idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
15.05.2026 11:52

Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit fünf Anträgen für Sonderforschungsbereiche erfolgreich

Jonas Siehoff Kommunikation und Medien
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist in der aktuellen Bewilligungsrunde der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit fünf Förderanträgen für Sonderforschungsbereiche erfolgreich.

    Bewilligungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft stärken Forschungsprofil der JGU

    Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist in der aktuellen Bewilligungsrunde der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit fünf Förderanträgen für Sonderforschungsbereiche (SFB) erfolgreich. Wie die DFG heute bekannt gab, wird der folgende SFB unter Sprecherschaft der JGU neu eingerichtet: SFB/TRR 460 „Dynamiken von immunologischer, glialer und neuronaler Netzwerkinteraktion“. Neu eingerichtet wird außerdem der folgende SFB, an dem die JGU beteiligt ist: SFB 1784 „Das Zusammenspiel von Thrombose und Inflammation – Translation molekularer Mechanismen in klinische Applikationen (InTraC)“ (Sprecherhochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München). Die folgenden drei SFBs, an denen die JGU beteiligt ist, werden verlängert: SFB/TRR 234 „Lichtgetriebene molekulare Katalysatoren in hierarchisch strukturierten Materialien – Synthese und mechanistische Studien“ (Sprecherhochschule: Universität Ulm); SFB 1487 „Eisen, neu gedacht!“ (Sprecherhochschule: Technische Universität Darmstadt); SFB 1531: „Schadenskontrolle durch das stroma-vaskuläre Kompartiment“ (Sprecherhochschule: Goethe-Universität Frankfurt am Main).

    „Unser Erfolg bei der Bewilligung der Sonderforschungsbereiche bestätigt die Forschungsstärke und die Forschungsstrategie der JGU. Durch ihn festigen wir unsere Position als Standort herausragender und zukunftsweisender Forschung und schärfen unser Forschungsprofil weiter“, sagt der Vizepräsident für Forschung und wissenschaftliche Karrierewege der JGU, Prof. Dr. Stefan Müller-Stach. "Unser Dank gilt den an den Sonderforschungsbereichen beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der JGU. Sie haben mit ihren herausragenden Leistungen diesen Erfolg ermöglicht."

    „Die beeindruckenden Leistungen der Forscherinnen und Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie ihrer Partner an den kooperierenden Einrichtungen zeigen, auf welch hohem wissenschaftlichen Niveau in Rheinland-Pfalz gearbeitet wird“, erklärt Wissenschafts- und Gesundheitsminister Clemens Hoch. „Die aktuellen Förderentscheidungen der DFG bestätigen die erfolgreiche Zusammenarbeit und die starke Position unserer Hochschulen. Mit unserer Forschungsinitiative für die rheinland-pfälzischen Hochschulen schaffen wir die Grundlage, um Profilbereiche gezielt zu stärken und die Sichtbarkeit der Wissenschaftsstandorte weiter auszubauen. Die laufenden Zielvereinbarungen bieten dafür eine verlässliche Perspektive für die kommenden Jahre.“

    SFB/TRR 460: Dynamiken von immunologischer, glialer und neuronaler Netzwerkinteraktion
    Sprecherhochschule: JGU
    Im Fokus des neuen SFB/TRR 460 „Dynamiken von immunologischer, glialer und neuronaler Netzwerkinteraktion“ steht die Frage, wie Immunzellen, Gliazellen und Nervenzellen sich im Gehirn vernetzen und wie sich diese Zellnetzwerke bei Erkrankungen verändern. Die klinischen Forschenden um Prof. Dr. Stefan Bittner, Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Frauke Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, und Sven Meuth, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster, untersuchen insbesondere neurologische und psychiatrische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Depressionen und weitere neuropsychiatrische Erkrankungen wie Demenz. Die Erkenntnisse wollen die Wissenschaftler*innen langfristig dazu nutzen, um Krankheitsverläufe besser vorherzusagen und neue, auf die Beeinflussung der Zellnetzwerke basierende Therapieansätze zu entwickeln.

    Lange ging die Forschung davon aus, dass die Blut-Hirn-Schranke das Gehirn weitgehend vom Immunsystem abschirmt und so das empfindliche Nervensystem vor Entzündungen schützt. Die von der DFG geförderten Projekte führen die langjährige international erfolgreiche Arbeit aus Mainz und Münster fort, die gezeigt hat, dass Immunzellen eng mit Nervenzellen und sogenannten Gliazellen interagieren. Gliazellen versorgen etwa Nervenzellen mit Nährstoffen und unterstützen sie dabei, Signale weiterzuleiten. Zugleich spielen sie eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen im Gehirn. Verlieren diese Zellnetzwerke ihr Gleichgewicht, kann dies neurologische und psychische Erkrankungen begünstigen oder verstärken. Darum untersucht der neue SFB/TRR 460, wie diese Zellnetzwerke gesunde Hirnfunktionen steuern und welche Veränderungen Krankheitsprozesse antreiben. Zum Einsatz kommen dafür modernste Analyseverfahren, darunter Multiom-Analysen, Einzelzellsequenzierungen und hochauflösende Bildgebungsverfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Magnetoenzephalographie (MEG). Die Wissenschaftler*innen untersuchen die Zellnetzwerke sowohl in künstlicher Umgebung im Reagenzglas als auch in Tiermodellen und mittels computergestützter Modellierungen. Ergänzt werden diese Methoden durch klinische Studien.

