Nach dem G7 Gipfel im Juni 2026 betonen die Staats- und Regierungschefs die strategische Bedeutung kritischer Rohstoffe für Wirtschaft, Energiesysteme und globale Sicherheit. Europäische Forschungs- und Innovationsprojekte unter Beteiligung des Steinbeis Europa Zentrums und der Hochschule Pforzheim setzen diese Ziele bereits konkret um. Sie arbeiten an resilienten Wertschöpfungsketten für Seltene Erden und Permanentmagnete.
In ihrer Erklärung im Anschluss an den G7-Gipfel 2026 in Évian Mitte Juni 2026 haben die Staats- und Regierungschefs die strategische Bedeutung der Wertschöpfungsketten für kritische Rohstoffe für wirtschaftlichen Wohlstand, Energiesysteme und globale Sicherheit hervorgehoben.
Vor dem Hintergrund von geopolitischen Spannungen und wachsenden Handelsbeschränkungen hat sich der Zugang zu kritischen Rohstoffen von einer industriellen Herausforderung zu einem zentralen politischen Thema entwickelt. Ihre Verfügbarkeit kann wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich beeinflussen.
Abhängigkeiten verringern und Resilienz stärken
Als Reaktion darauf haben sich die G7-Staaten verpflichtet, Abhängigkeiten zu verringern, Lieferketten zu diversifizieren und die Resilienz durch abgestimmtes Handeln zu stärken. Dazu gehören der Ausbau von Produktions-, Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten, die Förderung von Innovationen sowie die Stärkung lokaler Wertschöpfung. Speziell hervorgehoben wird unter anderem der Aufbau industrieller Kapazitäten für Seltene Erden und Permanentmagnete. Die G7 streben an, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten außerhalb der G7 und ihrer Partnerländer bis 2030 auf unter 60 Prozent zu senken und langfristig weiter zu reduzieren.
Steinbeis Europa Zentrum treibt Recycling von Seltenerdmagneten in EU-Projekten voran
Diese Prioritäten werden bereits in einer Reihe europäischer Forschungs- und Innovationsprojekte aktiv adressiert. Das Steinbeis Europa Zentrum greift mit den EU-Innovationsprojekten REEsilience, GREENE und HARMONY zentrale Herausforderungen in der Versorgung mit Seltenen Erden auf, im Hinblick auf die nachhaltige Verarbeitung und zirkuläre Wertschöpfungsketten.
In diesen Projekten übernimmt das Steinbeis Europa Zentrum zentrale Aufgaben an der Schnittstelle von Forschung, Industrie und Anwendung. Dazu gehören die Kommunikation der Projektergebnisse, die Entwicklung von Verwertungs- und Transferstrategien sowie die Unterstützung einzelner Koordinatoren im administrativen und finanziellen Projektmanagement. Ziel ist es, Forschungsergebnisse so aufzubereiten, dass sie von Unternehmen, politischen Akteuren und weiteren Anwendergruppen aufgenommen und langfristig genutzt werden können.
Einer der maßgebenden Initiatoren, Forscher und Treiber auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Carlo Burkhardt vom Institut für strategische Technologie- und Edelmetalle an der Hochschule Pforzheim. Burkhardt forscht seit mehr als fünfzehn Jahren zum Recycling von Seltenerdmagneten. Eine EU-Förderung für mehrere Innovationsprojekte ermöglichte ihm als Projektkoordinator die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern.
Eine resiliente Lieferkette für Seltenerdmagnete
Das EU-Projekt REEsilience widmet sich dem Aufbau einer resilienten Lieferkette für Magnete auf der Basis Seltener Erden. Das Projekt verfolgt einen umfassenden Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette der Seltenerdmagnete umfasst. Die Projektpartner entwickeln IKT-gestützte Technologien zur Herstellung von Legierungen und Pulvern, verbessern die Transparenz der Materialströme und implementieren vollautomatische Prozesse zur Herstellung von Magneten, um die Produktionskapazitäten in der EU zu erhöhen. Parallel dazu konzentriert sich das Projekt auf die Erhöhung der Recyclingraten, die Entwicklung von Magneten mit erweiterten Funktionen und die Erstellung eines Konzepts für die Ausbildung der nächsten Generation von Magnetexperten. 16 Partner aus zehn Ländern erhalten eine EU-Förderung von über 9,7 Millionen Euro von 07/2022 - 12/2026.
