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23.06.2026 10:20

Medizin vor Ökonomie: Ärzte Codex der DGIM wird eine ethische Grundlage der ärztlichen Weiterbildung

Dr. Andreas Mehdorn Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

    Der Ärzte Codex der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) soll künftig zu den ethischen Grundlagen ärztlichen Handelns gehören, die Ärztinnen und Ärzte in ihrer Weiterbildung erlernen. Das hat der 130. Deutsche Ärztetag im Rahmen der Weiterentwicklung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) beschlossen. Die DGIM begrüßt diesen Schritt als wichtiges Signal angesichts einer zunehmenden Ökonomisierung in der Medizin: Gerade in Zeiten knapper Kassen müsse der Maßstab jeder medizinischen Intervention die Notwendigkeit im Sinne jeder einzelnen Patientin und jedes einzelnen Patienten sein.

    Wenn im Gesundheitswesen über Einsparungen, Strukturreformen oder die Kosten von Arzneimitteln diskutiert wird, stellt sich für Ärztinnen und Ärzte stets die Kernfrage: Dient eine geplante Maßnahme der besseren Versorgung, der Kostensenkung oder der Gewinnoptimierung? Unter dem Leitgedanken, dass im Zweifelsfall die medizinisch begründete Entscheidung den absoluten Vorrang vor betriebswirtschaftlichen Vorgaben haben muss, hat die DGIM den Ärzte Codex „Medizin vor Ökonomie“ ins Leben gerufen. „Der Codex soll Ärztinnen und Ärzten Orientierung geben, die Entscheidungen häufig unter Zeit-, Kosten- oder Strukturdruck treffen müssen“, sagt Professorin Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger, die diese ethische Selbstverpflichtung als DGIM-Vorsitzende im Jahr 2017 initiiert hat. Mehr als 40 Verbände, medizinische Fachgesellschaften sowie zahlreiche Einzelpersonen unterstützen den Ärzte Codex.

    Nun soll der Ärzte Codex nach Beschluss des Deutschen Ärztetages in die Allgemeinen Inhalte der MWBO aufgenommen werden und neben dem Genfer Gelöbnis und der Deklaration von Helsinki als weiterer ethischer Bezugspunkt dienen. „Dass alle angehenden Ärztinnen und Ärzte sich im Laufe der Weiterbildung mit dem Ärzte Codex und den zugrunde liegenden ökonomischen Aspekten auseinandersetzen müssen, begrüßen wir ausdrücklich“, so Schumm-Draeger. Die Allgemeinen Inhalte der MWBO, in die der Ärzte Codex nun aufgenommen wird, geben vor, welche übergreifenden Kompetenzen, Haltungen und Rollen Ärztinnen und Ärzte im Laufe der Weiterbildung erwerben. Rechtlich verbindlich sind die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, die die MWBO in eigener Zuständigkeit umsetzen.

    Notwendige Einsparungen im Gesundheitswesen machen Ärzte Codex aktuell
    Der betriebswirtschaftliche Druck auf Ärztinnen und Ärzte sei in den letzten Jahren nicht weniger geworden und nehme gerade in der aktuellen Debatte um Einsparungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung, die Krankenhausreform und die Ambulantisierung nochmals zu. „Gerade deshalb ist es für junge Ärztinnen und Ärzte wichtig, einen klaren ethischen Maßstab an ihr Handeln anzulegen und stets das Patientenwohl in den Vordergrund zu stellen“, so die Münchener Internistin.

    In diesem Spannungsfeld gibt der Ärzte Codex Orientierung. „Zentrale Idee des Ärzte Codex ist, dass wirtschaftliche Aspekte eine ärztliche Entscheidung nicht beeinflussen dürfen. Entscheidend bleibt, was Patientinnen und Patienten medizinisch brauchen“, sagt auch DGIM-Generalsekretär Professor Dr. med. Georg Ertl. „Dabei entbindet er Ärztinnen und Ärzte nicht von einem verantwortungsvollen Umgang mit begrenzten Ressourcen. Gute, wissenschaftsbasierte Medizin vermeidet Überversorgung, das heißt unnötige Diagnostik und Therapie“, sagt der Internist und Kardiologe.

    Mehr zum Ärzte Codex: https://www.dgim.de/veroeffentlichungen/aerzte-codex

    Sie finden diese Meldung auch online unter: https://www.dgim.de/presse/pressemitteilungen

    Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Politik
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

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