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07.08.2026 12:25

Neue Behandlung der Augenerkrankung AMD: Nachfüllbares Implantat kann Spritzen ersetzen

Inka Burow Stabsstelle Kommunikation
Medizinische Hochschule Hannover

    Im Rahmen der Studie Sightspire versorgt die MHH-Klinik für Augenheilkunde Patientinnen und Patienten mit feuchter altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) mit einem Port-Delivery-System. Es wird ins Auge eingesetzt und gibt dort kontinuierlich ein Medikament ab. Das kann die Behandlung für die Betroffenen erheblich erleichtern. Eine Teilnahme an der Studie ist noch möglich.

    Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für einen Sehverlust im Alter. Von der chronisch verlaufenden Netzhauterkrankung sind in Deutschland mehrere Millionen Menschen betroffen. Es gibt zwei verschiedene Arten der Makuladegeneration: die trockene und die feuchte AMD. Die feuchte Form der AMD tritt zwar seltener auf, schreitet aber schneller fort. Üblicherweise wird sie mit regelmäßigen Injektionen ins Auge behandelt. Dazu gibt es jetzt eine vielversprechende Alternative: Im Rahmen der Studie Sightspire bietet die Klinik für Augenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) den Betroffenen an, ein kleines, nachfüllbares Implantat ins Auge zu setzen, das über einen langen Zeitraum kontinuierlich ein Medikament abgibt. Durch das sogenannte Port-Delivery-System (PDS) wird die Anzahl der nötigen Arztbesuche deutlich reduziert und die Behandlungslast nimmt ab.

    Betroffene büßen Sehkraft ein

    Die Makuladegeneration ist eine Erkrankung, die die Netzhaut im hinteren Bereich des Auges, an der Makula, dem Punkt des schärfsten Sehens, angreift. Die feuchte (neovaskuläre) Form der AMD entwickelt sich in der Regel aus der trockenen AMD. Bei dieser Form wachsen krankhafte, undichte Blutgefäße im Bereich der Makula. Das kann zu Schwellungen, Blutungen und potenziellem Sehverlust führen. „Es wird angenommen, dass der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF), ein Protein, zur Bildung dieser Gefäße beiträgt“, erklärt Oberärztin Dr. Ekaterina Sokolenko. Die Betroffenen büßen an Sehkraft ein und können häufig nicht mehr lesen, was die Lebensqualität stark einschränkt. In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an einer feuchten AMD.

    Großer Aufwand für Ältere

    Zur Behandlung der Erkrankung gibt es mittlerweile verschiedene Medikamente. Seit mehreren Jahrzehnten bewährt ist die Spritzentherapie mit dem Medikament Ranibizumab, das die Wirkung der VEGF-Proteine blockiert. Dafür müssen die Patientinnen und Patienten ihr Leben lang regelmäßig in die Augenklinik kommen, damit die Ärztin oder der Arzt ihnen die Spritze ins Auge verabreichen kann. Der zeitliche Abstand ist individuell unterschiedlich. „Mit jedem Besuch sind für die meist älteren Patienten und Patientinnen Anfahrt, Wartezeit und häufig auch Angst vor der Spritze verbunden“, sagt Anke Beckmann, leitende Studienkoordinatorin. „Außerdem schließt sich an die Behandlung in der Klinik immer noch ein Termin in einer niedergelassenen Augenarztpraxis an, um sicherzugehen, dass sich nach der Behandlung keine Augenentzündung entwickelt.“

    So klein wie ein Reiskorn

    „Der Bedarf an einer weniger aufwändigen, aber dennoch wirksamen und sicheren Therapiemöglichkeit ist groß“, stellt Dr. Sokolenko fest. Im Rahmen der Studie Sightspire der Firma Roche möchten sie und ihr Team nun die Sicherheit und Wirksamkeit des Port-Delivery-Systems beurteilen. „Das Implantat ist etwa so klein wie ein Reiskorn und wird durch einen Zwei-Millimeter-Schnitt hinter der Linse eingesetzt. Der Eingriff dauert circa 40 Minuten und kann unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose erfolgen“, erläutert die Augenärztin.
    Nach einer Nacht zur Überwachung kann die Patientin oder der Patient die Klinik wieder verlassen. Das Implantat ist für Dritte nicht sichtbar, es liegt versteckt unter dem Oberlid. Es kann ein Leben lang im Auge bleiben und gibt von dort kontinuierlich die gleiche Menge des Medikaments ab. Alle sechs bis neun Monate muss das System nachgefüllt werden. Der große Vorteil: Zum Nachfüllen wird das Medikament nicht direkt ins Auge, sondern durch eine Membran in das Implantat injiziert. Das PDS ist in den USA bereits seit 2021 zugelassen, jetzt ist auch der Markteintritt in Europa geplant.

    Studienteilnahme möglich

    Menschen mit feuchter AMD, die an einer Studienteilnahme interessiert sind, können sich gerne bei uns melden“, sagt Anke Beckmann. Die Sightspire-Studie dauert etwa 19 Monate. Während dieser Zeit werden die Teilnehmenden umfassend betreut, die Veränderung ihres Sehvermögens im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Studie genau beobachtet. Für die Teilnahme kommen Personen ab 50 Jahre in Frage, deren erste Diagnose mit feuchter AMD nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. Weitere Bedingungen werden bei einer Voruntersuchung geklärt. Interessierte wenden sich bitte an das Studienteam der Klinik für Augenheilkunde, Telefon 0511/532-9411 oder Augenklinik.Studien@mh-hannover.de.

    SERVICE

    Weitere Informationen finden Sie unter: https://clinicaltrials.gov/study/NCT06847542?cond=nAMD&intr=PDS&rank=1

    Einen Überblick über weitere MHH-Studien zu anderen Augenerkrankungen finden Sie unter:
    https://www.mhh.de/fileadmin/mhh/augenheilkunde/%C3%9Cberblick_rekrutierende_kli...

    Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Ekaterina Sokolenko, sokolenko.ekaterina@mh-hannover.de.


    Bilder

    Dr. Ekaterina Sokolenko (rechts) und Anke Beckmann zeigen an einem Augenmodell, wo das PDS- Implantat im Auge sitzt. Die kleinen Fotos links oben verdeutlichen, dass das Implantat unter dem Oberlid verschwindet, es ist normalerweise nicht sichtbar.
    Dr. Ekaterina Sokolenko (rechts) und Anke Beckmann zeigen an einem Augenmodell, wo das PDS- Implanta ...

    Copyright: Karin Kaiser/MHH


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

    Dr. Ekaterina Sokolenko (rechts) und Anke Beckmann zeigen an einem Augenmodell, wo das PDS- Implantat im Auge sitzt. Die kleinen Fotos links oben verdeutlichen, dass das Implantat unter dem Oberlid verschwindet, es ist normalerweise nicht sichtbar.


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