Mit Förderzusagen von rund 1,3 Millionen Euro bringt die Stiftung Charité internationale Expertise nach Berlin, um zentrale biomedizinische Zukunftsfelder gezielt weiterzuentwickeln. Gefördert werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Bioengineering, Präventionsmedizin, Strukturbiologie und Chronobiologie. Gemeinsam mit ihren Gastgeberinnen und Gastgebern an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) werden die Visiting Fellows in den kommenden Jahren neue biomedizinische Forschungsvorhaben entwickeln und umsetzen. Je nach Projekt umfasst die Förderung auch den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe in Berlin.
Die Entscheidung traf der Stiftungsrat der Stiftung Charité in seiner Frühjahrssitzung am 20. Mai 2026 auf Empfehlung einer interdisziplinär besetzten Auswahlkommission.
Die Förderentscheidung unterstreicht die strategische Ausrichtung des Programms: Die internationalen Fellows bringen neue wissenschaftliche Expertise und Impulse nach Berlin und stärken damit zentrale bestehende und entstehende Forschungsfelder. Gemeinsam ist den geförderten Projekten ihre Verankerung in der Grundlagenforschung mit dem Ziel, neue Erkenntnisse in die klinische Anwendung zu bringen.
Als Visiting Fellows der Stiftung Charité neu gefördert werden:
Prof. Dr. Karen Christman, University of California San Diego (USA): Die Bioingenieurin zählt zu den Pionierinnen injizierbarer Biomaterialien zur Regeneration von geschädigtem Herzgewebe. Bereits 2025 förderte die Stiftung Charité sie mit einem Pilotprojekt als Visiting Fellow. Nun vertieft sie ihre Zusammenarbeit mit dem MDC und baut in Berlin eine eigene Arbeitsgruppe auf. Gemeinsam mit ihrer Gastgeberin Prof. Dr. Maike Sander sowie Dr. Melissa Birol und Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky untersucht sie, wie injizierbare Biomaterialien Zellzustände, Stoffwechsel und Gewebereparatur nach einem Herzinfarkt beeinflussen. Dafür kombiniert das Projekt moderne Bildgebung, räumliche Transkriptomik und Analysen von Stoffwechselprozessen. Die Forschenden wollen die molekularen Wirkmechanismen regenerativer Biomaterialien besser verstehen und neue Therapieansätze schneller in die klinische Anwendung bringen. Gleichzeitig stärkt das Vorhaben den entstehenden Bioengineering-Schwerpunkt am MDC. Dieser wird unter anderem im Rahmen neuer Helmholtz-Initiativen und der Hightech Agenda Deutschland ausgebaut.
Prof. Dr. Simon Leedham, University of Oxford (UK): Der Gastroenterologe erforscht frühe Stadien der Krebsentstehung im Magen-Darm-Trakt. Gemeinsam mit seinem Gastgeber Prof. Dr. Michael Sigal, Charité und einer gemeinsamen Arbeitsgruppe untersucht er, wie Entzündungen und das Darmmikrobiom epitheliale Stammzellen verändern und welche Veränderungen auf eine spätere Krebsentstehung hinweisen könnten. Dafür verbindet das Projekt Untersuchungen klinischer Hochrisikokohorten – also Gruppen mit erhöhtem Krebsrisiko – mit multi-omischen Gewebeanalysen, mikrobieller Profilierung und dreidimensionalen Organoidmodellen. So sollen grundlegende Mechanismen der Karzinogenese besser verstanden und Grundlagen für personalisierte Präventionsstrategien geschaffen werden. Das Projekt ist in den neuen Exzellenzcluster ImmunoPreCept eingebunden, der erforscht, wann und wie gesunde Zellen krank werden, um Krankheiten künftig gezielter verhindern zu können.
Prof. Dr. Georgios Skiniotis, St. Jude Children’s Research Hospital, Memphis (USA):
G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCRs) sind wichtige Angriffspunkte für Medikamente. Wie ihre Aktivierung im Detail abläuft, ist bislang jedoch nur teilweise verstanden. Der Strukturbiologe Georgios Skiniotis gehört weltweit zu den führenden Forschenden auf diesem Gebiet. Gemeinsam mit Dr. Patrick Scheerer, Charité, Prof. Dr. Peter W. Hildebrand (Universität Leipzig) und einer gemeinsamen Arbeitsgruppe widmet er sich in Berlin dem μ-Opioidrezeptor und dem Melanocortin-4-Rezeptor, die unter anderem an Schmerzverarbeitung, Sucht und Stoffwechselregulation beteiligt sind. Mithilfe von Kryo-Elektronenmikroskopie, Molekulardynamik-Simulationen und zellbasierten Tests analysiert das Team bislang kaum charakterisierte Zwischenzustände der Rezeptoraktivierung. Die Ergebnisse sollen neue Einblicke in grundlegende Mechanismen der Signalweiterleitung liefern und Ansätze für präzisere Wirkstoffe mit verbesserten pharmakologischen Eigenschaften eröffnen.
Prof. Dr. Horacio de la Iglesia, University of Washington (USA): Der Chronobiologe untersucht in Feldstudien, wie Licht, Schlaf und soziale Zeitstrukturen die innere Uhr des Menschen beeinflussen. Störungen des Schlafs und des zirkadianen Rhythmus stehen mit zahlreichen Erkrankungen in Zusammenhang. Dazu zählen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen ebenso wie psychische und neurologische Erkrankungen. Die individuelle zirkadiane Phase unter Alltagsbedingungen zu bestimmen, ist bislang jedoch sehr aufwendig. Prof. Dr. Achim Kramer, Charité hat dafür eine minimalinvasive Methode entwickelt, mit der sich die innere Uhr anhand einzelner Haarfollikel erfassen lässt. Gemeinsam untersuchen die Forschenden unterschiedliche Lebenskontexte, darunter präindustrielle Gemeinschaften und Regionen entlang verschiedener Breitengrade. Langfristig sollen die Ergebnisse neue Grundlagen für Prävention und personalisierte Medizin schaffen.
Das Visiting Fellows-Programm besteht in seiner heutigen Form seit 2023. Es führt die früheren Formate der Einstein BIH Visiting Fellows und BIH Visiting Professors fort. Über diese Programme hat die Stiftung Charité bislang 69 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Berlin geholt, darunter auch drei Nobelpreisträger. Viele der durch das Programm initiierten Kooperationen bestehen über die Förderlaufzeit hinaus fort. Einige der geförderten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten dauerhaft für den Forschungsstandort Berlin gewonnen werden.
Die Visiting Fellows werden im Herbst 2026 erneut ausgeschrieben.
Marie Hoffmann, Leiterin der Geschäftsstelle
Stiftung Charité
Geschäftsstelle Berlin
Novalisstr. 10
10115 Berlin
Telefon: +49 (0)30 450 570 - 509
E-Mail: info@stiftung-charite.de
Internet: www.stiftung-charite.de
https://www.stiftung-charite.de/foerderangebot/wissenschaftsfoerderung/visiting-...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Biologie, Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Forschungsprojekte, Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch

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