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31.07.2026 13:51

Wie ältere Menschen Hitzewellen wahrnehmen: Studie zur Wahrnehmung von Klimawandel und Extremwetterereignissen

Mag. Mark Hammer Marketing und Unternehmenskommunikation
USTP – University of Applied Sciences St. Pölten

    Ältere Menschen sind nicht nur gesundheitlich stark von Hitzewellen betroffen. Sie sind aufgrund ihres Alters wichtige Zeug*innen für den Klimawandel. Eine Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL Krems) und der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten hat untersucht, wie Menschen ab 50 Jahren Extremwetter und den Klimawandel wahrnehmen und welche sozialen und wirtschaftlichen Faktoren diese Sichtweise beeinflussen.

    Ältere Menschen in Österreich nehmen eine Zunahme von Extremwetterereignissen seit ihrer Kindheit wahr. Doch wie stark sie diese Veränderungen bemerken, hängt von mehreren sozialen und wirtschaftlichen Faktoren ab. Die aktuelle Studie der KL Krems und der USTP zeigt, dass Umweltbewusstsein, Wohnort, Bildungsniveau und finanzielle Situation die Wahrnehmung von Extremwetterereignissen bei Menschen ab 50 Jahren mitprägen.

    Gedächtnis und Klimaforschung

    Ältere Menschen sind aus mehreren Gründen für die Klimaforschung von Bedeutung. Einerseits sind sie besonders anfällig für Hitze, andererseits verfügen sie über ein langjähriges Gedächtnis hinsichtlich des Wechsels der Jahreszeiten und der lokalen Umwelt. Da ihr Anteil an der Gesellschaft wächst, gewinnen zudem ihre Wohnbedürfnisse, ihre Mobilität, ihr Konsum und ihr Alltagsverhalten zunehmend an Bedeutung für die Klimapolitik. Gleichzeitig können ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihr soziales Kapital die Anpassung an den Klimawandel unterstützen.

    In der Studie wurde die Wahrnehmung von Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität von Hitze, Dürre, Stürmen, Niederschlägen und Überschwemmungen sowie von Veränderungen der Schneebedeckung untersucht. Basierend auf österreichischen Daten einer europaweiten Umfrage zeigt die Studie, dass Menschen den Klimawandel nicht nur anhand messbarer Wetterveränderungen erleben, sondern ihn auch durch ihre Lebensumstände und persönlichen Erfahrungen einordnen.

    Nicht nur das Wetter

    „Ältere Menschen erleben den Klimawandel nicht in einem sozialen Vakuum“, sagt Jasmin Riederer vom Kompetenzzentrum für Gerontologie und Gesundheitsforschung an der KL Krems. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung von Extremwetterereignissen stark von Umweltbewusstsein, Lebensumfeld und sozioökonomischen Faktoren geprägt ist. Dieses Wissen ist entscheidend, damit Klimakommunikation und Anpassungsmaßnahmen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen wirksam erreichen können.“

    So machte etwa der Wohnort einen Unterschied: Ältere Menschen, die in Großstädten leben, nahmen stärkere Zunahmen von Extremwetter wahr als diejenigen, die in mittleren Städten, Kleinstädten oder ländlichen Gebieten lebten. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich bestimmte Klimaeffekte – insbesondere Hitze – in dicht bebauten Städten unmittelbarer bemerkbar machen. Bewohner*innen ländlicher Gebiete interpretieren Wetterschwankungen möglicherweise häufiger als Teil langfristiger saisonaler Schwankungen.

    Soziale Filter

    Auch Bildung und finanzielle Situation beeinflussten die Ergebnisse: Befragte mit höherem Bildungsniveau nahmen stärkere Zunahmen von Wetterextremen wahr als jene mit niedrigerem Bildungsniveau. Erhebliche finanzielle Schwierigkeiten gingen ebenfalls mit einer stärkeren Wahrnehmung von Wetterextremen einher, während moderate finanzielle Herausforderungen keinen signifikanten Unterschied zur Wahrnehmung von Personen in gesicherten finanziellen Verhältnissen zeigten.

