Forscherteam der Fachhochschule Südwestfalen entwickelt im Projekt SpriBak ein mikrobiologisches Überwachungssystem
Soest. Im Forschungsprojekt SpriBak entwickelt ein Forscherteam der Fachhochschule Südwestfalen ein mikrobiologisches Überwachungssystem für Springbrunnen. Mit dessen Hilfe sollen künftig Bakterien automatisiert erkannt und Gesundheitsrisiken bei der Nutzung als Wasserspiel vermieden werden.
Springbrunnen sind insbesondere an heißen Sommertagen als Ort der Abkühlung beliebt: ein wenig Planschen, die Füße ins Wasser halten oder einfach am Rand im Wassernebel sitzen. Durch Hautkontakt mit dem Wasser oder Einatmen von Aerosolen besteht jedoch laut einer Studie der Leibnitz Universität Hannover ein erhöhtes Infektionsrisiko insbesondere für Kinder. Bakterien wie Escherichia coli, Enterokokken oder Pseudomonas können beispielsweise zu Magen-Darminfekten, Wundinfektionen oder Lungenentzündungen führen.
„Öffentliche Springbrunnen sind keine Trinkwasserbrunnen“, erklärt Projektmitarbeiterin Dr. Jacqueline Hollensteiner. Anders als bei Trinkwasser würde nicht permanent frisches und geprüftes Wasser zugeführt. In der Regel zirkuliere das Wasser und werde nur ab und an aufgefüllt. „Der Eintrag von Nährstoffen und Fäkalien von Tieren in rezirkulierende Wassersysteme mit Becken, Pumpen und Filtern begünstigt die Keimbildung“, weiß die in Göttingen promovierte Mikrobiologin. Zudem fehlten spezifische Regularien für Springbrunnen im Vergleich zu Trinkwasserverordnungen.
Unter der Leitung des Professors für Lebensmittel-Mikrobiologie Dr. Dr. Alexander Prange arbeitet Hollensteiner in einem Kooperationsprojekt mit der AquaActiv Springbrunnen- und Wassertechnik GmbH aus Lage. Ziel ist zum einen die Entwicklung eines robusten Testsystems zur Überwachung der Wasserqualität in öffentlichen Springbrunnen. Zum anderen geht es um die technische Entwicklung von Springbrunnenanlagen mit einem optimierten Aufbau, um effektiv Bakterienbelastungen vorzubeugen und zu reduzieren.
Dass hierzu Handlungsbedarf besteht konnten Hollensteiner und Prange durch Auswertung einer Vorstudie bereits feststellen. „Von 280 im Sommer 2023 in öffentlichen Springbrunnen genommenen Wasserproben entsprachen 65 Prozent nicht den Bewertungsgrenzen für die Bakterienbelastung“, verdeutlicht Hollensteiner. Mit Hilfe einer OpenStreetMap-Analyse zählte das Team 26443 gemeldete Springbrunnenobjekte in Deutschland, davon über 3000 in Nordrhein-Westfalen. Das prognostizierte Marktwachstum für die Anzahl von Springbrunnen in deutschen Innenstädten läge bei 3,5 Prozent pro Jahr. „Diese regelmäßig zu testen bedeutet erheblichen personellen und finanziellen Aufwand“, sagt Hollensteiner. In die Springbrunnentechnik integrierte Testsysteme seien insofern sehr sinnvoll.
So arbeitet das Team aktuell an der Entwicklung einer automatisierten Testkammer. „Erste Laborversuche verlaufen vielversprechend, mit deren Hilfe Stoffwechselaktivitäten lebender Zellen sichtbar gemacht und das Vorhandensein von Bakterien nachgewiesen werden kann“, sagt Hollensteiner.
Die Mikrobiologin ist zuversichtlich, dass am Ende der Projektlaufzeit ein funktionierendes Testsystem steht. Entwicklungen wie die aktuelle Hitzewelle zeigten, dass Springbrunnen ein zukunftsträchtiges Element im Städtebau seien. „Sogenannte städtische Hitzeinseln werden in Zuge des Klimawandels zunehmen und Springbrunnen oder Wasserspiele können helfen, das städtische Mikroklima im Sommer zu kühlen.“ Eine steigende Frequentierung durch die Bevölkerung mache dann aber eine Risikoanalyse und -minimierung umso notwendiger.
Projektförderung durch das ZIM-Programm
Der Kurztitel SpriBak steht für Springbrunnen-Bakterien. Im Projekt geht es um die Entwicklung einer neuartigen, keimsensiblen Wasseraufbereitungsanlage für Springbrunnen mit integrierter Messeinheit, Filterung und Entkeimungsvorrichtung. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand – kurz ZIM - gefördert. Die Projektlaufzeit beträgt zwei Jahre.
Dr. Jacqueline Hollensteiner entwickelt im Labor Testmethoden für Bakterien in Springbrunnen
Quelle: Christian Klett
Copyright: FH Südwestfalen
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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