idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
09.07.2026 11:05

WR | Das geht auch schneller: Wege aus dem Sanierungsstau an deutschen Hochschulen

Georg Scholl Geschäftsstelle
Wissenschaftsrat

    Tagung des Wissenschaftsrats diskutiert Strategien und Lösungen

    Bröckelnder Putz, undichte Fenster, wegen Einsturzgefahr gesperrte Hörsäle – der Sanierungsstau im deutschen Hochschulbau ist unübersehbar. Die Kosten für die notwendigen Baumaßnahmen werden auf über 70 Milliarden Euro geschätzt.

    Diese hohen Summen sind die Folge zu geringer Investitionen über Jahrzehnte hinweg. Doch Versäumnisse der Vergangenheit, explodierende Baukosten und knappe Haushalte der für den Hochschulbau zuständigen Länder sind nicht allein die Ursache. Neubauten von Hochschulgebäuden dauern zu lange. Aktuell liegen bis zu 15 Jahre zwischen der ersten Planung und dem Bauabschluss. Die Gebäude werden so immer teurer und entsprechen am Ende Anforderungen, die längst überholt sind. Es muss deshalb viel schneller gebaut und saniert werden, waren sich die Teilnehmenden der Tagung „Hochschulbau zukunftsfähig gestalten“ einig, zu der der Wissenschaftsrat (WR) am 8. Juli nach Köln in die Fritz Thyssen Stiftung eingeladen hatte. Akteure aus Politik, Verwaltung, Hochschulen und Bauwirtschaft diskutierten Strategien und Erfolgsbeispiele.

    Alle Beteiligten müssten bei Planung, Genehmigung und Bau parallel und verzahnt zusammenarbeiten forderte Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Das spare Prüfschleifen, ‚verlorene Planungen‘, Zeit und Geld. Ihr Ministerkollege Falko Mohrs aus Niedersachsen warb für mehr Flexibilität und langfristige Finanzierung. Walther Rosenthal plädierte als Präsident der Hochschulrektorenkonferenz dafür, Hochschulen so viel Entscheidungsfreiheit und Verantwortung beim Bau zu geben wie möglich. Hierfür müssten die Hochschulen allerdings die notwendigen Kompetenzen haben oder aufbauen.

    Der Vorsitzende des WR, Wolfgang Wick, empfiehlt einen Schulterschluss zwischen Bund und Ländern: „Die Zukunft des Hochschulbaus gelingt nur als Gemeinschaftsaufgabe: Bund, Länder und Hochschulen müssen Investitionen nicht als Kosten, sondern als langfristige Sicherung von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt Demokratiesicherung verstehen.“

    Konsens unter den Teilnehmenden war: Hochschulen brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf und ausreichend große Labore und Hörsäle, sondern auch Räume für Begegnung, Austausch und Identifikation. Zugleich müssen Flächen sparsam mit Blick auf künftige Bedarfe und Unterhaltskosten, etwa durch Klimatisierung geplant werden. Einigkeit herrschte zudem, dass trotz zusätzlicher Mittel aus dem Sondervermögen der Bundesregierung Prioritäten gesetzt, Kooperationen gesucht und Bestandsbauten klug genutzt werden müssen. Man könne nicht alles abreißen und neu bauen, sondern müsse auch mit dem umgehen, was vorhanden ist.

    Tatsächlich zeigten verschiedene Beispiele, dass es mit unterschiedlichen Modellen schon jetzt gelingt, die Dauer von Bauverfahren auf rund sechs Jahre stark zu verkürzen. Entscheidend ist dabei nicht, ob Universitäten als autonome Bauherren agieren, die Aufgaben an Landesbaubetriebe ausgelagert werden oder ob es um Eigentums- oder Mietmodelle geht. Zentral sind klare Rollen, wenig Schnittstellen, professionelles Management, mehrjährige Budgetfreigaben und Mut, vorhandene Spielräume zu nutzen sowie Entscheidungen schnell zu treffen – am besten innerhalb von Tagen statt von Monaten.

    Weitere Empfehlungen waren: Die Bestandserhaltung stärken und laufende Sanierungsmittel von Anfang an einplanen. Wo Sanierung sinnvoll, kostengünstiger und zeitsparender möglich ist, sollte sie dem Neubau vorgezogen werden. Funktionalität sollte klar priorisiert werden. Öffentlich-private Partnerschaften können zusätzliche Mittel erschließen – vorausgesetzt, sie werden im Interesse der Hochschulen umgesetzt. Über eine Anpassung des Tarifrechts und der Eingruppierung im öffentlichen Dienst kann die Attraktivität von Stellen in Baubetrieben gesteigert werden. Die späteren NutzerInnen von Gebäuden sollten frühzeitig und strukturiert in Planung und Umsetzung eingebunden werden.

    Die Veranstaltung zeigte, dass es gute Modelle und Ideen gibt. Die Vernetzung der beteiligten Akteure und das Lernen voneinander sind deshalb ebenso wichtig wie ausreichende Finanzierung, politische Unterstützung und gute Rahmenbedingungen für schnelle Prozesse von der Planung bis zum Abschluss von Sanierungen und Neubauten.


    Bilder

    Tagung des Wissenschaftsrats diskutiert Strategien und Lösungen
    Tagung des Wissenschaftsrats diskutiert Strategien und Lösungen

    Copyright: WR


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

    Tagung des Wissenschaftsrats diskutiert Strategien und Lösungen


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).