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06.08.2026 12:00

IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten auch im Juli auf sehr hohem Niveau

Rafael Barth Kommunikation
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle

    Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer heute veröffentlichten Analyse feststellt, ist die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Juli nahezu unverändert geblieben. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ging leicht zurück, liegt aber weiterhin deutlich über dem Vor-Corona-Niveau. Die Frühindikatoren deuten auch für die kommenden Monate auf sehr hohe Insolvenzzahlen hin.

    Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im Juli bei 1.689 (vgl. Abbildung 1). Das ist 1% weniger als im Juni, aber 7% mehr als im Juli 2025. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – liegt die aktuelle Zahl um 75% höher. Die Zahl der Insolvenzen bleibt damit auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.

    Eine branchenspezifische Aufschlüsselung für insolvente Personen- und Kapitalgesellschaften wird vom Statistischen Bundesamt nicht veröffentlicht; entsprechende Daten werden vom IWH seit Januar 2020 erhoben. Im Juli gab es im Bereich unternehmensnahe Dienstleistungen sowie im Bereich Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen die höchste jemals im Insolvenztrend erfasste Zahl an Insolvenzen. Ungewöhnlich niedrig war die Zahl der Insolvenzen dagegen im Gastgewerbe.

    Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze. Laut IWH-Insolvenztrend waren im Juli in den größten 10% der insolventen Unternehmen mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten leicht unter der im Juni (–6%), aber 26% über dem Vorjahresmonat und 47% über dem Juli-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 (vgl. Abbildung 2). In der Industrie waren mit knapp 6.000 Jobs etwas mehr Arbeitsplätze betroffen als im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Die Werte für die Industrie blieben aber deutlich unter den Höchstständen um die Jahreswende 2024/2025.

    Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate vorauslaufen. Im Mai und Juni hatten sich die Frühindikatoren auf hohem Niveau eingepegelt. Im Juli erreichten sie einen neuen Höchstwert und lagen nochmals leicht über dem bisherigen Rekordwert aus dem Juli 2025. Die hohe Zahl von 23 Werktagen im Juli dürfte zum Rekordwert beigetragen haben.

    „Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.“

    IWH-Insolvenztrend: Hintergrund, Daten, Methodik

    Deutlich schneller als die amtliche Statistik liefert der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben (vgl. Abbildung 3).

    Der IWH-Insolvenztrend ist deshalb ein verlässlicher Frühindikator für das Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Dank seiner langjährigen Expertise, gebündelt in der IWH-Insolvenzforschungsstelle, gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen auf diesem Themengebiet.

    Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen von Kapital- und Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90% der von Unternehmensinsolvenz betroffenen Arbeitsplätze und 95% der Forderungen. Damit bilden diese Zahlen verlässlich die direkten volkswirtschaftlichen Konsequenzen des Insolvenzgeschehens ab.

    Anders abgegrenzt sind Statistiken zu Regelinsolvenzen und Unternehmensinsolvenzen. Regelinsolvenzen umfassen neben Unternehmensinsolvenzen auch bestimmte natürliche Personen wie Selbstständige oder ehemals selbstständig Tätige mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen sowie privat haftende Gesellschafter und Einzelunternehmer.

    Die amtliche Statistik zu den Unternehmensinsolvenzen erfasst zusätzlich zu den im IWH-Insolvenztrend erfassten Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen und etwa zwei Drittel der Unternehmensinsolvenzen aus. Die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen und den Unter-nehmensinsolvenzen können sich aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbe-deutender Insolvenzfälle deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.

    Mehr zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik hinter dem IWH-Insolvenztrend: www.iwh-halle.de/insolvenzforschung.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Professor Dr. Steffen Müller
    Tel +49 345 7753 708
    Steffen.Mueller@iwh-halle.de
    https://www.iwh-halle.de/ueber-das-iwh/team/detail/steffen-mueller


    Weitere Informationen:

    https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iwh-insolvenztrend-fir... IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten auch im Juli auf sehr hohem Niveau
    https://www.iwh-halle.de/forschung/daten-und-analysen/iwh-insolvenzforschung IWH-Insolvenzforschung


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Politik, Recht, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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