    Die Sprecherschaft des SFB/TRR 460 hat Prof. Dr. Stefan Bittner, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, inne. Co-Sprecher*innen sind Prof. Dr. Frauke Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, sowie Prof. Dr. Sven Meuth vom Universitätsklinikum Münster. Weitere Partner des Forschungsverbunds sind die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Universität zu Köln sowie das Forschungszentrum Jülich. Die DFG fördert das Projekt mit mehr als 12 Millionen Euro.

    SFB/TRR 234: Lichtgetriebene molekulare Katalysatoren in hierarchisch strukturierten Materialien – Synthese und mechanistische Studien
    Sprecherhochschule: Universität Ulm
    Der SFB/TRR 234 „Lichtgetriebene molekulare Katalysatoren in hierarchisch strukturierten Materialien – Synthese und mechanistische Studien“ (CataLight) geht in seine dritte Förderperiode. Der Verbund erforscht die Grundlagen lichtgetriebener Katalyse nach dem Vorbild der natürlichen Photosynthese: Molekulare Lichtsammler und Katalysatoren werden in weiche Materie wie Polymere und Biopolymere eingebettet, um so künstliche photosynthetische Architekturen zu schaffen, die Sonnenlicht direkt in chemische Energie umwandeln können – beispielsweise in Form von grünem Wasserstoff durch lichtgetriebene Wasserspaltung. In der neuen Förderperiode liegt der Schwerpunkt auf der vollständigen Integration der entwickelten Materialsysteme in Durchfluss-Photoreaktoren mit Online-Analytik sowie auf der gezielten Ablösung edelmetallbasierter Verbindungen durch nachhaltigere Alternativen. Die Kombination fortschrittlicher experimenteller Methoden mit hochwertigen quantenchemischen Berechnungen soll tiefgreifendes Verständnis zur Reaktivität dieser Systeme über verschiedene Längen- und Zeitskalen ermöglichen.

    Die JGU ist durch Prof. Dr. Carsten Streb, Department Chemie, vertreten. Seine Arbeitsgruppe entwickelt im Rahmen von CataLight neuartige, edelmetallfreie Katalysatoren für die lichtgetriebene Wasseroxidation und Wasserstoffentwicklung, sowie 3D-Drucktechniken für die Entwicklung mikrostrukturierter Photoreaktoren. Die DFG fördert den Verbund in der neuen Förderperiode mit rund vierzehn Millionen Euro über vier Jahre. Neben der Sprecherhochschule Universität Ulm sind weiterhin die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, die Universität Wien, das Leibniz-Institut für Photonische Technologien Jena, das Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung Leipzig, sowie das Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz beteiligt.

    SFB 1487: Eisen, neu gedacht!
    Sprecherhochschule: Technische Universität Darmstadt
    Für eine nachhaltige Zukunft müssen Materialien und Prozesse, die auf seltenen, toxischen oder kritischen Elementen basieren, grundlegend überdacht werden. Solche Elemente finden sich beispielsweise in moderner Elektronik, Katalysatoren in der chemischen Industrie oder magnetischen Materialien für technische Anwendungen. Der SFB 1487 „Eisen, neu gedacht!“ widmet sich dieser globalen Herausforderung. Aufgrund seiner überzeugenden wissenschaftlichen Erfolge wird der SFB ab Sommer 2026 in einer zweiten Förderperiode bis Ende 2029 weitergeführt.

    Unter der Leitung seiner Sprecherin Prof. Dr. Ulrike Kramm an der TU Darmstadt, bündelt der SFB das Fachwissen zu Eisen unter Beteiligung der beiden anderen Rhein-Main-Universitäten Frankfurt und Mainz sowie den Partneruniversitäten Heidelberg, Paderborn, Bayreuth, der TU München, und des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion. Beteiligt von der JGU ist Prof. Dr. Angela Möller vom Department Chemie.

    Eisen ist allgegenwärtig, günstig und umweltfreundlich. Seine Vielseitigkeit macht es zum idealen Ausgangsstoff für neue nachhaltige, funktionale Materialien – etwa in der Katalyse oder im Magnetismus. Doch seine hohe und oft unkontrollierte Reaktivität erschwert bisher den breiten Einsatz. Im Zentrum des SFB steht die Vision, dass mit Hilfe der Chemie die Umgebung von Eisen so moduliert werden kann, dass seine Reaktivität und Eigenschaften für nachhaltige Anwendungen gezielt gesteuert werden können. Die potenziellen Anwendungsfelder sind weitreichend: von der Katalyse für eine nachhaltige industrielle Produktion von Basischemikalien, zur Brennstoffzelle im Bereich Automotive, bis hin zu neuartigen magnetischen Materialien für Kühlsysteme und Windkraftanlagen.

