Im Rahmen der feierlichen Preisverleihungen der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) bei der ANIM 2026 in Dortmund wurde Dr. Tobias Mederer, Regensburg mit dem DGNI Nachwuchsförderungspreis geehrt. Dr. Ilko Maier, Göttingen, wurde mit dem DGNI Zukunftspreis ausgezeichnet. Im Interview geben beide Experten Einblicke in ihre herausragenden Forschungen und ihre weiteren wissenschaftlichen Pläne.
Dr. Tobias Mederer, Regensburg, ist Preisträger des DGNI Nachwuchsförderungspreises 2026.
Dr. Mederer, welches ist Ihr herausragendes Forschungsthema, für das Sie mit dem diesjährigen DGNI Nachwuchsförderungspreis ausgezeichnet wurden?
Dr. Tobias Mederer: Der Preis wurde für das Projekt mit dem Thema „Point-of-Care Echtzeit-Sequenzierung von zellfreier DNA aus dem Liquor zum sensitiven Erreger-Nachweis bei EVD-assoziierten Infektionen“ verliehen.
Bei Hirnblutungen und schweren Schädel-Hirn-Traumata ist häufig die Anlage eines Katheters notwendig, um Hirnwasser (Liquor) nach außen abzuleiten und den Hirndruck zu kontrollieren. Eine Infektion dieser Katheter stellt dabei eine schwerwiegende Komplikation dar. Problematisch ist, dass sich der verursachende Keim oftmals nicht eindeutig nachweisen lässt. In der Folge müssen Patient:innen häufig über längere Zeit breit antibiotisch behandelt werden. Ein innovativer Ansatz, diese Problematik zu adressieren, besteht in der Analyse von zellfreier DNA um den Keim schnell und sensitiv zu identifizieren.
Welche Überlegungen gibt es bei Ihnen, wofür das Preisgeld eingesetzt werden soll?
Dr. Tobias Mederer: Das Preisgeld soll zur Durchführung eines Pilotprojektes auf diesem Gebiet genutzt werden. Ziel dieses Projekts ist es, Infektionen des Hirnwassers präziser zu diagnostizieren und antibiotische Therapien gezielter sowie personalisiert zu steuern. Es wird die Anschaffung eines Nanopore Sequenziergeräts und die Durchführung dieser hochmodernen Echtzeit-Sequenzierung von zellfreier DNA aus dem Nervenwasser finanziert. Diese sogenannte „Liquid Biopsy“ ermöglicht es, selbst kleinste DNA-Bestandteile von Krankheitserregern nachzuweisen. Durch eine bioinformatische Analyse können innerhalb von Stunden DNA-Bestandteile der zugrundeliegenden Keime nachgewiesen werden und liefern somit schnell Informationen zu dem Infektionsgeschehen.
Was sind Ihre nächsten wissenschaftlichen Vorhaben? Gibt es schon konkrete Pläne?
Dr. Tobias Mederer: Im kommenden Jahr planen wir bei ca. 20 Patient:innen eine solche Analyse durchzuführen. Anschließend sollen diese Ergebnisse mit weiteren Kooperationspartnern in einem größeren und multi-zentrischen Rahmen validiert werden. Längerfristig erhoffen wir die Etablierung dieses Verfahrens als klinisch einsetzbare Methode, um die Therapie von Liquorinfektionen effizient und personalisiert steuern zu können. Somit kann nicht nur die Behandlungsqualität verbessert, sondern auch die Belastung durch unnötig lange oder breit angelegte Antibiotikatherapien reduziert werden.
Preisträger des DGNI Zukunftsspreises 2026 ist Dr. Ilko Maier, Göttingen
Herr Professor Maier, Ihnen wurde auf der ANIM 2026 der DGNI Zukunftspreis verliehen.
Für welches Forschungsthema wurden Sie damit ausgezeichnet?
Prof. Dr. Ilko Maier: Titel des Forschungsvorhabens: „Auf dem Weg zur hochindividualisierten Diagnostik und Therapie von Patient*innen mit schweren Schlaganfällen - der "Digital Stroke Twin"“ . Grundsätzlich geht es um die „in silico“ Darstellung und individualisierte Bewertung des zerebralen Blutflusses bei Patient*innen mit zerebrovaskulären Erkrankungen auf der Notaufnahme, der Stroke Unit und der neurologischen Intensivstation. Aufgrund der Variabilität der Anlage der intrakraniellen Gefäße und der Häufigkeit von arteriosklerotisch bedingten Verschlussprozesse der hirnversorgenden Gefäße ist die Optimierung der zerebralen Hämodynamik und auch die Therapieplanung mit den vorhandenen diagnostischen Methoden häufig limitiert. Deshalb Arbeiten wir an einem Digitalen Zwilling, an dem Einstellung des systemischen Blutdrucks und die Notwendigkeit sowie Planung kanalisierender Therapien durch Kombination physiologischer Parameter, dem neurovaskulären Ultraschall und computertomograhischer/magnetresonanztomographischer Gefäßdarstellung simuliert werden können.
Haben Sie schon Vorstellungen, wie Sie den Preis einsetzen werden?
Prof. Dr. Ilko Maier: Das Preisgeld soll insbesondere für die Finanzierung einer prospektiven Machbarkeitsstudie genutzt werden, bei der Patent*innen mit akutem Schlaganfall mit relevanten Verschlussprozessen der hirnversorgenden Gefäße individuelle systemische Blutdruckeinstellungen auf Basis von Simulationen des zerebralen Blutflusses erhalten.
Was sind Ihre nächsten Vorhaben und wie sehen Ihre zukünftigen Pläne aus?
Prof. Dr. Ilko Maier: Neben der Durchführung der oben erwähnten Studie möchten wir die Technik noch weiter verfeinern. Schritte hierzu umfassen die Hinzunahme von automatisierten Gefäßsegmentationen und Hirnvolumetrien, KI-basierter Vorhersage von Flussgeschwindigkeiten und Flussvolumina sowie die Hinzunahme der individuellen Herzfunktion (Ejektionsfraktionen, Aortenklappenfunktion etc). Ziel ist es, ein Tool in der akuten Schlaganfallversorgung zu etablieren, welches schnelle, präzise und modifizierbare Parameter der Hirndurchblutung liefert und zur individualisierten Therapieplanung und zum Monitoring genutzt werden kann.
Bei der ANIM 2026 in Dortmund wurde Dr. Tobias Mederer, Regensburg, mit dem DGNI Nachwuchsförderungs ...
Quelle: Helge Schubert
Copyright: Conventus
Dr. Ilko Maier, Göttingen, wurde bei der feierlichen Preisverleihung auf der ANIM 2026 in Dortmund m ...
Quelle: Helge Schubert
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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