Durch einen besonderen Laboraufbau ist es Forschenden der Universität Oldenburg gelungen, 200.000 nahezu identische Infrarot-Lichtpulse pro Sekunde zu erzeugen. Die genaue Lage der Lichtwelle pro Impuls blieb dabei über Stunden außerordentlich stabil. Diese präzise Kontrolle der Lichtfelder sei ein entscheidender Schritt, schreibt das Team in der Fachzeitschrift „Applied Physics B – Lasers and Optics“. Ziel ist es, in Experimenten die Bewegung einzelner Elektronen genauer zu kontrollieren als bisher.
Das elektrische Feld von Licht präzise zu kontrollieren, um damit wiederum die Bewegung einzelner Elektronen in Experimenten kontrollieren zu können: Das ist eine Herausforderung, an der Forschende am Institut für Physik der Universität Oldenburg arbeiten und bei der ein Team der Forschungsgruppe Attosekundenmikroskopie um Dr. Jan Vogelsang nun einen entscheidenden Schritt weitergekommen ist. Die Forschenden stellen in der Fachzeitschrift „Applied Physics B – Lasers and Optics“ ein selbst entwickeltes Lasersystem vor, das 200.000 Lichtpulse pro Sekunde erzeugt.
Bei der detaillierten Charakterisierung des Lasersystems haben insgesamt sechs Oldenburger Forschende mit Mitgliedern der Forschungsgruppe von Nobelpreisträgerin Prof. Dr. Anne L’Huillier an der Universität Lund (Schweden) zusammengearbeitet. Dabei erwies sich die genaue Lage der Lichtwelle – es geht um fürs menschliche Auge unsichtbares Licht im Infrarotbereich – auch über Stunden als außerordentlich stabil. Die stabilen Lichtfelder mit stets identischen Lichtblitzen erlauben es künftig, Experimente zur Elektronenkontrolle durchzuführen – Grundlagenforschung, die perspektivisch etwa die Entwicklung ultraschneller Transistoren mit Lichtgeschwindigkeit ermöglichen könnte.
Neu an der Arbeit sei die rekordverdächtige Ähnlichkeit aller 200.000 Laserpulse pro Sekunde zueinander, so Erstautorin Katrin Meier. Dabei sei es gelungen, die Stabilität der Schwingungen des elektrischen Felds von einzelnen Laserschüssen bis hin zu Stunden zu bestimmen. Zentral dabei sei die sogenannte Träger-Einhüllenden-Phase (englisch: Carrier-Envelope-Phase, CEP), die die genaue Form der Lichtwelle zusammen mit anderen Parametern beschreibt: „Man kann sich den Puls wie einen kurzen Blitz vorstellen, in dem nur wenige Wellenberge und Wellentäler der Schwingung des elektromagnetischen Feldes Platz haben. Die CEP bestimmt, an welcher Stelle diese Wellenberge und -täler innerhalb des Blitzes liegen“, erläutert die Doktorandin in der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsgruppe. „Ohne stabile CEP sähe ein Puls oder Blitz ganz anders aus als der nächste – und gezielte Experimente, die die Felder in dem Puls nutzen, wären unmöglich.“
Da die CEP äußerst empfindlich auf Temperaturschwankungen, Luftbewegungen oder kleinste Erschütterungen reagiert, tragen ein gewissenhaft geplanter und ausgeführter Laseraufbau sowie die besonders konstanten Bedingungen im Oldenburger Attosekunden-Labor zu ihrer Stabilität bei. Dennoch habe die außerordentlich hohe Stabilität der CEP das Team überrascht, so Meier. Obwohl diese nur eine sehr kleine Größe beschreibe, könne sie einen großen Einfluss auf Messergebnisse haben: „Eine minimale Verschiebung der CEP kann darüber entscheiden, wie Elektronen auf den Laserpuls reagieren – ähnlich wie ein exakt getimter „Anschubser“ darüber entscheidet, in welche Richtung eine Schaukel schwingt.“ Dass die CEP sich beim nun erprobten Aufbau als derart stabil erwies, ermöglicht künftig Experimente, bei denen sich bisher gar kein Messsignal aufnehmen ließ.
Katrin Meier, E-Mail: katrin.meier@uol.de; Dr. Jan Vogelsang, E-Mail: jan.vogelsang@uol.de
Meier, K., Klösgen, A., Harland, K. et al. Multiscale carrier-envelope phase characterization of 2-µm pulses delivered by a 200-kHz optical parametric amplifier. Appl. Phys. B 132, 97 (2026). https://doi.org/10.1007/s00340-026-08699-w
Die Oldenburger Doktorandin Katrin Meier vor dem Lasersystem, das in der Arbeit detailliert charakte ...
Quelle: Marcus Windus
Copyright: Universität Oldenburg / Marcus Windus
Ausgehend von einem leeren Tisch haben die Forschenden für den Aufbau des Lasersystems insgesamt ...
Copyright: Universität Oldenburg / Arvid Klösgen
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Ausgehend von einem leeren Tisch haben die Forschenden für den Aufbau des Lasersystems insgesamt ...
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