionstechniken ist es, schon während des Entwicklungsprozesses Risiken zu adressieren. „Aus diesem Grund haben wir zusätzlich Design-Guidelines entwickelt“, sagt Gerhardt. „Sie basieren auf einer Kombination aus Literaturstudium und Interviewergebnissen und sollen zukünftige Interaktionen sicherer und datenschutzfreundlicher gestalten.“ Die Guidelines richten sich an Akteur:innen aus Forschung, Industrie und Design und folgen einem konsequenten Security- und Privacy-by-Design-Ansatz. Sie empfehlen unter anderem, die Datenerhebung zu minimieren, Transparenz für Nutzer:innen zu schaffen, Sicherheitsmechanismen für den Hardware- und Softwareeinsatz zu implementieren sowie eine umfassende ethische Betrachtungsweise vorzunehmen.
Ob und wie diese Ansätze in der Praxis umgesetzt werden, könnte Gegenstand zukünftiger Forschung sein. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Gestaltung sicherer und datenschutzfreundlicher On-Body-Interaktionstechniken wird eine zentrale Herausforderung der digitalen Zukunft sein. „Sicherheit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur zu verhindern, dass Geräte körperlichen Schaden verursachen“, so Gerhardt abschließend. „Sie umfasst auch den Schutz von Menschen davor, emotional manipuliert zu werden, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren oder in unangenehme oder unerwünschte Erfahrungen gedrängt zu werden.“
Gerhardt, Dañiel; Bhardwaj, Divyanshu; Ram, Ashwin; Zenner, André; Steimle, Jürgen; Krombholz, Katharina (2026). Privacy & Safety Challenges of On-Body Interaction Techniques. CISPA. Conference contribution. https://doi.org/10.60882/cispa.31409178.v1
Visualisierung zum Paper „Privacy & Safety Challenges of On-Body Interaction Techniques“
Copyright: CISPA
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Informationstechnik
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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