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29.06.2026 17:30

Restitution an Nigeria: Schweizer Museen geben 18 bedeutende Kulturgüter zurück

Barbara Simpson Kommunikation
Universität Zürich

    Lagos. – Achtzehn Kulturgüter aus dem Königtum Benin wurden von drei Schweizer Museen an Nigeria zurückgegeben. Die Kulturgüter, die in höfischen und religiösen Kontexten verwendet wurden, gehören zu den berühmten «Benin-Bronzen», die Ende des 19. Jh. aus dem Königreich Benin im heutigen Nigeria geraubt wurden. Zudem übergab die Eidgenossenschaft Nigeria fünf in der Schweiz eingezogene Kulturgüter. Im Rahmen der Übergabezeremonie unterzeichneten Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider und Nigerias Kulturministerin Hannatu Musa Musawa ein Abkommen über den Transfer von Kulturgütern. Ziel ist es, den illegalen Handel mit Kulturgütern zu bekämpfen und das kulturelle Erbe zu schützen.

    Bei der Zeremonie im Nationalmuseum in Lagos nahm die National Commission for Museums and Monuments (NCMM) im Namen der Bundesrepublik Nigeria offiziell achtzehn Objekte aus dem Königtum Benin entgegen. Vierzehn Objekte stammen aus dem Völkerkundemuseum der Universität Zürich, zwei aus dem Museum Rietberg in Zürich und zwei aus dem Musée d’Ethnographie de Genève (MEG). Die bedeutenden Kulturgüter gehören zu den sogenannten «Benin-Bronzen», die seit dem 16. Jahrhundert am Königshof von Benin im heutigen Nigeria entstanden. Es handelt sich um aus Metall gegossene oder auch aus Elfenbein geschnitzte Objekte, die zur Verkörperung und Verehrung von Ahnen sowie zur Ausübung politischer Ämter genutzt wurden.

    Die Rückgabe erfolgt nach mehrjähriger gemeinsamer Provenienzforschung im Rahmen der Benin Initiative Schweiz, die ergab, dass die Objekte höchstwahrscheinlich während des britischen Angriffs im Jahr 1897 aus dem Königtum Benin geraubt wurden, worauf sie auf den Kunstmarkt und weltweit in Museen gelangten. An der Feier wurden ausserdem ein Bronzearmband und vier archäologische Monolithen aus der Region des nigerianischen Nigerdeltas zurückgegeben, die im Rahmen von Strafverfahren in der Schweiz eingezogen und anschliessend dem Staat übergeben worden waren. Mit der Restitution der Objekte an das Herkunftsland Nigeria hat die Schweiz ihre gesetzliche Verpflichtung erfüllt.

    Abkommen zur Verhütung des rechtswidrigen Kulturgütertransfers

    Im Rahmen der Übergabezeremonie unterzeichneten Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider und die nigerianische Ministerin für Kunst, Kultur, Tourismus und Kreativwirtschaft, Hannatu Musa Musawa, ein internationales Abkommen über die Einfuhr, die Ausfuhr und die Rückführung von Kulturgütern. Das Abkommen bildet die rechtliche Grundlage, um die Zusammenarbeit zur Verhütung des illegalen Handels mit Kulturgütern sowie die Rückgabe rechtswidrig eingeführter Kulturgüter zu erleichtern und den Austausch von Informationen, Fachwissen und guten Praktiken zwischen der Schweiz und Nigeria zu stärken. Die Restitution der Kulturgüter und die Vereinbarung über die künftige Zusammenarbeit sind Teil umfassenderer Bestrebungen, historisches Unrecht zu beseitigen und gleichzeitig die Grundlage für eine langfristige kulturelle Partnerschaft zu schaffen.

    Zukunft der zurückgegebenen Kulturgüter in Nigeria

    Die zurückgegebenen Kulturgüter sind Teil des historischen Gedächtnisses, des spirituellen Lebens, des künstlerischen Erbes und der Identität der Gemeinschaften, aus denen sie stammen. Durch die Rückgabe erhalten nigerianische Institutionen, Forschende, Kunstschaffende, Studierende und die breite Öffentlichkeit die Möglichkeit, dieses Kulturerbe in Nigeria und nach nigerianischen Massstäben zu erforschen, zu bewahren und zu vermitteln. Einige der zurückgegebenen Objekte werden im Nationalmuseum in Lagos ausgestellt, die meisten werden jedoch an ihren Ursprungsort im nigerianischen Bundesstaat Edo zurückkehren, wo sie sicher untergebracht werden, zunächst im Oba Ovonramwen-Depot des Nationalmuseums in Benin City. Die NCMM plant eine hochstehende Galerie, in der alle kürzlich zurückgegebenen Benin-Objekte ausgestellt werden sollen. Dazu gehören neben den von der Schweiz zurückgegebenen Objekten auch die im vergangenen Jahr von den Niederlanden restituierten Artefakte sowie Rückgaben, die aus Cambridge erwartet werden.

