Die europäische Forschungsinfrastruktur MEDem (Monitoring Electoral Democracy) ist auf die ESFRI-Roadmap 2026 aufgenommen worden. Die Entscheidung des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) markiert einen bedeutenden Meilenstein für die europäische Demokratieforschung und unterstreicht zugleich die führende Rolle Deutschlands beim Aufbau dieser zukunftsweisenden Infrastruktur. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat die Bewerbung von MEDem offiziell unterstützt. GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften übernimmt als zentraler Partner eine Schlüsselaufgabe innerhalb des Vorhabens.
Ziel von MEDem ist es, länderübergreifende Datenressourcen für die Wahl- und Demokratieforschung zugänglich zu machen und damit die Erforschung politischer Einstellungen und demokratischer Prozesse in Europa zu stärken. Die Entwicklung ist zugleich eine Antwort auf die Notwendigkeit, den technologischen und gesellschaftlichen Wandel, insbesondere durch künstliche Intelligenz, wissenschaftlich fundiert zu begleiten und zu verstehen.
Dazu erklärt die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär: „Angesichts der Herausforderungen, denen unsere Demokratien ausgesetzt sind, besitzt MEDem eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz. Durch die Verknüpfung bislang isolierter Daten schafft die Forschungsinfrastruktur neue Möglichkeiten für die Demokratieforschung und erlaubt es, Forschungsfragen zu beantworten, die bislang nicht oder nur unzureichend untersucht werden konnten. MEDem leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Verständnis unserer Demokratien und trägt damit im Sinne der Hightech Agenda Deutschland dazu bei, die Grundwerte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu schützen.“
Integrierter Zugang zu Daten der Demokratieforschung
MEDem entwickelt eine Forschungsinfrastruktur, die Daten zur Demokratie systematisch zugänglich, vergleichbar und verknüpfbar macht. Dafür werden unterschiedliche Datenquellen, darunter Umfragen, Expertenbewertungen, Parteiprogrammdaten, amtliche Statistiken sowie Text- und Mediendaten, über gemeinsame Standards und technische Schnittstellen miteinander verbunden. Ziel ist es, Forschenden einen integrierten Zugang zu bislang getrennten Datenbeständen zu ermöglichen und neue Analysen demokratischer Entwicklungen in Europa zu unterstützen.
MEDem ist als verteilte Forschungsinfrastruktur konzipiert, mit Standorten an der Universität Wien, der Vrije Universiteit Amsterdam, der Universität Göteborg, der Schlesischen Universität Katowice und der LUISS Universität in Rom sowie bei FORS in der Schweiz und GESIS in Deutschland. Der Hauptsitz befindet sich an der Universität Wien.
MEDem wird von 15 europäischen Staaten getragen: Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, der Slowakei und der Schweiz. Mit der Aufnahme in die ESFRI-Roadmap zählt MEDem künftig zu den strategisch wichtigsten europäischen Forschungsinfrastrukturen.
GESIS verantwortet das Service Center Linking
Mit dem geplanten Service Center Linking übernimmt GESIS eine zentrale Aufgabe innerhalb der Infrastruktur: Das Institut entwickelt und betreibt Werkzeuge, Methoden und Standards zur Verknüpfung unterschiedlicher Datensätze, und schafft damit eine wesentliche Voraussetzung für die Nutzung der gesamten Infrastruktur. Ein besonderes Merkmal von MEDem ist der Fokus auf die Interoperabilität von Daten und Infrastrukturen.
Prof. Dr. Christof Wolf, Präsident von GESIS, betont die strategische Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen GESIS und MEDem:
„Durch MEDem werden die Daten zu Wahlen und politischen Prozessen, die wir seit Jahrzehnten bei GESIS erheben, sammeln und aufbereiten, für die Forschung noch wertvoller. Ich freue mich, dass unsere fachlichen und methodischen Kompetenzen im Bereich der Demokratieforschung dazu beitragen werden, innovative Forschung in diesem Gebiet zu ermöglichen.“
Die Bedeutung der Verknüpfung bestehender Datenressourcen betont Prof. Dr. Alexia Katsanidou von GESIS: „Viele wichtige Datenbestände zur Demokratieforschung existieren bislang nebeneinander. MEDem wird es ermöglichen, diese Daten über Länder, Zeiträume und Datentypen hinweg zusammenzuführen und damit neue Möglichkeiten für die empirische Forschung zu demokratischen Entwicklungen in Europa zu eröffnen. Die Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen gehört dabei zu den zentralen Herausforderungen moderner Sozialforschung. Dass GESIS innerhalb von MEDem das Service Center Linking verantwortet, unterstreicht die langjährige Expertise des Instituts in den Bereichen Datenintegration, Forschungsdatenmanagement und methodische Infrastrukturentwicklung."
Langfristige Perspektive für die europäische Demokratieforschung
MEDem baut auf den Ergebnissen mehrerer europäischer Forschungsprojekte auf und soll langfristig eine gemeinsame Infrastruktur für die internationale Demokratieforschung bereitstellen. Mit seiner Beteiligung trägt GESIS dazu bei, den Zugang zu relevanten Forschungsdaten nachhaltig zu verbessern und die internationale Vergleichbarkeit der empirischen Demokratieforschung zu stärken.
Ansprechpartnerinnen bei GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften
Dr. Sophie Zervos
Pressesprecherin
sophie.zervos@gesis.org
Telefon: +49(0)221 / 47694 – 136
Unter Sachsenhausen 6-8
D-50667 Köln
Prof. Dr. Alexia Katsanidou
Alexia.katsanidou@gesis.org
Als eine der weltweit führenden Infrastruktureinrichtungen für die Sozialwissenschaften steht das GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Forscher*innen mit seiner Expertise und seinen Dienstleistungen auf allen Ebenen ihrer Forschungsvorhaben beratend zur Seite, sodass gesellschaftlich relevante Fragen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Methoden, qualitativ hochwertiger Daten und Forschungsinformationen beantwortet werden können. Um diesen Service heute und in Zukunft zu gewährleisten, verknüpft GESIS seine integrierte Erhebungs- und Dateninfrastruktur mit Methoden, Modellen und Algorithmen der Informatik im sozialwissenschaftlichen Anwendungsfeld und erweitert kontinuierlich sein Angebotsportfolio im Bereich digitaler Verhaltensdaten. GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, Konsortialführerin von KonsortSWD in der NFDI und unterhält institutionelle und projektbezogene Kooperationen mit zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. GESIS beteiligt sich an wichtigen europäischen Projekten wie dem European Social Survey (ESS), der European Value Study (EVS), dem europäischen Archivverbund CESSDA oder dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC).
Prof. Dr. Alexia Katsanidou
Alexia.katsanidou@gesis.org
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung, Politik, Psychologie
überregional
Kooperationen, Studium und Lehre
Deutsch

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