Antibiotika verantwortungsvoll einsetzen – das ist eine Kernaufgabe der HNO-Heilkunde. Anlässlich der bevorstehenden Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC), die vom 13.–16. Mai 2026 in Ulm stattfindet, hebt Prof. Dr. med. Bernhard Olzowy die Bedeutung aktueller Leitlinien für eine sichere und zugleich nachhaltige Antibiotikatherapie hervor.
„Rund 85 Prozent aller Antibiotika werden in der ambulanten Versorgung eingesetzt – etwa die Hälfte davon entfällt auf typische HNO-Infektionen wie akute Tonsillopharyngitis, akute Rhinosinusitis oder akute Otitis media“, erklärt Prof. Olzowy. Diese Krankheitsbilder werden nicht nur von HNO-Ärztinnen und -Ärzten, sondern häufig auch von Hausärzten und Pädiatern behandelt. Umso wichtiger sei eine präzise Diagnostik als Grundlage für eine rationale Therapieentscheidung.
Die HNO-Heilkunde verfüge über besondere diagnostische Möglichkeiten, die maßgeblich dazu beitragen können, unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden. „Instrumente wie die Nasenendoskopie oder das Ohrmikroskop erlauben eine deutlich genauere Beurteilung entzündlicher Prozesse als rein symptomorientierte Ansätze“, betont Prof. Olzowy. Damit leiste das Fach einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung der Resistenzentwicklung.
Mit gleich zwei neu erschienenen Leitlinien hat die Antibiotikatherapie in der HNO-Heilkunde 2025 eine aktualisierte wissenschaftliche Grundlage erhalten: die S3-Leitlinie zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe sowie die S2k-Leitlinie zur Antibiotikatherapie von HNO-Infektionen.
Die zentrale Botschaft beider Leitlinien ist eindeutig: „Im Einzelfall sollten möglichst schmal wirksame Antibiotika eingesetzt werden – und zwar nicht länger als unbedingt notwendig“, so Prof. Olzowy. Aktuelle Studien zeigten, dass davon nicht nur die Allgemeinheit durch eine geringere Resistenzentwicklung profitiere, sondern auch die einzelnen Patientinnen und Patienten. „Wer auf unnötig breite oder zu lange Therapien verzichtet, schützt den Patienten zugleich vor vermeidbaren Nebenwirkungen.“
Der steigenden Bedeutung rationaler Antibiotikatherapie trägt auch das wissenschaftliche Programm der DGHNO-KHC-Jahresversammlung Rechnung. Die HNO-Akademie widmet dem Thema einen dreistündigen Fortbildungskurs, der sich gezielt an klinisch tätige Ärztinnen und Ärzte richtet.
Darüber hinaus wird die Sondersitzung der Arbeitsgemeinschaft Infektiologie aktuelle dynamische Entwicklungen beleuchten. Im Fokus stehen unter anderem das vermehrte Auftreten komplizierter bakterieller Infektionen nach der COVID-19-Pandemie sowie zeitliche Veränderungen von Antibiotikaresistenzen bei bakteriellen Erregern.
„Nur durch kontinuierliche Fortbildung, leitliniengerechtes Handeln und eine kritische Reflexion des eigenen Verordnungsverhaltens können wir Antibiotika auch in Zukunft wirksam erhalten“, fasst Prof. Olzowy zusammen.
Hinweis: Bereits vor Kongressbeginn erhalten Medienvertreter im Online-Vorab-Pressegespräch am 12. Mai exklusive Einblicke in aktuelle Entwicklungen, wissenschaftliche Hintergründe und praktische Konsequenzen für die Antibiotika-Versorgung. Mehr Details unter: http://idw-online.de/de/event81407
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/017-066 – S2k-Leitlinie Antibiotikatherapie bei HNO-Infektionen
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/067-009 – S3-Leitlinie Perioperative und Periinterventionelle Antibiotikaprophylaxe
https://kongress-hno.de/ – Alle Informationen zur 97. Jahresversammlung der DGHNO
https://programme.conventus.de/dghno-2026/program/sessions/f579163a-637c-4792-98... – Programmpunkt am Do., 14.5., Infektiologie im Laufe der Zeit
DGHNO-KHC-Kongress tagt erstmal in Ulm
Quelle: Stefanie Olezzo
Copyright: Collage: Conventus
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Medizin
überregional
Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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