    An der Zeremonie anwesend waren neben Nigerias Kulturministerin Hannatu Musa Musawa und Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider der Generaldirektor der NCMM, Olugbile Holloway, sowie Vertreterinnen und Vertreter des Bundesamtes für Kultur und die Direktorinnen der drei beteiligten Schweizer Museen, Prof. Dr. Alice Hertzog für das Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Dr. Annette Bhagwati für das Museum Rietberg Zürich und Dr. Carine Ayélé Durand für das MEG.

    Benin Initiative Schweiz
    Die Benin Initiative Schweiz wurde 2021 unter der Federführung des Museums Rietberg mit der Beteiligung von acht Schweizer Museen und in enger Zusammenarbeit mit nigerianischen Partnern ins Leben gerufen. Das vom Bundesamt für Kultur unterstützte Projekt untersuchte die Herkunft von Objekten aus Benin in Schweizer Sammlungen. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für die Beschlüsse der Universität Zürich, der Stadt Zürich im Namen des Museums Rietberg sowie der Stadt Genf im Namen des Musée d’Ethnographie de Genève betreffend die Restitution der Objekte. Die Übertragung der Eigentumsrechte betraf insgesamt 28 Objekte und wurde am 20. März 2026 unterzeichnet. Zehn Werke verbleiben als Dauerleihgaben in der Schweiz, neun im Museum Rietberg, und eines im MEG. Die im Rahmen der Benin Initiative geknüpften Arbeitsbeziehungen stärkten das Vertrauen und das gegenseitige Verständnis und leisteten damit einen wesentlichen Beitrag zum Abschluss der Vereinbarung über den Transfer von Kulturgütern zwischen der Schweiz und Nigeria.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Anne Weibel, Leiterin Kommunikation, Bundesamt für Kultur, Eidgenössisches Departement des Innern, +41 58 462 79 85, anne.weibel@bak.admin.ch

    Dapo Sijuade, Head of public relations, National Commission for Museums and Monuments, +234 816 465 98 48, dapo.sijade@ncmm.gov.ng

    Rita Ziegler, Head Media Relations, Universität Zürich +41 44 634 44 67, mediarelations@kommunikation.uzh.ch


    Weitere Informationen:

    https://www.bak.admin.ch/fr/transfert-des-biens-culturels-3 Informationen des Bundesamtes für Kultur zur Übergabe von Kulturgütern
    https://museum.ng/ National Commission for Mueseums and Monuments (NCMM)
    https://www.musethno.uzh.ch/de.html Völkerkundemuseum der Universität Zürich
    https://rietberg.ch/forschung/benin-initiative-schweiz Benin Initiative Schweiz - Museum Rietberg


    Bilder

    Die Ẹroro (Glocken) wurden geläutet, um an den Altären von Würdenträgern und des Königs die Ahnen anzurufen.
    Die Ẹroro (Glocken) wurden geläutet, um an den Altären von Würdenträgern und des Königs die Ahnen an ...
    Quelle: Kathrin Leuenberger
    Copyright: UZH

    Dies ist ein Behälter für Kräuter und Medizin. Er stellt den göttlichen Boten Ofoe dar, mit drei Gliedmassen, die aus seinem Kopf entwachsen, aber ohne Rumpf. Er ist ein Abgesandter der Gottheit Ogie'uwu, die selbst nicht dargestellt werden darf.
    Dies ist ein Behälter für Kräuter und Medizin. Er stellt den göttlichen Boten Ofoe dar, mit drei Gli ...
    Quelle: Kathrin Leuenberger
    Copyright: UZH


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Kooperationen
    Deutsch


     

    Die Ẹroro (Glocken) wurden geläutet, um an den Altären von Würdenträgern und des Königs die Ahnen anzurufen.


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    Dies ist ein Behälter für Kräuter und Medizin. Er stellt den göttlichen Boten Ofoe dar, mit drei Gliedmassen, die aus seinem Kopf entwachsen, aber ohne Rumpf. Er ist ein Abgesandter der Gottheit Ogie'uwu, die selbst nicht dargestellt werden darf.


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