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28.05.2026 14:39

75. Nobelpreisträgertagung: ATB-Forscher erreicht mit „künstlichem Torf“ das Finale der Scientists for Nature Challenge

Dr. Ulrike Glaubitz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)

    Ein herausragender Erfolg für die Bioökonomieforschung des ATB: Mit der neuartigen Technologie zur Herstellung von „Künstlichem Torf“ hat ATB-Forscher Nader Marzban das Finale der „Scientists for Nature Challenge“ im Rahmen der 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung erreicht. In einem hochkompetitiven internationalen Auswahlverfahren, das in diesem Jahr eine Rekordzahl an Bewerbungen aus mehr als 25 Ländern verzeichnete, setzte sich der innovative Ansatz neben Projekten führender Institutionen wie dem MIT und der TUM durch.

    Die Technologie (Patent angemeldet) wurde für das Programm „A Quantum Leap for Biodiversity“ ausgewählt, das revolutionäre und skalierbare Lösungen zur Umkehr des Biodiversitätsverlustes sucht. Am 29. Juni wird Nader Mazban den Ansatz vor Nobelpreisträgern sowie einem internationalen Publikum aus Wissenschaft, Wirtschaft und gemeinnützigen Organisationen präsentieren.

    Von Jahrtausenden zu Minuten: Eine technologische Revolution für den Klimaschutz

    Die am ATB entwickelte Technologie beschleunigt Prozesse der Torfbildung und Humifizierung – die in der Natur Jahrtausende dauern – auf einen kontrollierbaren Vorgang von wenigen Minuten. Damit bietet sie eine vielversprechende Lösung für eines der drängendsten Klimaprobleme: die Entwässerung und der Abbau von Mooren. Diese sind für etwa fünf bis sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Europas verantwortlich. Der künstliche Torf kann als Torfersatz in Kultursubstraten dienen und so den Druck auf natürliche Moore entscheidend verringern.

    „Für diese hochinnovative Challenge ausgewählt zu werden und die Gelegenheit zu haben, unsere Technologie vor Nobelpreisträgern, führenden Forschenden und internationalen Förderern, die sich für Biodiversität und Naturschutz engagieren präsentieren zu dürfen, ist eine enorme Ehre und eine starke Motivation“, so Nader Marzban. „Wir sehen planetare Krisen – sieben der neun planetarischen Grenzen sind bereits überschritten – wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust als miteinander zusammenhängende Folgen der aus dem Gleichgewicht geratenen Beziehung zwischen Mensch und Natur. Unser Ziel ist es, verschiedene lignozellulosehaltige Biomassen, darunter Biomasse aus Paludikultur-Systemen auf wiedervernässten Mooren und andere biogene Reststoffe, zu nutzen, um praktische und skalierbare Ansätze für die Bioökonomie zu entwickeln, die auf realen Ökosystemen und zirkulären Ressourcenkreisläufen basieren. Wir glauben, dass zukünftige Technologien nicht nur Prozesse optimieren, sondern auch dazu beitragen müssen, das Gleichgewicht zwischen menschlicher Aktivität, Biodiversität und den ökologischen Systemen, von denen Gesellschaften abhängen, wiederherzustellen Gleichzeitig sollten Technologien über verschiedene Regionen und wirtschaftliche Kontexte hinweg übertragbar sein, um die Lücke zwischen wissenschaftlicher Innovation und praktischer Umsetzung zu schließen. Echter Fortschritt erfordert gemeinsame Anstrengungen, interdisziplinäres Denken und die Erkenntnis, dass Mensch, Tier und Natur untrennbar voneinander abhängig sind."

    Nader Marzban nahm bereits im vergangenen Jahr als einer von neun Nachwuchswissenschaftlern der Leibniz-Gemeinschaft am 74. Lindauer Nobelpreisträgertreffen teil. Dies ermöglichte es ihm, sich in diesem Jahr für die „Scientists for Nature Challenge“ zu bewerben.

