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12.06.2026 12:47

OB-Barometer 2026: Finanznot und Wirtschaftssorgen dominieren kommunale Agenda

Sybille Wenke-Thiem Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik

    Finanzen bleiben laut OB-Barometer des Difu auch 2026 wichtigstes Thema der Städte. Wirtschaft und Arbeitsmarkt gewinnen an Bedeutung, die Unterbringung von Geflüchteten verliert für Kommunen an Dringlichkeit. Herausforderungen durch Demokratieskepsis und Rechtspopulismus größer.

    Kommunalfinanzen bleiben mit Abstand größte Herausforderung

    Berlin. Die Kommunalfinanzen bleiben das aktuell wichtigste Handlungsfeld der (Ober)Bürgermeister:innen (OBs) in Deutschland. Vor dem Hintergrund des kommunalen Finanzierungsdefizits gewinnt das Thema 2026 weiter an Bedeutung: Für fast vier Fünftel der befragten Stadtspitzen ist es die dringendste Aufgabe. Mit deutlichem Abstand folgen die Themen Wohnungsbau (36 %) und Stärkung der Wirtschaft (35 %).

    Die anhaltend schwierige konjunkturelle Lage, eine vielerorts schrumpfende Industrie sowie die Verlagerung und der Abbau von Arbeitsplätzen erhöhen zugleich den Handlungsdruck auf kommunaler Ebene. Entsprechend gewinnt die Wirtschaftsförderung deutlich an Bedeutung und liegt nun vor dem Thema „Klimaschutz, Energiepolitik, Nachhaltigkeit und Wärmewende“.

    „Unsere aktuellen Umfrageergebnisse aus dem OB-Barometer 2026 und auch die Zahlen des Arbeitskreises Steuerschätzungen, die für Städte und Gemeinden weitere erhebliche Verluste bei den Steuereinnahmen zeigen, machen deutlich, dass wir ernsthaft und zügig über eine Neuordnung der föderalen Finanzordnung sprechen müssen“, kommentiert Difu-Institutsleiter Prof. Dr. Jochen Monstadt die Ergebnisse.

    Digitalisierung und Künstliche Intelligenz gewinnen an Gewicht

    Häufiger als in den Vorjahren nennen die OBs auch die Themen Smart City, Digitalisierung sowie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dahinter steht unter anderem die Erwartung, Verwaltungsabläufe zu vereinfachen und Bürokratie durch digitale Lösungen zu reduzieren.

    Demografischer Wandel rückt stärker in den Fokus

    Erstmals zählt die demografische Entwicklung zu den wichtigsten aktuellen und künftigen Handlungsfeldern der Städte. Besonders die Herausforderungen für Gesundheitsversorgung und Pflege werden hervorgehoben. Vor allem die ostdeutschen Stadtspitzen sehen hier wachsenden Handlungsbedarf.

    2026 wird von den OBs erstmalig das Themenfeld Katastrophenschutz, Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement genannt. 13 % der OBs sehen es als wichtige Herausforderung. Dies spiegelt die Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Entwicklungen auf die kommunale Ebene wider.

    Auch mittelfristig keine Entspannung in Sicht

    Eine schnelle Verbesserung der Lage erwarten die Kommunen nicht. Finanzen und Haushaltskonsolidierung bleiben auch mit Blick auf die kommenden fünf Jahre laut OBs das dominierende Thema (64 %). Es folgen die Stärkung der Wirtschaft (32 %) und der Wohnungsbau (30 %).

    Zugleich gewinnt die Stärkung der Innenstädte wieder an Bedeutung. Die unsichere Zukunft vieler Warenhäuser, Leerstände im Einzelhandel sowie sinkende Besucher:innenzahlen in zahlreichen Innenstädten verdeutlichen die Herausforderungen. Hinzu kommt, dass mehrere Förderprogramme für Innenstädte inzwischen ausgelaufen sind oder in diesem Jahr auslaufen.

    Demgegenüber verlieren die Themen Klimaanpassung, Nachhaltigkeit und Klimawandel im Vergleich zu den Vorjahren weiter an Bedeutung.

    Unterbringung von Geflüchteten verliert an Dringlichkeit

    Beim Thema Unterbringung von Geflüchteten setzt sich der bereits 2025 beobachtete Trend fort. Nur noch 43 % der Kommunen bewerten die Situation als erhebliche Herausforderung; im Vorjahr waren es noch fast 60 %. Die rückläufigen Asylantragszahlen führen vielerorts zu einer Entlastung. „Die wichtigen Aufgaben, ausreichend Wohnraum bereitzustellen, ausreichend Infrastruktur in den Bereichen Kita und Schule zu schaffen sowie Integration zu unterstützen und zu begleiten, bestehen allerdings weiterhin fort“, betont Difu-Wissenschaftlerin Dr. Beate Hollbach-Grömig.

    Finanzielle und demografische Herausforderungen prägen die Perspektiven

    Wie bereits im Vorjahr wird die kommunalpolitische Diskussion 2026 vor allem durch die Finanzlage bestimmt, und keine Kommune erwartet eine schnelle Verbesserung der Situation – im Gegenteil. Gleichzeitig wächst die Sensibilität für die Folgen des demografischen Wandels – finanziell, wirtschaftlich und infrastrukturell.

    Die Herausforderungen werden von Kommunen aller Größenordnungen so wahrgenommen. Die Einschätzungen der Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister unterscheiden sich – wie bereits in den Vorjahren – nur gering zwischen Bundesländern und Stadtgrößen.

    Hintergrund: Informationen zum OB-Barometer und zum Deutschen Institut für Urbanistik

    Das OB-Barometer des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) ist eine jährlich durchgeführte Befragung der (Ober-)Bürgermeisterinnen der deutschen Städte ab 50.000 Einwohnerinnen. Sie wird vom Deutschen Städtetag und vom Deutschen Städte- und Gemeindebund unterstützt und hat zum Ziel, anhand von vier Fragen frühzeitig Veränderungen in diversen kommunalen Handlungsfeldern sichtbar zu machen. Die diesjährigen Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen telefonischen Befragung, die vom 14. Januar bis 2. April 2026 vom Meinungsforschungsinstitut infratest dimap im Auftrag des Difu durchgeführt wurde. 121 der 195 eingeladenen (Ober-)Bürgermeister:innen (darunter zwölf stellvertretende Personen) beteiligten sich. Dies entspricht einer Teilnahmequote von 62,1 %.

    Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik

    Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) ist das größte Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, kommunale Wirtschaft, Kommunalfinanzen, Städtebau, soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht oder Verwaltungsthemen: Das 1973 gegründete, unabhängige, in Berlin und Köln ansässige Institut beschäftigt sich praxisorientiert mit allen Aufgaben, die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Jochen Monstadt
    +49 30 39001-214
    monstadt@difu.de
    Dr. Beate Hollbach-Grömig
    +49 30 39001-293
    hollbach-groemig@difu.de


    Originalpublikation:

    Virtuelle Pressemappe: https://difu.de/19647


    Weitere Informationen:

    https://repository.difu.de/handle/difu/432


    Bilder

    Abbildung 1
    Abbildung 1
    Quelle: Difu
    Copyright: Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Politik, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Abbildung 1


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