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23.06.2026 11:04

Auch in Deutschland Anstieg von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen – aber deutlich unter US-Niveau

Dr. Sibylle Kohlstädt Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

    Darmkrebs gilt als Erkrankung des höheren Lebensalters. Eine neue Auswertung deutscher Krebsregister zeigt jedoch, dass die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen bei jüngeren Erwachsenen in den vergangenen zwei Jahrzehnten leicht angestiegen ist. Betroffen sind vor allem Menschen zwischen 20 und 39 Jahren. Die Ergebnisse beruhen auf Daten aus zehn deutschen Krebsregistern und umfassen den Zeitraum von 2003 bis 2023.

    Als „früh auftretende“ Darmkrebserkrankungen (Early-Onset Colorectal Cancer, EOCRC) gelten Erkrankungen vor dem 50. Lebensjahr. Doch Berichte über steigende Darmkrebs-Fallzahlen bei jüngeren Menschen insbesondere aus den USA motivierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der deutschen Landeskrebsregister, die Erkrankungssituation in Deutschland unter die Lupe zu nehmen.

    Ausgeprägter Anstieg bei den Jüngsten

    Für die aktuelle Analyse werteten die Experten mehr als 28.000 Darmkrebsfälle bei Menschen im Alter von 20 bis 49 Jahren aus. Dabei fanden sie, dass die Darmkrebsinzidenz bei 20- bis 29-Jährigen sowie bei 30- bis 39-Jährigen zunahm. Besonders ausgeprägt war der Anstieg in der jüngsten Altersgruppe. Bei den 40- bis 49-Jährigen blieb die Erkrankungshäufigkeit dagegen insgesamt weitgehend stabil.

    „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Anstieg von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen in Deutschland real ist, aber zumindest bislang deutlich moderater ausfällt als in den USA“, sagt Volker Arndt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Epidemiologischen Krebsregister Baden-Württemberg, einer der beiden Seniorautoren der Arbeit.

    Deutschland deutlich unter US-Niveau

    Ein wichtiger Teil der Studie war der Vergleich mit den Vereinigten Staaten, wo die Zunahme von Darmkrebs bei jüngeren Erwachsenen bereits seit Jahren intensiv diskutiert wird. Die Forschenden zeigen, dass die Erkrankungsraten in Deutschland sowohl zu Beginn des Untersuchungszeitraums als auch aktuell deutlich niedriger liegen als in den USA. Zudem verlief der Anstieg hierzulande wesentlich langsamer.

    Warum steigen die Zahlen?

    Die Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Als mögliche Einflussfaktoren werden Veränderungen des Lebensstils diskutiert, darunter Übergewicht, Bewegungsmangel und Ernährungsgewohnheiten. Auch Veränderungen der Darmflora könnten eine Rolle spielen.

    Die Ergebnisse deuten zugleich darauf hin, dass ein Teil des beobachteten Anstiegs auf eine frühere und verbesserte Diagnostik zurückzuführen sein könnte. Besonders häufig nahmen Tumoren mit vergleichsweise günstiger Prognose zu, die oft in einem frühen Stadium entdeckt werden.

    Kein Anlass für eine generelle Absenkung des Screening-Alters

    Trotz der beobachteten Entwicklung sehen die Autorinnen und Autoren derzeit keinen ausreichenden Grund, die Altersgrenze für das Darmkrebs-Screening in der Allgemeinbevölkerung unter 50 Jahre abzusenken. „Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bleibt in Deutschland insgesamt selten“, betont Jacqueline Müller-Nordhorn vom Landesinstitut Bayerisches Krebsregister des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Von jährlich rund 56.000 neuen Darmkrebsfällen entfallen lediglich etwa fünf Prozent auf Menschen unter 50 Jahren. Dennoch sollte darauf hingewiesen werden, dass bei Symptomen natürlich auch jüngere zeitnah individuell ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Vorrangig ist es, bekannte Risikogruppen – etwa Menschen mit familiärer Vorbelastung – konsequent zu identifizieren und ihnen die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen anzubieten.

    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen, die Entwicklung der Erkrankungszahlen weiterhin genau zu beobachten. Künftige Studien sollen insbesondere klären, welche Rolle frühe Lebensstilfaktoren, Übergewicht, der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln, Antibiotikaeinsatz und/oder Veränderungen der Darmflora für die Entstehung von Darmkrebs in jungen Jahren spielen.

    Sven Voigtländer, Hiltraud Kajüter, Ina Wellmann, Andras Szentkirályi, Bernd Holleczek, Volker Arndt, Jacqueline Müller-Nordhorn and the ALSTER Working Group: Incidence trends of early-onset colorectal cancer in Germany: A registry-based study from 2003 to 2023
    International Journal of Cancer, 2026, DOI: 10.1002/ijc.70600

    Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.

    Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:

    Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
    Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
    Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
    Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
    DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
    Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)

    Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

    Ansprechpartner für die Presse:

    Dr. Sibylle Kohlstädt
    Pressesprecherin
    Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
    Deutsches Krebsforschungszentrum
    Im Neuenheimer Feld 280
    69120 Heidelberg
    T: +49 6221 42 2843
    E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
    E-Mail: presse@dkfz.de
    www.dkfz.de


    Originalpublikation:

    Sven Voigtländer, Hiltraud Kajüter, Ina Wellmann, Andras Szentkirályi, Bernd Holleczek, Volker Arndt, Jacqueline Müller-Nordhorn and the ALSTER Working Group: Incidence trends of early-onset colorectal cancer in Germany: A registry-based study from 2003 to 2023
    International Journal of Cancer, 2026, DOI: 10.1002/ijc.70600


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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