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08.05.2026 10:00

Erzählen statt erklären: Neue Wege in der Unterstützung von pflegenden Angehörigen

Svenja Malessa Kommunikation und Marketing
Universität Witten/Herdecke

    Zum internationalen Tag der Pflege (12.05.) zeigt die Universität Witten/Herdecke, wie ein ungewöhnlicher Ansatz pflegende Angehörige erreicht und warum klassische Angebote oft scheitern.

    • Klassische Unterstützungsangebote erreichen viele Angehörige nicht, weil sie an deren Lebenswelt vorbeigehen.
    • Eine Studie unter Beteiligung der Universität Witten/Herdecke zeigt: Geschichten statt Ratgebertexte schaffen Zugang zu belastenden Pflegeerfahrungen und kommen bei den Betroffenen an.
    • Der Ansatz stärkt Austausch, Orientierung und den Umgang mit der eigenen Situation.

    Pflege findet oft im Verborgenen statt. Millionen Menschen kümmern sich täglich um Angehörige, oft zusätzlich zu Beruf, Familie und eigenen Verpflichtungen. Was nach Fürsorge klingt, bedeutet in der Realität nicht selten Dauerstress, Überforderung und Isolation. Besonders hoch ist die Belastung für Menschen, die zusätzlich mit sprachlichen oder kulturellen Barrieren konfrontiert sind. Viele bestehende Unterstützungsangebote erreichen sie kaum, weil sie nicht zu ihrem Alltag passen. Genau hier setzt eine Studie unter der Beteiligung der Universität Witten/Herdecke (UW/H) an.

    Ein neuer Zugang zur Pflege

    Im Verbundprojekt „Diversity-On“ haben Wissenschaftler:innen des Lehrstuhls für Versorgungsforschung der UW/H mit weiteren Forschenden drei Jahre lang ein digitales Selbsthilfeangebot für pflegende Angehörige entwickelt – mit besonderem Fokus auf Menschen mit türkischer Migrationsgeschichte, stellvertretend für weitere Gruppen, die von der bestehenden Auswahl oft nicht erreicht werden. Im Zentrum steht ein Ansatz, der zunächst ungewöhnlich klingt: Storytelling.
    „Viele Angebote scheitern nicht an ihrem Inhalt, sondern daran, dass sich Menschen darin nicht wiederfinden“, sagt Kübra Annac, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. „Geschichten schaffen Identifikation und damit einen ganz anderen Zugang.“
    Statt klassischer Ratgebertexte stehen erzählte Erfahrungen im Mittelpunkt. Die entwickelten Geschichten basieren auf Interviews mit Betroffenen und greifen typische Situationen aus dem Pflegealltag auf – etwa Zeitdruck, familiäre Konflikte oder den Umgang mit professioneller Hilfe. Die Geschichten sind bewusst offen gestaltet. Sie geben keine Lösungen vor, sondern laden dazu ein, eigene Erfahrungen zu reflektieren und mit anderen ins Gespräch zu kommen.

    Neun Lebensrealitäten – ein Ziel

    Insgesamt hat das Team neun unterschiedliche Pflegekonstellationen identifiziert – von der überlasteten Alleinpflegenden bis zum Angehörigen, der zwischen familiären Erwartungen und eigenen Bedürfnissen steht. Jede dieser Perspektiven wird durch mehrere Geschichten abgebildet.
    Eingesetzt wurden die Geschichten in moderierten Online-Gruppen: Dort haben die Forschenden sie gemeinsam mit den Teilnehmenden gelesen und diskutiert. Die Ergebnisse zeigen, dass der Ansatz funktioniert. Die Geschichten eröffnen einen Zugang zu Themen, die oft unausgesprochen bleiben. Sie machen komplexe Situationen greifbarer und unterstützen dabei, eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Für die Praxis bedeutet das: Unterstützung muss näher an den Erfahrungen der Menschen ansetzen – so wie die im Projekt entwickelten „Story-Pakete“. Sie können über das Projekt hinaus genutzt und flexibel eingesetzt werden, etwa in Selbsthilfegruppen oder in der Beratung von pflegenden Angehörigen. Die Geschichten stehen in deutscher, türkischer und englischer Sprache kostenfrei zur Verfügung und können auf der Projektseite heruntergeladen werden: https://www.uni-wh.de/diversity-on

    Weitere Informationen:

    Das Projekt „Diversity-On“ lief von Januar 2023 bis Dezember 2025 und wurde vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Durchgeführt wurde es als Verbundprojekt vom Lehrstuhl für Versorgungsforschung der Universität Witten/Herdecke unter der Projektleitung der Alice Salomon Hochschule Berlin und in Zusammenarbeit mit der Demenz Support Stuttgart gGmbH.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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