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29.06.2026 19:32

Mensch und Natur unter Hitzestress: KInote-Spezial zu historischer Hitzewelle, Gesundheit und KI

Klaus Weber Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Northern Business School

    Fachleute aus Meteorologie, Klimageschichte, Gesundheitsforschung und Umweltmeteorologie diskutieren die Folgen extremer Hitze und neue Möglichkeiten der Klimaanpassung.

    Anlässlich der außergewöhnlichen Hitzelage in Mitteleuropa hat die KI-Forschungsgruppe KIWIT kurzfristig eine Spezialfolge ihres Wissenschaftspodcasts KInote produziert. Unter dem Titel "Mensch und Natur unter Hitzestress" diskutierten Fachleute aus Meteorologie, Klimageschichte, Gesundheitsforschung und Umweltmeteorologie über die Ursachen und Folgen extremer Hitze. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Künstliche Intelligenz Wetter- und Klimamodelle verbessern und die Anpassung von Städten unterstützen kann.

    Wie aktuell die am vergangenen Freitag ausgestrahlte Sendung tatsächlich werden würde, zeigte sich unmittelbar am Wochenende: Nach vorläufigen Messungen des Deutschen Wetterdienstes wurde der bisherige Temperaturhöchstwert in Deutschland an drei Tagen in Folge übertroffen. Am Sonntag erreichte die Temperatur im brandenburgischen Neißemünde-Coschen 41,7 Grad. In Kubschütz im Landkreis Bautzen war die Temperatur in der Nacht zum Samstag nicht unter 29,4 Grad gefallen – das höchste jemals in Deutschland gemessene nächtliche Temperaturminimum. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer "Hitzewelle für die Geschichtsbücher".

    Historische Perspektive und aktuelle Meteorologie

    Die Gäste der Diskussionsrunde waren Dr. Katja Horneffer, Leiterin des Wetterteams im ZDF, der Klimahistoriker Prof. em. Dr. Christian Pfister von der Universität Bern und der Umweltmeteorologe Prof. Dr. Andreas Christen von der Universität Freiburg. In einem ergänzenden Einzelgespräch erläuterte Prof. Dr. Elke Hertig von der Universität Augsburg die gesundheitlichen Folgen des regionalen Klimawandels. Moderiert wurde die Sendung von Prof. Dr. Marcel Schütz von der Forschungsgruppe KIWIT.

    Die Diskussion zeigt: Die gegenwärtige Belastung entsteht nicht allein durch einzelne Temperaturspitzen. Entscheidend sind auch das ungewöhnlich frühe Auftreten, die Dauer der Hitze, die fehlende nächtliche Abkühlung und die vielerorts ausgeprägte Trockenheit. Katja Horneffer ordnete die meteorologische Lage ein und erläuterte, wie Wetterredaktionen über gefährliche Hitze informieren können: sachlich und regional differenziert, ohne die gesundheitlichen Risiken zu verharmlosen oder zu dramatisieren.

    Christian Pfister erweiterte die Gegenwartsbetrachtung um eine historische Perspektive. Chroniken, Tagebücher, Ernteberichte und Angaben zu Wasserständen zeigen, wie Hitze und Niederschlagsmangel bereits in früheren Jahrhunderten Ernten, Gesundheit, Verkehr und Alltag beeinflussten. Besonders eindrücklich ist das außergewöhnlich heiße und trockene Jahr 1540: Historische Berichte schildern ausgetrocknete Flüsse, Wald- und Stadtbrände, Wassermangel, Viehverluste und eine Zunahme von Erkrankungen. Pfister unterstreicht, dass Hitze und Dürre gemeinsam betrachtet werden müssen: Trockene Böden und Pflanzen können kaum noch Wasser verdunsten, sodass ein größerer Teil der Sonnenenergie unmittelbar zur weiteren Erwärmung beiträgt.

    Gesundheitsrisiken und strukturelle Anpassung

    Elke Hertig erläuterte die gesundheitlichen Folgen anhaltender Wärmebelastung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte und Personen, deren Wohn- oder Arbeitsbedingungen keine ausreichende Abkühlung ermöglichen. Neben hohen Temperaturen können UV-Strahlung, Ozon und weitere Luftschadstoffe den Organismus zusätzlich belasten. Individuelle Vorsorge bleibt wichtig, reicht aber nicht aus: Auch Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Schulen, Arbeitsplätze und Städte müssen sich strukturell auf häufiger auftretende Hitzeperioden einstellen.

    KI für klimaresiliente Stadtentwicklung

    Andreas Christen führte aus, wie Künstliche Intelligenz dabei neue Möglichkeiten eröffnet. Globale Klimamodelle sind für konkrete Entscheidungen in einzelnen Straßen, Innenhöfen oder Gebäuden zu grob aufgelöst. Hochauflösende physikalische Simulationen können jedoch als Trainingsgrundlage für KI-Modelle dienen. Diese berechnen anschließend sehr viel schneller, wie sich Bäume, Verschattung, helle Dächer, Fassadenbegrünung oder eine veränderte Bebauung auf das lokale Klima auswirken könnten.

    Perspektivisch können daraus digitale Zwillinge von Städten entstehen. Sie sollen nicht nur zeigen, wann es heiß wird, sondern auch, wo sich besondere Belastungsschwerpunkte befinden und welche Anpassungsmaßnahmen dort am wirksamsten wären. Christen betont zugleich, dass KI-Ergebnisse durch reale Messdaten überprüft werden müssen. Künstliche Intelligenz ersetzt weder physikalische Forschung noch wissenschaftliche Urteilskraft, kann aber dazu beitragen, vorhandenes Wissen schneller und kleinräumiger für praktische Entscheidungen nutzbar zu machen.

    Die Spezialfolge verbindet aktuelle Wetterinformation mit historischer Tiefenschärfe, Gesundheitsforschung und konkreten Perspektiven klimaresilienter Stadtentwicklung. Sie ist auf der Webseite der Forschungsgruppe KIWIT sowie über YouTube und Spotify verfügbar. Dort finden sich auch ausführliche Shownotes.

    Anderer Blick unter den KI-Podcasts

    Der Podcast KInote präsentiert konzentrierte Gespräche in ruhiger Atmosphäre. Er bietet einen anderen Blick unter den KI-Podcasts. Stark interdisziplinär orientiert mit Themenschwerpunkten aus der Breite der Forschung. Als Koproduktion von Forschenden der Universität Oldenburg und Northern Business School Hamburg erscheint er in der Regel monatlich an einem Freitagabend um 20:15. Die Forschungsgruppe KIWIT ist ein interdisziplinärer Verbund von Informatik- und Sozialwissenschaftler:innen, gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Förderschwerpunkt Wissenschafts- und Hochschulforschung (WiHo).

    Link zur Website: https://www.kiwit-projekt.de/kinote-spezial


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Marcel Schütz
    Professur Organisation und Management
    Northern Business School, Hamburg
    schuetz@nbs.de


    Originalpublikation:

    Der Artikel auf der Website der NBS: https://www.nbs.de/die-nbs/aktuelles/news/details/news/kinote-spezial-historisch...


    Bilder

    Der Podcast KInote rückt die Interdisziplinarität Künstlicher Intelligenz in den Fokus – aktuell mit einem Hitze-Spezial.
    Der Podcast KInote rückt die Interdisziplinarität Künstlicher Intelligenz in den Fokus – aktuell mit ...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


     

    Der Podcast KInote rückt die Interdisziplinarität Künstlicher Intelligenz in den Fokus – aktuell mit einem Hitze-Spezial.


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