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02.06.2026 10:36

Der Klimawandel verschärft religiöse Konflikte

Kerstin Schneider Abteilung Kommunikation
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

    WZB-Studie: In Nigeria kommt es zu mehr Gewalt zwischen christlichen Bauern und muslimischen Hirten

    Der Klimawandel trägt zur Eskalation bestehender lokaler Konflikte in Afrika bei. Eine neue WZB-Studie von Ruud Koopmans, Daniel Meierrieks und Daniel Tuki zeigt am Beispiel der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen nomadischen Viehhirten (hauptsächlich muslimische Fulani) und sesshaften Bauern in Nigeria, wie durch den Klimawandel ausgelöste Dürren bestehende religiöse Konflikte verschärfen. Trockenperioden führen allerdings nicht automatisch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen um Land und knappe Ressourcen. Gewalt wird nur in den Gegenden deutlich wahrscheinlicher, in denen muslimische Hirten auf eine überwiegend christliche Bevölkerung treffen.

    Ruud Koopmans, Direktor der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung, WZB-Postdoc Daniel Meierrieks und Daniel Tuki haben für ihre Studie Daten für rund 300 Gebiete in Nigeria von 1997 bis 2020 ausgewertet. Das Auftreten von Dürreperioden wurde mit einem standardisierten Index ermittelt und die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung in den einzelnen Regionen über die Zahl von Kirchen und Moscheen bestimmt. Außerdem führten die Autoren eine eigene Umfrage im Bundesstaat Kaduna in Zentralnigeria durch.

    Die empirische Analyse liefert Belege dafür, dass das Auftreten von Dürren die Wahrscheinlichkeit von Konflikten zwischen Viehzüchtern in den Teilen des Landes, in denen muslimische Hirten einer überwiegend muslimischen sesshaften Bevölkerung gegenüberstehen, nicht erhöht. Wo das Potenzial für interreligiöse Spannungen besteht (d. h. in überwiegend christlichen Teilen Nigerias), kommt es unabhängig vom Klimawandel zu mehr gewalttätigen Konflikten. Allerdings verstärken Dürren die Gewalt zwischen Viehzüchtern und anderen Bevölkerungsgruppen erheblich. Das heißt, die negative Wechselwirkung zwischen Dürren und religiösen Spannungen schafft besonders günstige Bedingungen für das Entstehen von Konflikten.

    Die Befragung in Kaduna ergänzt diese Befunde: Christliche Befragte sehen häufiger religiöse Ursachen in dem Konflikt um Weideflächen, und sie misstrauen den muslimischen Fulani stärker. Muslimische Befragte machen häufiger Dürren und Konkurrenz um Ressourcen als Ursachen aus. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen tragen zur Eskalation bei. Die Forscher machen deutlich, dass sich die Zunahme von bestehenden religiösen Konflikten durch den Klimawandel auch auf andere Regionen wie zum Beispiel die Sahelzone übertragen lässt. Sie schlagen verschiedene politische und praktische Maßnahmen vor: Es brauche Schritte gegen die Folgen von Dürre (besseres Wasser‑ und Landmanagement, alternative Einkommensquellen, Frühwarnsysteme) und außerdem Programme zur Vertrauensbildung und Konfliktvermittlung in religiös gemischten Regionen. So kann vermieden werden, dass ökologische Krisen in Gewalt umschlagen.

    Die Studie „The Role of Droughts and Religious Cleavages in Pastoralist Conflict in Nigeria“ wurde als WZB Discussion Paper SP VI 2026–101 veröffentlicht. Sie entstand im Rahmen der DeZIM-Forschungsgemeinschaft und des Projekts TRANSMIT, das am WZB von Daniel Meierrieks koordiniert wird.



    Die Autoren:

    Prof. Dr. Ruud Koopmans ist Direktor der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Einwanderungs- und Integrationspolitik, ethnische Ungleichheit und ethno-kulturelle Konflikte, religiöser Fundamentalismus und die Politologie der Globalisierung.

    Dr. Daniel Meierrieks ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung. Er forscht unter anderem zu den Themen Internationale Migration, Terrorismus und politische Gewalt und Entwicklungsökonomik.

    Dr. Daniel Tuki war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung und arbeitet jetzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg. Er forscht unter anderem zu den Themen interkommunale Konflikte, Migration und Entwicklungsökonomie.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Ruud Koopmans
    Tel. 030/25491-451
    Ruud.Koopmans@wzb.eu


    Dr. Daniel Meierrieks
    Tel. 030/25491-447
    Daniel.Meierrieks@wzb.eu

    Kerstin Schneider
    Chefredakteurin Onlinekommunikation
    Tel. 030/25491-506
    kerstin.schneider@wzb.eu


    Originalpublikation:

    https://bibliothek.wzb.eu/pdf/2026/vi26-101.pdf


    Weitere Informationen:

    https://www.dezim-institut.de/en/projects/transmit-3-0-transnational-perspective...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Gesellschaft, Meer / Klima, Religion, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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