    Keinen statistisch signifikanten Zusammenhang fanden die Forschenden hingegen für subjektive Gesundheit und Einsamkeit – ein Befund, der bisherige Annahmen infrage stellt. Lukas Richter von der USTP sagt: „Diese Unterschiede zeigen, warum Klimakommunikation nicht nach einem Einheitsschema erfolgen kann. Ältere Menschen interpretieren Umweltveränderungen anhand ihrer täglichen Umgebung, ihrer sozialen Situation und der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen. Anpassungsstrategien müssen diese Unterschiede ernst nehmen.“

    Neues Forschungsgebiet: Klimagerontologie

    Die Ergebnisse leisten einen Beitrag zum aufstrebenden Forschungsgebiet der Klimagerontologie, das sich mit der Schnittstelle zwischen Bevölkerungsalterung und Klimawandel befasst. Für Österreich legen die Ergebnisse nahe, dass ältere Menschen nicht nur als besonders betroffene Gruppe betrachtet werden sollten, sondern auch als Akteur*innen, deren Erfahrungen und Entscheidungen für die Anpassung an den Klimawandel relevant sind.

    Um Bewusstsein in Handeln umzusetzen, sind klimaresiliente Wohnformen, barrierefreie Informationen, starke lokale Netzwerke und eine entsprechende Kommunikation erforderlich.

    Umfrage zu Gesundheit, Altern und Ruhestand in Europa

    Die Analyse basiert auf österreichischen Daten aus der Umfrage zu Gesundheit, Altern und Ruhestand in Europa (SHARE). Die Antworten von 3.170 Personen ab 50 Jahren wurden analysiert, um zu untersuchen, welche sozialen Faktoren mit einer stärkeren Wahrnehmung von Extremwetter in Verbindung stehen.

    Originalpublikation
    Perceived changes in extreme weather among older people – insights from Austria, J: Riederer; L: Richter, Front. Psychol. 17:1794515, doi: 10.3389/fpsyg.2026.1794515.
    https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2026.1794...

    Fotos:
    Porträt Lukas Richter, Credit: Lukas Richter
    Porträt Jasmin Riederer, Credit: KL / Michael Parak
    Fotos zum Download:
    https://fhstp.sharepoint.com/:i:/s/BD/IQD-cMiSxDexQ5mBLK6PspFTAaLkm-Ef1eNslhxVnj...

    Informationen und Rückfragen:
    Mag. Mark Hammer
    Fachverantwortlicher Presse
    Marketing und Unternehmenskommunikation
    T: +43 2742 313 228 269
    M: +43/676/847 228 269
    E: mark.hammer@ustp.at
    I: https://www.ustp.at/presse

    Über die USTP – University of Applied Sciences St. Pölten

    Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten (vormals Fachhochschule St. Pölten) steht für innovative Lehre, wirkungsvolle angewandte Forschung und – als leitende Hochschule der European-University-Allianz E³UDRES² – für gelebte Europeanness. Als USTP – University of Applied Sciences St. Pölten unterstreicht sie ihre wachsende Internationalität und ihre Rolle als dynamischer Knotenpunkt für tertiäre Bildung, Forschung und gesellschaftliche Transformation – regional, national und in ganz Europa. Mehr als 4.000 Studierende erhalten in zahlreichen Bachelor- und Master-Studiengängen sowie berufsbegleitenden Weiterbildungsprogrammen eine praxisorientierte Ausbildung in den Themenbereichen Medien, Kommunikation, Management, Digitale Technologien, Informatik & KI, Security, Bahntechnologie, Gesundheit und Soziales. Lehre und Forschung sind dabei eng verzahnt.

    Pressetext und Fotos zum Download verfügbar unter https://www.ustp.at/de/presse
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    Bilder

    Lukas Richter
    Lukas Richter
    Quelle: Lukas Richter
    Copyright: Lukas Richter

    Jasmin Riederer
    Jasmin Riederer
    Quelle: Michael Parak
    Copyright: KL / Michael Parak


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Lukas Richter


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