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13.05.2026 12:26

Herz und Psyche neu denken: Weltweit führender Psychophysiologe Julian F. Thayer wechselt aus den USA an die Charité

Christian Martin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Wübben Stiftung Wissenschaft

    Der international renommierte Psychophysiologe Julian F. Thayer ist mit Unterstützung der Wübben Stiftung Wissenschaft an die Charité – Universitätsmedizin Berlin gewechselt. Er hat dort im April die Professur für Psychologische Wissenschaften und Psychophysiologie übernommen. Mit dieser Berufung stärkt die Charité gezielt ihre internationale Spitzenposition an der Schnittstelle von psychischer und körperlicher Gesundheit. Seine Forschung ist von hoher gesellschaftlicher Relevanz.

    Weltweit zählt Depression zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und ist nicht nur eine psychische, sondern auch eine systemische Erkrankung mit erheblichen Folgen für das Herz-Kreislauf-System. Ein zentraler biologischer Marker ist die Herzfrequenzvariabilität (HRV), ein direkter Indikator für die Fähigkeit des Körpers, flexibel auf Belastung zu reagieren. Niedrige HRV-Werte gehen oft mit einer Depression und ungünstigen Krankheitsverläufen einher. Doch genau dieses etablierte Bild stellt Thayers Forschung grundlegend infrage: Frauen mit einer Depression haben häufig eine höhere HRV als nicht-depressive Frauen. Dieser Befund widerspricht gängigen Modellen und weist auf bislang übersehene, geschlechtsspezifische Mechanismen hin. Mögliche Einflussfaktoren sind Hormonstatus, Strategien der Emotionsregulation und der Menstruationszyklus. Thayers Forschung deutet darauf hin, dass Frauen unter Stress aktive kompensatorische Regulationsmechanismen einsetzen – ein bislang unzureichend verstandener Prozess mit direkter klinischer Relevanz. Genau hier setzt Thayers Forschung an der Charité an: Sie schafft die Grundlage für präzisere, personalisierte Behandlungsstrategien, die biologische Unterschiede systematisch berücksichtigen.

    Grund­la­gen für ge­schlechts­spe­zi­fi­sche The­ra­pi­en

    „Wir müssen genauer verstehen, wie biologische und psychologische Prozesse zusammenwirken – und wie sie sich zwischen Frauen und Männern unterscheiden“, sagt Julian Thayer. „Nur so können wir Therapien gezielter und wirksamer machen. Ich freue mich, meine Forschung in Berlin fortsetzen zu können.“ Ziel ist es, aus diesen Mechanismen konkrete, personalisierte Behandlungsstrategien abzuleiten. Dies könnte Therapieerfolge verbessern und die Belastung der Gesundheitssysteme durch Depression senken.

    Pionier trans­la­tio­na­ler Ansätze

    Thayer hat über 700 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, wurde laut Google Scholar mehr als 80.000-mal zitiert und vielfach ausgezeichnet. 2023 wurde er in die National Academy of Medicine der USA aufgenommen. Julian Thayer gilt als Pionier translationaler Ansätze, die direkt in die Versorgung wirken. Zuletzt war er an der University of California in Irvine tätig. „Mit Julian Thayer gewinnt die Charité einen Forscher, der ein ganzes Feld geprägt hat“, sagt Heyo Kroemer, der Vorstandsvorsitzende der Charité. „Seine Arbeit verbindet exzellente Grundlagenforschung mit konkretem Nutzen für Patientinnen und Patienten, vertieft unsere transatlantischen Kooperationen und fördert den interdisziplinären Austausch.“ An der Charité wird Thayer eng mit der Arbeitsgruppe Klinische Neurotechnologie unter der Leitung von Surjo Soekadar zusammenarbeiten – mit dem Ziel, neurotechnologische und psychophysische Ansätze für die Behandlung psychiatrischer Erkrankungen zu integrieren. Verschiedene Verbünde und Einrichtungen profitieren von der Berufung Thayers, darunter der Exzellenzcluster Neurocure und das Charité Center for Global Health.

    Ad­van­ced Pro­fes­sor­ship-Pro­gramm

    Die Berufung erfolgte mit Unterstützung durch das Advanced Professorship-Programm der Wübben Stiftung Wissenschaft in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Julian Thayer bringt zwei Postdoktoranden aus den USA mit an die Charité. „Die Berufung verdeutlicht, wie flexible Förderung internationale Spitzenforschung nach Deutschland holt und weitere exzellente Forschende anzieht“, sagt Marion Müller, Geschäftsführerin der Wübben Stiftung Wissenschaft. „So entsteht für junge Wissenschaftler:innen ein Umfeld mit hoher internationaler Strahlkraft.“


    Weitere Informationen:

    https://www.wuebben-stiftung-wissenschaft.org/news/weltweit-fuehrender-psychophy...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Psychologie
    überregional
    Personalia, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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