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23.07.2026 15:51

Hereon-Pressemitteilung: Wie belastet der Mensch die Antarktis?

Dr. Torsten Fischer Kommunikation und Medien
Helmholtz-Zentrum Hereon

    Hereon koordiniert Forschung zu Umweltverschmutzung im Südlichen Ozean und der Antarktis

    Das vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung initiierte und koordinierte internationale Forschungsprogramm Antarctica InSync hat einen Wissenschaftsplan für die umfassende Erforschung der Antarktis und des Südlichen Ozeans veröffentlicht. Das Helmholtz-Zentrum Hereon koordiniert dabei das Forschungsthema „Anthropogene Einflüsse in der Antarktis“. Hier wird das Vorkommen diverser, durch den Menschen verursachter Schadstoffe, aber auch Einflüsse durch Tourismus, Unterwasserlärm und invasive Arten untersucht. Die Expeditionen starten Ende 2027.

    Die Antarktis ist eine der wichtigsten Regionen weltweit für die Erforschung des Klimawandels und seiner Folgen. Sie beeinflusst das Klima auf der Erde maßgeblich und reagiert besonders sensibel auf Veränderungen. Um die Zusammenhänge zwischen Eis, Ozean, Klima, Umwelt und Lebewesen besser zu verstehen, hat die UNESCO im Rahmen der UN-Ozeandekade das internationale Forschungsprogramm „Antarctica International Science & Infrastructure for Synchronous Observation“ (Antarctica InSync) als UN-Dekaden-Programm bestätigt. Ziel ist es, Wissen für den Schutz der Meeresökosysteme, die Bekämpfung von Umweltverschmutzung und die Entwicklung von Lösungen für den Klimawandel bereitzustellen. Dafür unternehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt gemeinsame Messkampagnen, tauschen Daten und Forschungsinfrastrukturen aus und erarbeiten umfangreiche Erkenntnisse.

    Einzigartige Expertise am Hereon

    Antarctica InSync ist in sieben Forschungsthemen aufgeteilt. Untersucht werden unter anderem physikalische und biogeochemische Kreisläufe im Ozean, Eisschilde und Schelfeis, Ökosysteme, Wechselwirkungen in der Atmosphäre sowie Kipppunkte im sich verändernden Klima.

    Das Hereon koordiniert den fünften der sieben Themenbereiche, der sich den Auswirkungen menschlicher Aktivitäten in der Antarktis widmet. Die Forschenden werden Luft, Meerwasser, Eis, Sedimente und Organismen an Land und im Ozean beproben. Das Hereon bringt hier einzigartige Expertisen und Technologien ein: Mit hochempfindlichen Analyseverfahren untersuchen die Forschenden die Proben auf Schadstoffe wie PFAS (Ewigkeitschemikalien), organische Phosphorsäure-Ester, die zunehmend als alternative Flammschutzmittel verwendet werden oder auch andere neuartige Schadstoffe sowie Mikro- und Nanoplastik. Außerdem wird der Einfluss von Unterwasserlärm, invasiven Arten, Schifffahrt, Fischerei und Tourismus erforscht.

    „Die Erkenntnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie diese Umweltbelastungen die antarktischen Ökosysteme beeinflussen und wie sie mit den Folgen des Klimawandels zusammenwirken“, sagt Dr. Zhiyong Xie, wissenschaftlicher Koordinator des Forschungsthemas 5 am Hereon-Institut für Umweltchemie des Küstenraumes.

    Plattform für internationale Zusammenarbeit

    Um die Umsetzung der Forschungsthemen international zu koordinieren, verfügt Antarctica InSync über ein Netzwerk nationaler Komitees. Das deutsche Nationalkomitee übernimmt in enger Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA) und dem Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR) eine Schlüsselrolle. „Es schafft eine einzigartige Plattform für die interdisziplinäre Zusammenarbeit und trägt dazu bei, dass die deutsche Forschung einen wirksamen Beitrag zu den internationalen Bemühungen leistet, die Antarktis besser zu verstehen und langfristig zu schützen“, sagt Prof. Ralf Ebinghaus, Leiter des Hereon-Instituts für Umweltchemie des Küstenraumes und Mitglied im deutschen Nationalkomitee.

    SCAR Open Science Conference

    Der Wissenschaftsplan von Antarctica InSync wird auf der SCAR Open Science Conference in Oslo vom 8. bis 19. August 2026 vorgestellt. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden dort ihre künftige Zusammenarbeit diskutieren und die wissenschaftlichen Expeditionen für die Jahre 2027 bis 2030 planen.

    Spitzenforschung für eine Welt im Wandel

    Das Ziel der Wissenschaft am Helmholtz-Zentrum Hereon ist der Erhaltung einer lebenswerten Welt. Dafür erzeugen rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wissen und erforschen neue Technologien für mehr Resilienz und Nachhaltigkeit – zum Wohle von Klima, Küste und Mensch. Der Weg von der Idee zur Innovation führt über ein kontinuierliches Wechselspiel zwischen Experimentalstudien, Modellierungen und künstlicher Intelligenz bis hin zu Digitalen Zwillingen, die die vielfältigen Parameter von Klima und Küste oder der Biologie des Menschen im Rechner abbilden. Damit wird interdisziplinär der Bogen vom grundlegenden wissenschaftlichen Verständnis komplexer Systeme hin zu Szenarien und praxisnahen Anwendungen geschlagen. Als aktives Mitglied in nationalen und internationalen Forschungsnetzwerken und im Verbund der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt das Hereon mit dem Transfer der gewonnenen Expertise Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Zhiyong Xie
    Wissenschaftler und Koordinator

    Hereon-Institut für Umweltchemie des Küstenraumes

    Tel.: +49 4152 872330

    E-Mail: zhiyong.xie@hereon.de


    Weitere Informationen:

    https://hereon.de/communication_media/news/121630/index.php.de


    Bilder

    Pinguine in der Atka Bay in der Antarktis.
    Pinguine in der Atka Bay in der Antarktis.
    Quelle: Zhiyong Xie
    Copyright: Helmholtz-Zentrum Hereon


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

    Pinguine in der Atka Bay in der Antarktis.


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