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23.07.2026 15:04

THWS kooperiert mit US-amerikanischer Auburn University – Theorie trifft Praxis

Eva Kaupp Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

    Ein Gewinn für die Region Mainfranken: Industriepartner profitieren von internationaler Hochschulkooperation

    Wie lässt sich eine internationale Kooperation zwischen Hochschulen auf unterschiedlichen Kontinenten mit Leben erfüllen? Prof. Dr. Marcus Schulz und Prof. Dr. Kurt Schwindl-Braun von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) haben dazu ein erfolgreiches Konzept etabliert: Im Rahmen eines intensiven Praxisprojekts lösen Studierende der renommierten US-amerikanischen Auburn University komplexe Problemstellungen direkt vor Ort in mainfränkischen Partnerunternehmen.

    Die Auburn University im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama hat sich längst als strategische Partnerhochschule der THWS etabliert und ist mit rund 30.000 Studierenden mehr als drei Mal so groß wie die THWS. Seit 2018 bestehen außerdem enge, durch den damaligen Hochschulpräsidenten Prof. Dr. Dr. h. c. Robert Grebner initiierte Beziehungen zum dortigen Samuel Ginn College of Engineering.

    Die Hochschulpartnerschaft ist lebendig: Auch in diesem Sommersemester begrüßte Prof. Dr. Schulz eine Gruppe von rund 20 Studierenden aus Auburn zu einem zweiwöchigen Praxisprojekt in Mainfranken: „Ich bin der totale Praxis-Freak. Meine Studierenden müssen so viel Kontakt mit der Industrie haben wie möglich. Als Hochschule liegt es in unserer DNA, innovative Formate einfach auszuprobieren.“

    Anfangs seien die amerikanischen Studierenden für ganze fünf Wochen gekommen – aber da habe ihr Ziel nicht Deutschland, sondern viel mehr Europa gelautet: „Am Wochenende sind sie nach Prag gefahren oder in andere Metropolen – und so war es anspruchsvoll, die Projektergebnisse in den Firmen auf einem entsprechenden Niveau zu halten“, erklärt Prof. Dr. Schulz. Gemeinsam mit den amerikanischen Partnern wurde das Konzept daher radikal umgestellt: „Jetzt verfolgen wir einen neuen Ansatz: Nur zwei Wochen, aber dafür super intensiv, 20 Studierende aufgeteilt auf fünf Unternehmen, jeden Tag sind sie mindestens einen halben Tag direkt im Betrieb“, erklärt Prof. Dr. Schulz.

    Mit Struktur zum Erfolg

    Noch in den USA erlernen die Studierenden die theoretischen Grundlagen der Management-Prinzipien nach dem „Lean Six Sigma“-Konzept – so werden Prozesse verschlankt und die Qualitätssicherung verbessert. In Deutschland angekommen, arbeiten die Studierenden nach dem sogenannten DMAIC-Circle (Define, Measure, Analyze, Improve, Control): Die Begriffe geben dabei eine klare Struktur vor – zuerst wird das Problem definiert, dann werden geeignete Messgrößen gefunden, um es zu analysieren, anschließend wird an Lösungsvorschlägen gearbeitet sowie an der Frage, wie sich die Verbesserungen langfristig umsetzen lassen.

    Unterstützt wird das Projekt maßgeblich durch Prof. Dr. Kurt Schwindl-Braun, der in seiner Eigenschaft als zertifizierter Six Sigma Master Black Belt die offizielle Zertifizierung der Projektmitglieder durchführt und die Projekte als Six Sigma-Experte fachlich betreut. Das Besondere: Sowohl für die Studierenden als auch für die Mitarbeitenden der beteiligten Unternehmen besteht die Option, sich in diesem Bereich mit einem Zertifikat zu qualifizieren. Prof. Dr. Schwindl-Braun zeigte sich von den diesjährigen Resultaten sehr beeindruckt: „Was die Studierenden hier in wenigen Tagen geleistet haben, dafür benötigen professionelle Beraterteams für die Identifizierung und Umsetzung der Verbesserungspoteniale im regulären Betrieb sonst mehrere Monate.“

    Konkrete Ergebnisse und harte Wahrheiten

    Für die beteiligten mainfränkischen Unternehmen bringt das Projekt einen spürbaren Mehrwert. „Die Firmen müssen aus ihrer Komfortzone heraus. Plötzlich muss die gesamte Kommunikation auf Englisch ablaufen“, schildert Prof. Dr. Schulz. Für so manche Firma sei das wie ein Jungbrunnen. Wie intensiv und wirksam die studentischen Analysen sind, zeigen zwei Praxisbeispiele aus der diesjährigen Projektphase: Bei Projektpartner Siemens führten die Studierenden eine komplexe Messmittel-Analyse durch. Es galt herauszufinden, welches Messmittel am besten geeignet ist, um den Durchmesser einer Motorwelle hochpräzise zu bestimmen.

    Beim Ingenieurdienstleister PID aus Sand am Main galt es, die Prozesse zwischen dem Testmanagement-Team und den Testern zu untersuchen. Die Studierenden interviewten beide Abteilungen eingehend und etablierten als Kenngröße die Häufigkeit täglicher Rückfragen. Das überraschende Ergebnis: Nicht der technische Prozess war das Problem, sondern die Einhaltung der Kommunikationsprozesse und eine unterstützende Unternehmenskultur, so Prof. Dr. Schulz. „Die Studierenden haben eine harte Wahrheit herausgefunden: Das Wachstum der Firma hat vorwiegend auf der technischen Ebene stattgefunden, die Entwicklung der Prozess- und Kommunikationskultur war in den letzten Jahren zu kurz gekommen.“

    „Work hard, play hard“

    Am Ende des Projekts waren die Studierenden „platt, aber stolz und glücklich“, beschreibt Prof. Dr. Schulz. Das stramme Programm habe ihnen einiges abverlangt. Trotz des enormen Arbeitspensums kam auch der kulturelle Austausch nicht zu kurz. Nach dem Motto „Work hard, play hard“ standen ein Wine Tasting, ein Baseball-Freundschaftsspiel mit den Schweinfurt Giants und eine Stadtführung mit Juan Pablo Juárez Castro vom THWS-Hochschulservice Internationales auf dem Programm. Den Abschluss bildete eine gemeinsame Feier mit Grillen und Freigetränken bei einem weiteren Projektpartner, Pax Bräu in Oberelsbach.

    Für das kommende Jahr ist das Projekt für drei Wochen geplant, um den extremen Zeitdruck etwas abzumildern. „Der Aufwand lohnt sich für alle Beteiligten“, betont Prof. Dr. Schulz. „Es ist ein enormer Leuchtturmeffekt für die Region.“ Der Bonus für die deutschen Studierenden an der THWS: Die Kooperation sichert kostenlose Plätze für ein Austausch-Semester an der Auburn University.

    Über die THWS
    Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Marcus Schulz
    marcus.schulz@thws.de


    Bilder

    Zwei intensive Wochen – organisiert von Prof. Dr. Marcus Schulz (2. v. li.) von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen der THWS
    Zwei intensive Wochen – organisiert von Prof. Dr. Marcus Schulz (2. v. li.) von der Fakultät Wirtsch ...
    Quelle: THWS/Marcus Schulz
    Copyright: THWS/Marcus Schulz


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Wirtschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Studium und Lehre
    Deutsch


     

    Zwei intensive Wochen – organisiert von Prof. Dr. Marcus Schulz (2. v. li.) von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen der THWS


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