    Anerkennung für systemische Forschung mit Praxisrelevanz

    Die Auswahl für die „Scientists for Nature Challenge“ beinhaltet Preisgelder von bis zu 10.000 Euro sowie den Zugang zu einem maßgeschneiderten Mentoring- und Coaching-Programm, das die Finalisten – darunter Teams von ATB, MIT, TUM, CEAB, UUlm und UWA – mit einem ausgewählten internationalen Netzwerk aus Investoren, Philanthropen, Wissenschaftlern und Innovationspartnern zusammenbringt.

    Prof. Dr. Barbara Sturm, Wissenschaftliche Direktorin des ATB, betont die strategische Bedeutung des Erfolgs: „Diese Auszeichnung unterstreicht die enorme Relevanz und das Innovationspotenzial unserer systemischen Forschung. Sie zeigt, wie wir am ATB die wissenschaftlichen Grundlagen schaffen, um die Transformation hin zu einer nachhaltigen, zirkulären Bioökonomie mit konkreten technologischen Lösungen voranzutreiben. Mit unserem Deep-Tech-Ansatz leisten wir einen direkten Beitrag zu den Zielen der High-Tech-Agenda. Als integraler Bestandteil unseres „Smarte Bioraffinerien“-Konzepts ist künstlicher Torf ein Paradebeispiel dafür, wie wir ökologische Erfordernisse mit wirtschaftlichen Chancen verbinden und damit unseren InnoHof strategisch als Innovationszentrum stärken können.
    Wir freuen uns besonders, dass dieser Erfolg maßgeblich von unseren äußerst talentierten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern getragen wird, wie diese Erfindung zeigt. Ihre Kreativität, ihr Engagement und ihre wissenschaftliche Exzellenz sind der Motor für solche Durchbrüche. Diese Auszeichnung ist daher nicht nur eine Anerkennung für das Projekt selbst, sondern auch eine wunderbare Bestätigung unseres strategischen Engagements für die Förderung junger Talente am ATB. Das ist für uns von zentraler Bedeutung. Die Entwicklung der Technologie ist das Ergebnis einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit. Ein besonderer und herzlicher Dank gilt Nader Marzban als treibende Kraft hinter dieser Innovation."

    Über die „Scientists for Nature Challenge“

    Die Families for Nature Foundation ist eine internationale philanthropische Initiative, die sich der Förderung transformativer, wissenschaftlicher und technologischer Lösungen für den Schutz der biologischen Vielfalt, die Klimaresilienz und die Wiederherstellung von Ökosystemen widmet. In Zusammenarbeit mit der Lindauer Nobelpreisträgertagung organisiert die Stiftung die „Scientists for Nature Challenge“, die herausragende junge Forschende mit Nobelpreisträgern, Wissenschaftlern, Investoren, Philanthropen und Innovationsnetzwerken zusammenbringt, um den Übergang von wissenschaftlichen Entdeckungen zu konkreten Auswirkungen in der Praxis zu beschleunigen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Nader Marzban
    Wissenschaftler
    Telefon: +49 331 5699-333
    E-Mail: NMarzban@atb-potsdam.de


    Weitere Informationen:

    https://www.atb-potsdam.de/en/news-and-press/news/news-details/artificially-prod...
    https://www.atb-potsdam.de/en/news-and-press/news/news-details/novel-biorefinery...,
    https://www.atb-potsdam.de/en/news-and-press/news/news-details/artificial-peat-f...
    https://doi.org/10.18331/BRJ2025.12.1.4
    https://doi.org/10.18331/BRJ2026.13.1.2
    https://doi.org/10.1007/s42773-024-00334-1


    Bilder

    Biomasse (links) wird mithilfe der Technologie zur Gewinnung von künstlichem Torf innerhalb von 30 Minuten umgewandelt (künstlicher Torf rechts).
    Biomasse (links) wird mithilfe der Technologie zur Gewinnung von künstlichem Torf innerhalb von 30 M ...

    Copyright: ATB


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Chemie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Biomasse (links) wird mithilfe der Technologie zur Gewinnung von künstlichem Torf innerhalb von 30 Minuten umgewandelt (künstlicher Torf rechts).


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