idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
10.06.2026 09:34

Kooperation oder Konflikt? Neueste PRIF-Studie zu Gerechtigkeitsansprüchen in multilateralen Verhandlungen

Dr. Ursula Grünenwald Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
PRIF – Peace Research Institute Frankfurt / PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung

    Frankfurt am Main, 10. Juni 2026. Simone Wisotzki untersucht in ihrer neuen Publikation „The Justice Motive in Multilateral Negotiations“, wie Staaten in den Vereinten Nationen über Themen der Gerechtigkeit verhandeln. Die Friedens- und Konfliktforscherin am PRIF beobachtet, dass teilnehmende UN-Mitgliedsstaaten oft unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit haben, was Konfliktpotential birgt. Wisotzki kommt zu dem Ergebnis, dass Aushandlungen über Gerechtigkeit ambivalente Effekte haben: Einerseits können sie Zusammenarbeit fördern, andererseits auch Konflikte verschärfen. Für ihr Buch erhielt Wisotzki den „Wissenschaftlichen Preis Friedenstheorien“ des Karl Alber Verlag.

    In multilateralen Verhandlungen haben die teilnehmenden Staaten oft unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit. Dabei sind gerade die Fragen nach Gerechtigkeit nicht nur in unserer heutigen Gesellschaft, sondern auch für die Friedens- und Konfliktforschung äußerst relevant, wie Simone Wisotzki zeigt. Die Autorin ist Projektleiterin am PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung und befasst sich mit humanitärer Rüstungskontrolle, Rüstungsexporten und Geschlechterperspektiven in der Friedens- und Konfliktforschung.

    Konzeptionen der Gerechtigkeit

    Um solche Aushandlungen zu ergründen, stützt sich Wisotzki theoretisch auf die interdisziplinäre Konzeption des „Gerechtigkeitsmotivs“, das sowohl strategisch als auch altruistisch zu verstehen ist und von Diplomat*innen ebenso ambivalent verwendet wird. In ihrer theoretischen Konzeption zeichnet sie historisch nach, wie sich das Gerechtigkeitsmotiv disziplinär aus dem Naturrecht über die Rechtswissenschaften und die Politische Theorie bis in die Internationalen Beziehungen entwickelt hat. Sie weist nach, dass das Gerechtigkeitsmotiv oftmals ungerechte Ergebnisse zur Folge haben kann.

    Empirische Forschung

    Empirisch untersucht Wisotzki das Gerechtigkeitsmotiv anhand der Verhandlungen zur Kleinwaffenkontrolle (UNPoA), dem Waffenhandelsvertrag (ATT) sowie dem Aushandlungsprozess zur konfliktbedingten sexualisierten Gewaltsnorm (CRSV) im Rom Statut und dem Internationalen Strafgerichtshof.

    Gerechtigkeit als zentrale und ambivalente Kraft

    Die Studie zeigt anhand der Gerechtigkeitskonzeption von Nancy Fraser, dass das Streben nach Fairness zwischen Staaten nicht unbedingt zu gerechten Ergebnissen führt, sondern selbst auch neue Formen von Ungerechtigkeit hervorbringen kann. Dabei wird deutlich, dass Gerechtigkeitsansprüche gegenläufige Effekte haben können: Einerseits können sie internationale Zusammenarbeit fördern, andererseits können Normkonflikte dadurch verschärft werden, weil eben konfliktträchtige Ansprüche Einigungen erschweren. Gerechtigkeit erweist sich somit als eine zentrale, aber ambivalente Kraft in Verhandlungen und der Herausbildung von regelbasierter globaler Ordnung.

    Zur Monografie „The Justice Motive in Multilateral Negotiations“

    Die Monografie geht auf die Habilitationsschrift von Wisotzki zurück, die von David Welch (Balsillie School of International Affairs, University of Waterloo/Canada) und Anja Jacobi (Technische Universität Braunschweig) sowie Jens Steffek und Markus Lederer (beide Technische Universität Darmstadt) begutachtet wurde.

    Die Habilitationsschrift ist das Ergebnis des Forschungsprojekts „Bedingungen gelingender Regelung im Spannungsfeld zwischen Humanitarismus und Souveränität“ am PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung. Es wurde von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

    Das Buch ist Teil der Reihe „Friedenstheorien, die unter diesem Link zu finden ist: https://www.nomos-shop.de/de/series/series/view/id/B001351500/.
    ___

    Pressekontakt

    Dr. Ursula Grünenwald, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
    Telefon: +49 69 959104-13
    presse@prif.org
    ___

    Über die Autorin

    PD Dr. Simone Wisotzki ist Vorstandsmitglied am PRIF und Projektleiterin im Programmbereich Internationale Sicherheit. Sie forscht zu humanitärer Rüstungskontrolle (Landminen, Clustermunition, Klein- und Leichtwaffen), Rüstungsexporten und Geschlechterperspektiven in der Friedens- und Konfliktforschung.
    ___

    Über das PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung

    Das PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung ist eines der führenden Friedensforschungsinstitute in Europa. Es wurde 1970 als eine vom Land Hessen und Bund geförderte Stiftung öffentlichen Rechts gegründet. Ziel des Instituts ist es, die Ursachen internationaler und innerstaatlicher Konflikte zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Das Institut ist in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsverbünden aktiv. Seit 2009 ist das PRIF Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das PRIF verbindet interdisziplinäre Grundlagenforschung mit dem Transfer von Wissen in Politik, Medien und Gesellschaft. https://www.prif.org/ | Blog: http://blog.prif.org/


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    https://www.prif.org/ueber-uns/person/simone-wisotzki


    Weitere Informationen:

    https://www.nomos-shop.de/de/series/series/view/id/B001351500/


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Philosophie / Ethik, Politik, Recht
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).