Subjektiv wahrgenommene Gedächtnisprobleme sind bei älteren Menschen häufig, aber nicht automatisch ein Hinweis auf Demenz. Eine von der Alzheimer Forschung Initiative e.V. geförderte Studie der Universität Leipzig wertete Daten von rund 19.000 Personen ab 60 Jahren aus Deutschland und Großbritannien aus. Rund 40 Prozent erfüllten Kriterien des sogenannten „SCD Plus“ – also subjektiver Gedächtnisveränderungen, die mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden sein können. Zusammenhänge zeigten sich mit bekannten Demenz-Risikofaktoren wie Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheiten und Schlaganfällen. Die Ergebnisse können zur Früherkennung beitragen.
Subjektiv wahrgenommene Gedächtnisprobleme sind bei älteren Menschen weit verbreitet und stehen mit bekannten Risikofaktoren für Demenz in Zusammenhang. Eine aktuelle Studie des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Universität Leipzig liefert nun neue Hinweise darauf, dass bestimmte Gedächtnisveränderungen besonders häufig gemeinsam mit bekannten Risikofaktoren für Demenz auftreten.
Für die von der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) geförderte Studie unter der Leitung von Dr. Andrea Zülke wertete das Forschungsteam Daten aus drei großen bevölkerungsbasierten Untersuchungen aus Deutschland und Großbritannien aus. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, welche Rolle subjektiv wahrgenommene Veränderungen des Gedächtnisses für die frühe Erkennung von Demenz spielen könnten.
Forschung zu subjektiven Gedächtnisproblemen
Die Zahl der Menschen mit Demenz nimmt zu. Während derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit Demenzerkrankungen wie Alzheimer leben, gehen Hochrechnungen auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes von bis zu 2,7 Millionen Personen im Jahr 2050 aus. Da Demenzerkrankungen bislang nicht heilbar sind, konzentriert sich die Forschung bereits seit Längerem auch auf sogenannte präklinische Phasen – also frühe, noch nicht sichtbare Stadien der Erkrankung, die bereits vor dem Auftreten erster Symptome nachweisbar sind.
Ab etwa 60 Jahren bemerken viele Menschen im Alltag kleine Veränderungen ihres Gedächtnisses, etwa dass es ihnen schwerer fällt, sich an Namen oder Termine zu erinnern. Diese subjektiv wahrgenommenen Gedächtnisprobleme sind allerdings nicht automatisch ein Anzeichen für eine beginnende Demenzerkrankung.
Der Begriff „SCD Plus“ (subjective cognitive decline) beschreibt subjektiv wahrgenommene Gedächtnisprobleme, die auf ein erhöhtes Risiko für eine spätere Alzheimer-Erkrankung hinweisen könnten. Menschen nehmen dabei Veränderungen ihres Gedächtnisses selbst wahr, obwohl sich in Gedächtnistests zunächst noch keine Auffälligkeiten zeigen. Dazu zählt beispielsweise, dass sich Menschen Sorgen über ihr Gedächtnis machen oder auch Angehörige Veränderungen bemerken.
Daten von rund 19.000 Personen ausgewertet
„Zunächst wollten wir wissen, wie häufig diese subjektiven Gedächtnisprobleme bei älteren Personen auftreten und welche Faktoren damit im Zusammenhang stehen, etwa bestimmte Aspekte des Lebensstils oder Vorerkrankungen“, erklärt Dr. Andrea Zülke, Wissenschaftlerin am ISAP. Hierzu wurden Daten aus drei großen, bevölkerungsbasierten Studien aus Deutschland und Großbritannien ausgewertet. Insgesamt wurden rund 19.000 Personen im Alter ab 60 Jahren untersucht. „Für die Erfassung der Gedächtnisprobleme orientierte sich das Forschungsteam an international anerkannten Kriterien“, erklärt Dr. Zülke.
Zusammenhang mit bekannten Risikofaktoren
Rund 40 Prozent der untersuchten Personen erfüllten die Kriterien von SCD Plus. Subjektive Gedächtnisprobleme traten besonders häufig bei Menschen auf, die gleichzeitig bekannte Risikofaktoren für Demenz aufwiesen – darunter Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheiten oder frühere Schlaganfälle.
In einzelnen Studien zeigten sich außerdem Zusammenhänge mit Schlaf- und Hörproblemen sowie Bewegungsmangel. Seltener traten die Beschwerden dagegen bei Personen mit besserer geistiger Leistungsfähigkeit auf.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass subjektive Gedächtnisprobleme bei älteren Menschen weit verbreitet sind“, betont Dr. Andrea Zülke. „Gleichzeitig zeigen sich Zusammenhänge mit verschiedenen bekannten Risikofaktoren für Demenz.“ Die Wissenschaftlerin weist jedoch darauf hin, dass subjektive Gedächtnisprobleme allein kein Hinweis auf eine spätere Demenzerkrankung sind. „Diese Veränderungen können viele unterschiedliche Ursachen haben“, so Zülke. „Aus den beobachteten Zusammenhängen lassen sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen ableiten.“
SCD-Kriterien als möglicher Ansatz für die Früherkennung
Die Ergebnisse legen nahe, dass die SCD Plus-Kriterien möglicherweise Hinweise auf frühe Veränderungen liefern könnten, die einfach und kostengünstig zu messen sind.
„Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn sie Veränderungen ihres Gedächtnisses bemerken. Gleichzeitig wächst das Interesse an der Frage, welche Faktoren das Risiko für Alzheimer beeinflussen und was man selbst tun kann, um das persönliche Risiko zu senken“, erklärt Dr. Zülke.
Die Forschenden untersuchen nun, ob und wie subjektive Gedächtnisprobleme nach den SCD Plus-Kriterien langfristig mit Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit und dem Demenzrisiko zusammenhängen. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse liefern wichtige Hinweise darauf, welche frühen Veränderungen im Alter mit einem erhöhten Demenzrisiko in Zusammenhang stehen könnten.
Die Studienergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift Alzheimer’s Research & Therapy unter dem Titel: Prevalence and associated factors of subjective cognitive decline (SCD Plus): a cross- sectional analysis of three population-based European cohorts
Andrea.Zuelke@medizin.uni-leipzig.de
Dr. Andrea Zülke
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