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12.05.2026 08:00

Bewährtes ausbauen, Neues wagen: Attraktivität und Studienerfolg in Ingenieurstudiengängen stärken

Dr. Susanne Falk IHF
Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung

    Wie können ingenieurwissenschaftliche Studiengänge an bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und Technischen Hochschulen (TH) attraktiver werden und Studierende erfolgreicher durchs Studium begleiten? Antworten darauf liefert eine aktuelle Studie des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) und des Bayerischen Zentrums für Innovative Lehre (BayZiel). Die Studie identifiziert zentrale Handlungsfelder wie den Übergang von der Schule in die Hochschule, die Gewinnung von Frauen und internationalen Talenten, mathematische Kompetenzen, innovative Lehr- und Lernformate, individualisierte Lernpfade mit KI sowie duale Studienmodelle.

    Die Studie „Wege zur Steigerung der Attraktivität und des Studienerfolgs ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge an bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften/Technischen Hochschulen“ dokumentiert zentrale Ergebnisse eines Workshops, der vor dem Hintergrund sinkender Studienanfängerzahlen in einigen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (StMWK) im Juli 2025 an der Hochschule München durchgeführt wurde. Während die Informatik stark wächst, sinken die Studienanfängerzahlen in einigen klassischen Fächern wie Maschinenbau oder Elektrotechnik. Ziel des Workshops war die Identifikation von Handlungsfeldern zur Steigerung der Attraktivität und des Studienerfolgs ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge im Dialog mit Dekaninnen und Dekanen sowie Professorinnen und Professoren ingenieurwissenschaftlicher Fakultäten an bayerischen HAW/TH.
    Die Studie fasst nicht nur zentrale Ergebnisse zur Steigerung der Attraktivität und des Studienerfolgs ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge zusammen, sondern zeigt anhand konkreter Good-Practice-Beispiele auf, wie dies in der Praxis gelingen kann. Ministerialdirigent Dr. Tobias Haaf, Leiter der Abteilung für Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Kunsthochschulen im StMWK, betont: "Die Studie macht deutlich, dass die bayerischen Hochschulen und das BayZiel bereits heute innovative Ideen und Formate entwickelt haben, um den Trend sinkender Studienanfängerzahlen in einzelnen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen entgegenzuwirken. Workshop und Publikation sind der Ausgangspunkt für einen Prozess, der nun von den Hochschulen und Lehrenden weiter aktiv gestaltet wird, wobei IHF und BayZiel weiterhin beratend zur Seite stehen. Allen Mitwirkenden in diesem Prozess möchte ich herzlich danken. Sie alle tragen dazu bei, Studiengänge noch attraktiver zu gestalten, Studierende erfolgreicher durch das Studium zu begleiten und so die Fachkräftesicherung im Ingenieurbereich nachhaltig zu stärken."
    Eine wesentliche Voraussetzung, um die Attraktivität ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge zu steigern, ist die Erschließung neuer Zielgruppen. Zwar ist die Zahl der Studienanfängerinnen in den Ingenieurwissenschaften an bayerischen HAW/TH seit 2005 um rund 174 Prozent gestiegen und die Zahl internationaler Studienanfängerinnen und -anfänger sogar um rund 373 Prozent, dennoch bleibt der Frauenanteil in klassischen Ingenieurfächern weiterhin vergleichsweise niedrig und internationale Studierende stoßen häufig auf bürokratische und sprachliche Hürden. Die Studie empfiehlt deshalb unter anderem mehr weibliche Rollenvorbilder, eine geschlechtersensible Lehre, englischsprachige Studienangebote, bessere Onboarding-Strukturen und ein gezieltes Hochschulmarketing.
    Auch mit Blick auf die Lehre formuliert die Studie einen klaren Handlungsauftrag. Defizite in grundlegenden mathematischen Kompetenzen stellen eine zentrale Hürde für den Studienerfolg dar. Empfohlen werden daher passgenaue Vorkurse und tutorielle Unterstützungsangebote in kleinen Gruppen. Reiner Frontalunterricht greife zu kurz, wenn Hochschulen den Studienerfolg nachhaltig verbessern wollen. Die Studie plädiert stattdessen für aktivierende und kompetenzorientierte Lehrformate wie problemorientiertes Lernen, Peer Instruction oder SCALE-UP-Ansätze. Ergänzend könne der Einsatz von Learning Analytics und KI-gestützten Tutorensystemen helfen, Risiken im Studienverlauf frühzeitig zu erkennen und individuelle Lernpfade zu ermöglichen.
    Die Studie sendet damit ein deutliches Signal: Wer die Fachkräfte von morgen gewinnen will, muss ingenieurwissenschaftliche Studiengänge sichtbarer und zukunftsfähiger machen und sie stärker auf die Bedürfnisse der Studierenden ausrichten. Der Ausbau von Kooperationen mit Schulen und Unternehmen sowie innovative Lehrkonzepte sind dabei zentrale Bausteine für die Zukunft der Ingenieurausbildung in Bayern. Die Weiterentwicklung der Angebote „könnten von den Hochschulen jedoch nur im Austausch mit Schulen, Unternehmen und Medien als gesamtgesellschaftliche Herausforderung“ bewältigt werden, so die Herausgeberinnen und Herausgeber der Studie.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Fachliche Ansprechpartnerinnen und -ansprecher am IHF sind Dr. Susanne Falk (Falk@ihf.bayern.de) und Dr. Thorsten Lenz (Lenz@ihf.bayern.de) sowie am BayZiel Prof. Dr. Claudia Schäfle (Schaefle@bayziel.de) und Prof. Dr. Thomas Geiß (Geiss@bayziel.de).


    Originalpublikation:

    Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) & Bayerisches Zentrum für Innovative Lehre (BayZiel) (Hrsg.) (2026). Wege zur Steigerung der Attraktivität und des Studienerfolgs ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge an bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften/Technischen Hochschulen. München.


    Weitere Informationen:

    https://www.ihf.bayern.de/publikationen/sonstige-publikationen/detail/wege-zur-s...


    Bilder

    Wege zur Steigerung der Attraktivität und des Studienerfolgs ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge
    Wege zur Steigerung der Attraktivität und des Studienerfolgs ingenieurwissenschaftlicher Studiengäng ...
    Quelle: IHF & BayZiel
    Copyright: IHF & BayZiel


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Bauwesen / Architektur, Elektrotechnik, Maschinenbau, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Schule und Wissenschaft, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

    Wege zur Steigerung der Attraktivität und des Studienerfolgs ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge


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