Was sind die Grundlagen menschlicher Sprache und welche Ähnlichkeiten gibt es in Kommunikationssystemen anderer Primaten? Diesen Fragen gehen Forschende weltweit seit Jahrzehnten nach. Eine neue Studie der Universität Osnabrück liefert nun weitere Hinweise: Das Forschungsteam untersuchte die Kommunikation freilebender Weißbüschelaffen in Nordostbrasilien, eine Primatenart, die ähnlich wie der Mensch ihre Jungen kooperativ aufzieht. Es stellte fest, dass die Tiere mehrere grundlegende Merkmale menschlicher Gesprächsorganisation aufweisen. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.
„Unsere Analysen zeigen, dass Weißbüschelaffen ihre Lautäußerungen nicht zufällig austauschen, sondern nach klaren Regeln kommunizieren“, sagt Erstautorin Dr. Filipa Abreu von der Universität Osnabrück und der Universidade Federal Rural de Pernambuco, Recife, Brasilien. Die Studie entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Simone Pika vom Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück und in Zusammenarbeit mit Nicola Schiel von der Universidade Federal Rural de Pernambuco und Antonio Souto von der Universidade Federal de Pernambuco, Recife, Brasilien.
Für die Studie untersuchte das Team vier benachbarte Gruppen und sammelte 1.245 Lautinteraktionen zwischen den Tieren. Dabei stellte es fest, dass Weißbüschelaffen häufig längere „Gespräche“ führen, in denen sich die Tiere abwechseln und oft denselben Ruftyp wie ihr Interaktionspartner verwenden. Zwischen den einzelnen Lautäußerungen lagen meist nur rund 1,3 Sekunden. Zudem unterschieden sich die verwendeten Rufe und Kommunikationsmuster je nachdem, ob die Tiere mit Mitgliedern der eigenen Gruppe oder mit benachbarten Gruppen kommunizierten.
„Die Ergebnisse sprechen dafür, dass diese kooperative Affenart ihre Lautäußerungen flexibel an ihre Gesprächspartner und die Gruppenzugehörigkeit anpasst“, so Simone Pika und Filipa Abreu. Damit weist die Kommunikation der Primaten Merkmale auf, die bislang vor allem mit menschlichen Gesprächen in Verbindung gebracht wurden.
Während frühere Arbeiten oft überwiegend einzelne Rufarten oder Tiergruppen in Gefangenschaft untersucht haben, betrachtet die aktuelle Studie das gesamte Lautrepertoire freilebender Weißbüschelaffen in natürlichen sozialen Interaktionen. Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild ihrer Kommunikationsfähigkeit und neue Ansatzpunkte für die Erforschung der Evolution von Sprache.
Weitere Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Simone Pika, Universität Osnabrück
Institut für Kognitionswissenschaft
Simone.pika@uni-osnabrueck.de
https://www.nature.com/articles/s41598-026-60403-2?utm_source=rct_congratemailt&...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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