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09.07.2026 13:52

Wenn Litfaßsäulen zu Kunst werden: Greifswalder Studierende verwandeln Werbeflächen in eine öffentliche Galerie

Dr. Elisabeth Böker Hochschulkommunikation
Universität Greifswald

    Was passiert, wenn Litfaßsäulen nicht für Werbung werben, sondern zum Nachdenken anregen? Wenn großformatige Plakatflächen statt Kaufanreizen Fragen stellen? Mit dem Projekt „Kunst und Öffentlichkeit“ bringen Studierende des Caspar-David-Friedrich-Instituts (CDFI) der Universität Greifswald zeitgenössische Kunst dorthin, wo sie täglich Tausenden Menschen begegnet: mitten in den öffentlichen Raum.

    Vom 15. Juli bis 5. August 2026 werden 25 Litfaßsäulen, Großplakat- und LED-Flächen in Güstrow zu einer frei zugänglichen Ausstellung. Die Arbeiten entstanden in einem kunstpraktischen Seminar am Lehrstuhl für Neue Medien und angewandte Grafik in der Bildenden Kunst sowie im Kompaktseminar „Billboards & Columns“ unter der Leitung des Künstlers und Professors Rozbeh Asmani.

    Die großformatigen Motive greifen persönliche, gesellschaftliche und ästhetische Themen auf. Sie hinterfragen Sehgewohnheiten, spielen mit der Bildsprache der Werbung und laden dazu ein, den öffentlichen Raum neu wahrzunehmen. Einige Arbeiten irritieren bewusst, brechen mit Erwartungen oder regen kontroverse Diskussionen an.

    „In einer, durch Massenmedien geprägten modernen Gesellschaft, sind die Übergänge zwischen öffentlich und privat durchlässig geworden. Nahezu überall, wo die Frequenz der Passant*innen hoch ist, werden kommerzielle, politische und kulturelle Interessen kommuniziert. Was aber, wenn auf den Werbeflächen, Litfaßsäulen, Plakatwänden und digitalen Screens der Städte nichts Mitteilsames mehr steht? Was, wenn sie über ihre Funktion zur Regulierung von Information und Werbung hinaus zur Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst werden?“, fragt Prof. Rozbeh Asmani.

    Für die Studierenden eröffnet das Projekt die Möglichkeit, ihre Arbeiten außerhalb des geschützten Rahmens von Museum oder Galerie zu zeigen – unmittelbar im Alltag der Menschen.

    „Ich denke, dass die künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum anders wahrgenommen wird, weil das Ganze außerhalb von einer Institution stattfindet. Es ist nicht mehr so in einem Elfenbeinturm der Kunst, sondern das ist für alle zugänglich“, sagt Studentin Elisabeth Holländer.

    Auch Leonie Arndt sieht darin eine besondere Chance: „Kunst findet oft in einem kleinen Kreis, im Museum oder in Galerien statt, vor allem die Rezeption. Kunst im öffentlichen Raum ist der beste Weg den Raum zu öffnen für Kunst um diese wahrzunehmen, zur gleichen Zeit an einem Ort, die für alle zugänglich sind. Ich fand die Möglichkeit spannend, viele Menschen zu erreichen und auch eine Botschaft zu vermitteln.“

    Die Ausstellung versteht den Stadtraum als Ort des Austauschs. Statt Werbebotschaften begegnen Passant*innen künstlerischen Positionen, die Fragen stellen, Diskussionen anstoßen und neue Perspektiven eröffnen. Damit wird ein traditionelles Werbemedium zeitweise zu einer Plattform für Kultur und gesellschaftliche Auseinandersetzung.
    Dr. Alessa Paluch, Kunsthistorikerin, betont die besondere Verantwortung dieses Formats: „Welche Art der öffentlichen Kommunikation steht Studierenden heute abseits von Social Media, demokratischem Protest und absichtlichem Regelbruch zur Verfügung? Es bedarf eines gewissen Mutes, gerade als junger Mensch in der künstlerischen Ausbildung, eine Aussage selbstbewusst in den öffentlichen Raum zu stellen.“

    Weitere Informationen

    Alle Standorte sowie Informationen zu den einzelnen Arbeiten sind demnächst unter https://www.cdfi.de/publicart zum Projekt zu finden.

    Die offizielle Projektvorstellung findet am 15. Juli 2026 von 11:00 bis 12:30 Uhr im Rathaus Güstrow statt. Anwesend sind der Bürgermeister der Stadt Güstrow, die beteiligten Studierenden, Prof. Rozbeh Asmani sowie Thoralf Stindl von der Werbeagentur Wosch.

    Projektpartner
    Das Projekt wird unterstützt von der Werbeagentur Wosch und der Großformatdruckerei Nordplakat.

    Beteiligte Studierende
    Maybritt Adolphi, Leonie Arndt, Lisa Beese, Lenore Biemann, Lea Fiedler, Anabel Gehle, Irma Goerschel, Jannick Goesch, Elisa Grätsch, Florentine Herrmann, Elisabeth Holländer, Luisa Jentz, Bean Koch, Dominik Weiß, Rosa Marziev, Angelina Neufeld, Silas Schieck, Robin-Sue Schöfer, Marvin Schwenk, Leah-Lovisa Simonsen, Hannah Steinbrecher, Lukas Weber und Oskar Wilhelms

    Foto: Plakat Überweltigt? Das hilft. © Robin-Sue Schöfer / Universität Greifswald

    Für Medienvertreter*innen:
    Wir stellen Ihnen unter dem Link https://ugreif.de/wyegv Fotos für die Berichterstattung, die im direkten Zusammenhang mit der Medieninformation stehen, bereit. Bei der Verwendung ist das Copyright zu beachten.

    Ansprechpartner an der Universität Greifswald
    Rozbeh Asmani
    Caspar-David-Friedrich-Institut
    Bahnhofstraße 46/47, 17489 Greifswald
    Telefon +49 3834 420 3280
    r.asmani@uni-greifswald.de


    Bilder

    Plakat Überweltigt? Das hilft.
    Plakat Überweltigt? Das hilft.
    Quelle: Foto: Robin-Sue Schöfer / UG


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Kunst / Design
    überregional
    Organisatorisches, Studium und Lehre
    Deutsch


     

    Plakat Überweltigt? Das hilft.


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