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20.07.2026 10:34

Wallbox statt Kaufprämie: Wie private Ladeinfrastruktur die Elektromobilität voranbringt

Guy Simon Hochschulkommunikation
Duale Hochschule Baden-Württemberg Villingen Schwenningen

    Eine aktuelle Studie unter Beteiligung von Prof. Dr. Wolfgang Habla von der DHBW Villingen-Schwenningen zeigt: Private Lademöglichkeiten fördern die Elektromobilität deutlich. Mitarbeitende mit eigener Wallbox laden Plug-in-Hybride fast fünfmal häufiger elektrisch, senken ihren Kraftstoffverbrauch und reduzieren CO₂-Emissionen um mehr als ein Drittel. Zudem entscheiden sie sich beim nächsten Fahrzeugwechsel doppelt so häufig für ein reines E-Auto. Die Ergebnisse zeigen: Komfort und gezielte Förderung privater Ladeinfrastruktur können wirksamer sein als finanzielle Anreize allein.

    Wie lassen sich Emissionen im Straßenverkehr wirksam senken – und was bringt Menschen tatsächlich dazu, häufiger elektrisch zu fahren? Eine aktuelle Studie unter Beteiligung von Prof. Dr. Wolfgang Habla von der DHBW Villingen-Schwenningen liefert darauf überraschend klare Antworten: Schon die Möglichkeit, das eigene Fahrzeug bequem zu Hause zu laden, verändert das Mobilitätsverhalten nachhaltig.

    Gemeinsam mit drei Kollegen der Toulouse School of Economics und der Universität Mannheim untersuchte Habla, welchen Einfluss private Lademöglichkeiten auf die Nutzung von Dienstwagen haben. Grundlage waren die anonymisierten Daten von rund 1.290 Dienstfahrzeugen eines großen deutschen Unternehmens – Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge. Ein Glücksfall für die Forschung: Die zeitlich gestaffelte Installation der Wallboxen ermöglichte es, den Effekt des Heimladens quasi-experimentell und damit besonders zuverlässig zu untersuchen.

    Die Ergebnisse sind deutlich: Mitarbeitende, die eine Wallbox erhalten, laden ihre Plug-in-Hybride mit fast fünfmal so viel Strom wie zuvor und fahren entsprechend häufiger elektrisch. Der Kraftstoffverbrauch sinkt spürbar – die direkten CO₂-Emissionen aus dem Auspuff gehen um mehr als ein Drittel zurück. Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Wer zu Hause laden kann, entscheidet sich beim nächsten Fahrzeugwechsel doppelt so häufig für ein rein batterieelektrisches Auto.

    Bemerkenswert dabei: Weil das Unternehmen die Energiekosten der Dienstwagen ohnehin übernimmt, sparen die Mitarbeitenden durch das Heimladen kein Geld – es ist allein der Komfort, der ihr Verhalten verändert. Zugleich lohnt sich die Investition betriebswirtschaftlich: Eine Wallbox amortisiert sich aus Unternehmenssicht innerhalb von acht bis zwölf Jahren und vermeidet über ihre etwa 20-jährige Lebensdauer im Schnitt 13 Tonnen CO₂.

    „Schon der Komfort, zu Hause laden zu können, verändert das Verhalten messbar – und senkt die Emissionen, ganz ohne finanziellen Anreiz“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Habla.
    Auch für die Politik ergeben sich aus den Forschungsergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen. Um denselben kurzfristigen Klimaeffekt allein über höhere Kraftstoffpreise zu erreichen, müsste Benzin um rund 95 und Diesel um rund 135 Prozent teurer werden – politisch kaum durchsetzbar. Die gezielte Förderung privater Ladeinfrastruktur erzielt ein ähnliches Ergebnis auf deutlich akzeptablerem Weg.

    Gegenüber den bisherigen Kaufprämien für Plug-in-Hybride schneiden Wallboxen ebenfalls gut ab. Denn Kaufprämien setzen weder Anreize, tatsächlich elektrisch zu fahren, noch fördern sie den Umstieg auf reine E-Autos. Wirksamer wäre es nach Ansicht der Autoren, Kaufprämien an das Vorhandensein einer privaten Lademöglichkeit zu koppeln oder sie künftig nur noch für batterieelektrische Fahrzeuge zu gewähren und gleichzeitig den Einbau von Wallboxen zu fördern.

    Gerade bei Dienstwagen ist der Hebel groß: Knapp 40 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland sind Firmenwagen, bei Plug-in-Hybriden sogar mehr als die Hälfte. Da diese Fahrzeuge nach einigen Jahren auf den Gebrauchtmarkt gelangen, beschleunigt jede Förderung in diesem Segment die Verbreitung klimafreundlicher Technologien im gesamten Fahrzeugbestand.

    „Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie anwendungsorientierte Forschung der DHBW konkrete Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen liefert“, betont Prof. Dr.-Ing. Lars Meierling, Rektor der DHBW Villingen-Schwenningen.

    Die Studie „No Place Like Home: Charging Infrastructure and the Environmental Advantage of Plug-in Hybrid Electric Vehicles“ wurde zur Veröffentlichung im renommierten Journal of the European Economic Association angenommen, einer der führenden internationalen Fachzeitschriften für Volkswirtschaftslehre.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Wolfgang Habla
    Tel. +49 7720 3906-521
    wolfgang.habla@dhbw.de


    Originalpublikation:

    https://www.zew.de/publikationen/no-place-like-home-charging-infrastructure-and-...


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Umwelt / Ökologie, Verkehr / Transport, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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