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21.07.2026 13:51

Studie untersucht erstmals Folgen des Absetzens von GLP-1-Medikamenten für suchtbedingte Krankenhausaufnahmen

Torsten Lauer Referat Kommunikation und Medien
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

    Menschen mit Typ-2-Diabetes wurden während einer Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten seltener aufgrund von Alkohol- oder Substanzkonsumstörungen im Krankenhaus behandelt. Dies zeigt eine große schwedische Registerstudie unter Beteiligung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI). Die Forschenden untersuchten erstmals, wie sich die beobachteten Zusammenhänge nach dem Absetzen der Medikamente entwickeln. Dabei zeigte sich, dass die Verringerung alkoholbezogener Krankenhausaufnahmen zunächst noch bis zu sechs Monate nach Therapieende nachweisbar war, nach zwölf Monaten jedoch nicht mehr. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlicht.

    GLP-1-Rezeptoragonisten gehören zu den Wirkstoffen der sogenannten Abnehmspritzen. Ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, werden sie heute auch bei starkem Übergewicht eingesetzt. In den vergangenen Jahren haben Studien Hinweise darauf geliefert, dass sie möglicherweise auch den Konsum von Alkohol und anderen Substanzen reduzieren könnten. Ob diese möglichen Effekte nach dem Absetzen der Medikamente bestehen bleiben, war bislang jedoch unklar.

    Daten von mehr als 167.000 Menschen ausgewertet

    Für die aktuelle Studie werteten die Forschenden unter Beteiligung des ZI Gesundheitsregisterdaten von 167.026 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus Schweden aus. Damit zählte die Untersuchung zu den bislang größten Studien zu diesem Thema. Dabei verglichen die Forschenden Zeiträume, in denen dieselben Personen mit GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden, mit Zeiträumen ohne Behandlung. Zusätzlich untersuchten sie die ersten sechs Monate sowie den Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten nach dem Absetzen der Medikamente.

    Effekte nach Therapieende nicht dauerhaft nachweisbar

    Während der Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten waren alkohol- und substanzbezogene Krankenhausaufnahmen seltener als in den behandlungsfreien Zeiträumen. Bei alkoholbezogenen Krankenhausaufnahmen blieb dieser Zusammenhang auch in den ersten sechs Monaten nach Therapieende statistisch nachweisbar. Im Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten nach dem Absetzen zeigte sich dagegen kein statistisch belastbarer Hinweis mehr auf die zuvor beobachtete Verringerung der Hospitalisierungsraten. Für substanzbezogene Krankenhausaufnahmen fanden die Forschenden nach dem Absetzen weder in den ersten sechs Monaten noch im Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten statistisch signifikante Zusammenhänge.

    Sorgfältige klinische Begleitung nach Ende der Behandlung angezeigt

    „Bisher war wenig darüber bekannt, wie sich die beobachteten Zusammenhänge nach dem Ende einer Behandlung entwickeln. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie nicht dauerhaft bestehen bleiben und sich innerhalb eines Jahres abschwächen“, sagt Prof. Dr. Dr. Patrick Bach, Arbeitsgruppenleiter am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit und Erstautor der Studie. „Die Befunde liefern Hinweise darauf, dass mögliche Effekte dieser Wirkstoffklasse auf suchtbezogene Verhaltensweisen reversibel zu sein scheinen.“

    Die Forschenden sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass dem Zeitraum nach dem Therapieende besondere Aufmerksamkeit zukommen sollte. „Die Daten unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen Beobachtung und Begleitung von Patientinnen und Patienten nach dem Ende einer Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten“, betont Bach.

    Keine Aussagen über Ursache und Wirkung

    Die Forschenden weisen darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Die Ergebnisse erlauben daher keine Aussagen über Ursache und Wirkung. Zudem wurden ausschließlich Menschen mit Typ-2-Diabetes untersucht. Weitere Studien sind erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen und die mögliche Bedeutung der Befunde für die Behandlung von Alkohol- und Substanzkonsumstörungen besser zu verstehen.

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    Über das ZI
    Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) steht für international herausragende Forschung und wegweisende Behandlungskonzepte in Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Suchtmedizin. Die Kliniken des ZI gewährleisten die psychiatrische Versorgung der Mannheimer Bevölkerung. Psychisch kranke Menschen aller Altersstufen können am ZI auf fortschrittlichste, auf internationalem Wissensstand basierende Behandlungen vertrauen. Über psychische Erkrankungen aufzuklären, Verständnis für Betroffene zu schaffen und die Prävention zu stärken ist ein weiterer wichtiger Teil unserer Arbeit. In der psychiatrischen Forschung zählt das ZI zu den führenden Einrichtungen Europas und ist ein Standort des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (dzpg.org). Das ZI ist institutionell mit der Universität Heidelberg über gemeinsam berufene Professorinnen und Professoren der Medizinischen Fakultät Mannheim verbunden und Mitglied der Health + Life Science Alliance Heidelberg Mannheim (health-life-sciences.de).


    Originalpublikation:

    Bach P, Franck J, Hällgren J et al. Association of GLP-1 receptor agonists with alcohol use disorder-related and substance use disorder-related hospital admissions during treatment and after discontinuation: a Swedish register-based within-individual observational study
    The Lancet Psychiatry, 13, 669-677. DOI: 10.1016/S2215-0366(26)00172-0
    https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(26)00172-0/abstr...


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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