    SFB 1531: Schadenskontrolle durch das stroma-vaskuläre Kompartiment
    Sprecherhochschule: Goethe-Universität Frankfurt am Main
    Die DFG hat zudem den SFB 1531 „Schadenskontrolle durch das stroma-vaskuläre Kompartiment“ zum ersten Mal verlängert. Der SFB erforscht, wie Zellen im Bindegewebe des Herzens, des Gehirns und der Blutgefäße auf Schäden reagieren. Die Forschenden untersuchen, wie geschädigtes Organgewebe heilt und seine Funktion wiederherstellt sowie welche Zellen daran beteiligt sind und wie diese interagieren. Ziel des SFBs ist es, die Schadensantwort von Zellen kontrollieren zu können, um die Gewebeheilung und Resilienz gegenüber Schäden zu verbessern.

    Die Universitätsmedizin Mainz ist an dem SFB 1531 mit einem Projekt beteiligt. Im Rahmen des Teilprojekts A09 „Phosphatase-gesteuerte Regulation des Stoffwechsels vaskulärer Zellen bei Entzündung und Fibrose“ bringen die Mainzer Forschenden insbesondere ihre Expertise in der vaskulären Biologie in den SFB ein. Ein Team um Prof. Dr. Katrin Schäfer, Leiterin der AG Translationale Vaskuläre Biologie im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, erforscht die Reaktion der Blutgefäße auf erlittene Schädigungen und insbesondere die Bedeutung von Phosphatasen für die Kontrolle der Schadensantwort. Phosphatasen sind eine Gruppe von Enzymen, die auch die Zellen im Bindegewebe, dem sogenannten stroma-vaskulären Kompartiment, entscheidend beeinflussen. Da sie dadurch auf den Prozess der Vernarbung der Blutgefäße, auch als vaskuläre Fibrose bezeichnet, einwirken, bilden die Phosphatasen einen vielversprechenden Forschungsansatz.

    Die Sprecherschaft für den SFB 1531 hat Prof. Dr. Ralf Brandes, Direktor des Instituts für Kardiovaskuläre Physiologie (Physiologie I) des Universitätsklinikums der Goethe-Universität Frankfurt, inne. Weitere Kooperationspartner sind die Universität Heidelberg sowie das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. Der SFB 1531 erhält für die vier Jahre der zweiten Förderperiode rund 14,5 Millionen Euro. Mit den Universitäten in Frankfurt und Mainz kooperieren in dem SFB zwei Partner der strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten.

    SFB 1784: Das Zusammenspiel von Thrombose und Inflammation – Translation molekularer Mechanismen in klinische Applikationen (InTraC)
    Sprecherhochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
    Der neue SFB 1784 „Das Zusammenspiel von Thrombose und Entzündung – Von molekularen Mechanismen zu klinischen Anwendungen” untersucht die Wechselwirkung zwischen Blutgerinnung und Entzündungsreaktionen. Diese Prozesse spielen unter anderem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen oder Gefäßschäden eine zentrale Rolle. Die Forschenden wollen besser verstehen, wie Entzündungen die Bildung von Blutgerinnseln beeinflussen und wie Gerinnungsprozesse wiederum Entzündungen verstärken können. Langfristiges Ziel ist es, durch die Forschungsergebnisse krankhafte Prozesse frühzeitig erkennen und gezielter behandeln zu können sowie neue Ansätze für die Diagnostik, die Prävention und die Therapie sogenannter thromboinflammatorischer Erkrankungen entwickeln zu können. Dafür verfolgt der interdisziplinäre Forschungsverbund einen translationalen Ansatz, durch den Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung möglichst schnell in eine klinische Anwendung geführt werden sollen. Die Wissenschaftler*innen nutzen dafür modernste molekularbiologische Methoden wie sogenannte Multi-Omics-Analysen, die Daten über Gene, Proteine und Stoffwechselprodukte miteinander verknüpfen. Hinzu kommen bioinformatische Netzwerkanalysen sowie innovative Tiermodelle und bildgebende Verfahren. Zudem sollen neue Therapieansätze entwickelt werden, darunter RNA-basierte Therapien, Gentherapien und zellbasierte Behandlungsstrategien.

    Am SFB 1784 sind von der Universitätsmedizin Mainz Dr. Magdalena Bochenek, Prof. Dr. Christoph Reinhardt und Prof. Dr. Wolfram Ruf vom Centrum für Thrombose und Hämostase, Prof. Dr. Katrin Schäfer vom Zentrum für Kardiologie und PD Dr. Nadine Müller-Calleja vom Institut für Klinische Chemie und Labormedizin beteiligt. Die Sprecherschaft hat Prof. Dr. Steffen Massberg, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München, inne. Das Projekt wird mit rund 12,8 Millionen Euro gefördert.


    Weitere Informationen:

    https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/press... – Pressemitteilung der DFG „DFG fördert 13 neue Sonderforschungsbereiche“ (15.05.2026)
    https://www.rhein-main-universitaeten.de/ – Rhein-Main-Universitäten


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Forschungsprojekte, Organisatorisches
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).