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19.05.2026 14:59

Doktorin der Universität Koblenz für hervorragende Leistung im Bereich Mikrobiologie ausgezeichnet

Dr. Birgit Förg Referat Kommunikation
Universität Koblenz

    Dr. Jule Freudenthal von der Arbeitsgruppe Aquatische Ökosystemanalyse der Universität Koblenz wurde für ihre Dissertation „New approaches for investigating microbial food webs across ecosystems“ mit dem Karl-Gottlieb-Grell-Preis der Society of Eukaryotic Microbiology, ehemals: Deutsche Gesellschaft für Protozoologie, ausgezeichnet.

    Freudenthal, die mittlerweile an der Universität Koblenz als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe tätig ist und ihre Expertise dort einbringt, untersuchte in einem Verbundprojekt zwischen der Universität zu Köln und der Universität Leipzig mikrobielle Nahrungsnetze in sehr unterschiedlichen Ökosystemen - von Kläranlagen über Böden und Pflanzenwurzeln bis hin zu Baumkronen.

    Im Mittelpunkt stehen dabei Protisten, also meist einzellige, komplexe Mikroorganismen, und ihre Funktion in mikrobiellen Nahrungsnetzen.

    Sie kam dabei zu bemerkenswerten Ergebnissen: Die Gemeinschaft mikrobieller Räuber erklärt die saisonalen Verschiebungen von Bakteriengemeinschaften in Bioreaktoren. In einem solchen Bioreaktor läuft ein biologischer Prozess, bei dem Mikroorganismen gelöstes Nitrat unter Sauerstoffausschluss zu unschädlichem Luftstickstoff abbauen. Dies ist ein zentraler Schritt in der Abwasserreinigung, Aquarientechnik und Grundwassersanierung, um Gewässer vor Überdüngung zu schützen. Eine Änderung in der saisonal schwankenden Abwassertemperatur gestaltet nicht die wichtige bakterielle Gemeinschaft um, stattdessen ändert die Temperatur die Gemeinschaft mikro-eukaryotischer Räuber, die wiederum die Bakteriengemeinschaft prägen.

    Solche mikrobiellen Prozesse in Kläranlagen entfernen auch aktiv darmassoziierte Parasiten. In zehn Schweizer Kläranlagen zeigte eine DNA/RNA-Sequenzierung eine überraschend diverse und aktive Gemeinschaft mikro-eukaryotischer Darmparasiten, besonders im Zulauf. Netzwerkanalysen verknüpften ihren Rückgang während der Abwasserbehandlung mit Räuber-Beute-Interaktionen. Der fäkalienassoziierte Protist Rosculus zeigte sich im Abwasserzulauf hochaktiv, brach aber im Denitrifikationsbioreaktor stark ein. Rosculus erreichte im Zulauf bis zu etwa 84 Prozent der protistischen RNA-Reads, also Sequenzierungsdaten, die genutzt werden, um die Artenvielfalt und Aktivität von Mikroorganismen in Umweltproben zu bestimmen. In der späteren Denitrifikation lag der Wert aber nur etwa 4 Prozent. Netzwerkanalysen deuteten darauf hin, dass diese Protisten im Zuge des Abwasserreinigungsprozesses von Rädertierchen gefressen wurden.

    Insgesamt verfolgt die Arbeit von Dr. Jule Freudenthal einen innovativen und integrativen Ansatz: Sie verbindet modernste molekulare und bioinformatische Methoden mit ökologischen und evolutionären Fragestellungen und ermöglicht dadurch ein umfassenderes Verständnis mikrobieller Gemeinschaften.

    Über den Karl-Gottlieb-Grell-Preis der Society of Eukaryotic Microbiology

    Der Karl-Gottlieb-Grell-Preis der Society of Eukaryotic Microbiology wird an Nach-wuchswissenschaftler*innen für herausragende Dissertationen im Bereich der euka-ryotischen Mikrobiologie vergeben. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die sich durch wissenschaftliche Exzellenz, Originalität und methodische sowie konzeptionelle Innovation auszeichnen.

    Der Preis ist mit Reisekosten, Teilnahmegebühr an der diesjährigen Tagung, einer einjährigen Mitgliedschaft in der Gesellschaft und einem Geldbetrag von 250 Euro dotiert.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Jule Freudenthal
    Universität Koblenz
    Universitätsstr. 1
    56070 Koblenz

    E-Mail: jule.freudenthal@uni-koblenz.de


    Bilder

    Dr. Jule Freudenthal
    Dr. Jule Freudenthal
    Quelle: Prof. Dr. Kenneth Dumack
    Copyright: Universität Koblenz


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Dr. Jule Freudenthal


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