Wiederaufbereitung von gesinterten Seltenerdmagneten in Baden-Württemberg
Am 28. April 2026 hat der baden-württembergische Projektpartner HyProMag GmbH in Pforzheim eine Anlage zur Wiederaufbereitung und Herstellung von gesinterten Seltenerdmagneten offiziell eingeweiht. Es handelt sich dabei um die erste Anlage ihrer Art in der Europäischen Union. Die Anlage basiert auf der patentierten HPMS-Technologie (Hydrogen Processing of Magnet Scrap), die an der Universität Birmingham entwickelt wurde. HPMS nutzt Wasserstoff, um Magnetabfälle zu recycelbarem Pulver zu verarbeiten, und unterstützt einen kurzen Recyclingkreislauf. Das HPMS-Verfahren erhält die ursprüngliche Magnetlegierung und ermöglicht damit ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling. Dadurch können im Vergleich zur Primärproduktion bis zu 90 Prozent der Kohlenstoffdioxid-Emissionen eingespart werden. Zugleich entfallen energieintensive Verarbeitungsschritte wie Metallherstellung und Legierung
„Unser Ziel ist klar: Wir wollen Innovation so in die Anwendung bringen, dass sie Europas Industrie unabhängiger und nachhaltiger macht. Die Einweihung bei HyProMag GmbH zeigt, wie aus Forschung, Unternehmergeist und europäischer Zusammenarbeit konkrete Infrastruktur entsteht. Im Projekt REEsilience begleiten wir das mit Verwertungsstrategien und Kommunikationsmaßnahmen, damit Lösungen wie Magnet Recycling schneller im Markt ankommen“, erläuterte Dr. Jonathan Loeffler, CEO Steinbeis Europa Zentrum anlässlich der Eröffnung.
Eine neue Generation von Magneten
Im Forschungs- und Innovationsprojekt GREENE arbeitet ein Konsortium aus 15 Partnern an einer neuen Generation von Magneten, die mit deutlich weniger oder nahezu ohne schwere Seltene Erden auskommen soll. Dafür setzen die Beteiligten auf innovative Verfahren wie intelligente Modellierung, In-situ-Korngrenzendiffusion und schnelle Konsolidierung, um Neodym-basierte Permanentmagnete grundlegend weiterzuentwickeln. Ziel sind ressourceneffizientere Materialien mit verbesserten Leistungskennwerten, darunter eine um etwa 20 Prozent höhere Koerzitivfeldstärke, eine um 10 Prozent gesteigerte Remanenz sowie ein rund 20 Prozent höheres Energieprodukt. Die EU-Förderung beträgt 8 Millionen von 06/2024 – 05/2028.
Das Steinbeis Europa Zentrum unterstützt das Projekt insbesondere in den Bereichen Projektkommunikation, Technologietransfer und Vernetzung und fördert den Austausch zwischen Forschung, Industrie und relevanten Initiativen.
Seltenerdmagnete aus Abfallströmen wiederverwerten
Im EU-Projekt HARMONY entsteht ein Recyclingkreislauf für Permanentmagnete im Pilotmaßstab in Europa. Dieser Kreislauf verbindet neuartige, kürzere (direkte) Recyclingprozesse wie das HPMS-Verfahren oder Gasverdüsung mit Innovationen in traditioneller Pyro- und Hydrometallurgie, um die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken – von der Sammlung und Demontage magnethaltiger Abfälle über die Rückgewinnung seltener Erden bis hin zur Herstellung neuer gesinterter und gebundener Magnete. Diese werden anschließend in praxisnahen Anwendungen wie Windkraftanlagen, Elektromotoren und Elektro- und Elektronik-Altgeräten getestet. Die Umsetzung erfolgt in insgesamt acht Pilotanlagen, die ein technologisches Reifegradniveau von TRL 6 bis 7 erreichen sollen. 21 Partner aus sechs Ländern erhalten hier von der EU 6,3 Millionen Euro für drei Jahre.
Das Steinbeis Europa Zentrum trägt zur europaweiten Vernetzung der beteiligten Akteure bei und unterstützt die Partner bei der Entwicklung von Strategien zur Verwertung, Nutzung und zum Schutz der Projektergebnisse sowie deren Aufbereitung für Fachöffentlichkeit und Industrie.
Kontakt für fachliche Fragen der Projekte:
Maëva Pratlong, Tel: +49 721 935191 34
E-Mail: maeva.pratlong@steinbeis-europa.de
Pressearbeit:
Eva Kopf, E-Mail: eva.kopf@steinbeis-europa.de
Anette Mack, E-Mail: anette.mack@steinbeis-europa.de
Maëva Pratlong, E-Mail: maeva.pratlong@steinbeis-europa.de
Carlo Burkhardt, Hochschule Pforzheim
https://www.elysee.fr/en/G7evian/2026/06/17/g7-leaders-declaration-on-securing-s... - G7 Erklärung
https://www.steinbeis-europa.de/de/jahresbericht-2025#seltenerdmagnete - Jahresbericht Steinbeis Europa Zentrum/ Seltenerdmagneten
https://www.steinbeis-europa.de/de/aktuelles/beitrag/recycling-anlage-fuer-selte... - Eröffnung Anlage Hypromag
Steinbeis Europa Zentrum bei Recycling-Anlage für Seltenerdmagnete in Pforzheim
Copyright: Steinbeis Europa Zentrum
V.l.n.r.: Sofija Kovacic, Valerie Bahr, Eva Kopf, Maëva Pratlong, Prof. Carlo Burkhardt, Dr. Jonatha ...
Copyright: Hypromag GmbH
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter
Elektrotechnik, Energie, Maschinenbau, Verkehr / Transport, Werkstoffwissenschaften
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
Deutsch

Steinbeis Europa Zentrum bei Recycling-Anlage für Seltenerdmagnete in Pforzheim
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V.l.n.r.: Sofija Kovacic, Valerie Bahr, Eva Kopf, Maëva Pratlong, Prof. Carlo Burkhardt, Dr. Jonatha ...
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