idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
19.08.2026 11:31

Demografischer Wandel endet nicht 2030

Lilli Sippel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

    Aktuelle Analyse des Berlin-Instituts im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt, wie sich die Bevölkerungsentwicklung mit den Babyboomern bis 2060 fortsetzen wird

    Berlin, 19. 8. 2026. – Die Babyboomer-Generation hat das Arbeitsleben und die Gesellschaft Deutschlands über Jahrzehnte geprägt. Nun tritt sie schrittweise in den Ruhestand ein – mit weitreichenden Folgen für Gesellschaft, Wirtschaft und Sozialstaat. Das zeigt eine neue Analyse des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Analyse „Nach den Babyboomern. Wie sich der demografische Wandel über 2030 hinaus entwickelt“ blickt systematisch über die aktuell diskutierte Verrentungswelle hinaus bis ins Jahr 2060 und legt dabei erhebliche regionale Unterschiede zwischen Bundesländern, Landkreisen und kreisfreien Städten offen.

    Die Analyse zeigt anhand aktueller Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamts und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), dass die Alterung der geburtenstarken Jahrgänge in zwei gegenläufigen Wellen verläuft: Zunächst wächst die Gruppe der „aktiven Älteren“ zwischen 67 und 79 Jahren spürbar, bevor ab Mitte der 2030er Jahre die Zahl der Hochaltrigen ab 80 Jahren in nahezu allen Regionen deutlich zunimmt – mit entsprechend steigendem Pflege- und Unterstützungsbedarf.

    Bis 2039 gehen 13 Millionen Menschen in Rente – Alterung verläuft regional in unterschiedlichem Tempo

    Bis 2039 erreichen mehr als 13 Millionen Menschen das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren. „Was auf den ersten Blick wie eine einheitliche Entwicklung erscheint, ist bei näherer Betrachtung ein Bündel sehr unterschiedlicher demografischer Dynamiken“, erklärt Dr. Frederick Sixtus vom Berlin-Institut. „Die Alterung verläuft nicht überall gleich schnell und nicht überall mit denselben Folgen.“

    Der Anteil der Menschen im Ruhestandsalter reichte 2024 von 16 Prozent in Hamburg bis 25,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. Grund dafür sind vor allem die Wanderungsbewegungen der vergangenen Jahrzehnte: Aus strukturschwachen Regionen – besonders in Ostdeutschland – sind überwiegend jüngere Menschen fortgezogen, während wirtschaftsstarke Regionen und Stadtstaaten weiterhin junge Leute anziehen und die Alterung dadurch stärker ausgleichen.

    Anteile der „Aktiven Älteren“ und Hochaltrigen entwickeln sich gegenläufig

    Auf Kreisebene werden die Unterschiede noch deutlicher: 2024 reichte der Anteil der „aktiven Älteren“ über 66-Jährigen von 14 Prozent in Frankfurt am Main bis 31,2 Prozent im thüringischen Suhl. Bis 2045 dürften die Landkreise Greiz und Altenburger Land in Thüringen (31,9 bzw. 31,7 Prozent) sowie Spree-Neiße in Brandenburg (31,8 Prozent) die höchsten Altenanteile aufweisen – die niedrigsten weiterhin Offenbach und Frankfurt am Main mit 14,2 bzw. 14,6 Prozent.

    Der ländliche Raum Ostdeutschlands nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. „Was viele westdeutsche Regionen demografisch erst noch erwartet, haben ostdeutsche Regionen in Teilen bereits erlebt“, sagt Dr. Frederick Sixtus. Im ländlichen Westdeutschland dürfte auch die Anzahl der Hochaltrigen bis Mitte des Jahrhunderts etwa doppelt so stark zunehmen wie im ländlichen Osten, während in den ostdeutschen Regionen ein moderaterer Anstieg älterer Menschen auf eine ohnehin schrumpfende, jüngere Bevölkerung trifft.

    Was Kommunen, Bund und Länder jetzt tun sollten

    Die Autor:innen der Analyse empfehlen Kommunen, Bund und Ländern, die demografische Entwicklung frühzeitig in ihre Planungen einzubeziehen und dabei die jeweilige Lage vor Ort zu berücksichtigen:

    - Aktive Ältere als Ressource begreifen: Viele künftige Ruheständler:innen sind gut ausgebildet, kompetent und gesundheitlich fit. Kommunen sollten niedrigschwellige Anlaufstellen und Engagement-Netzwerke aufbauen, um dieses Potenzial für Ehrenamt und „Silver Work“ zu erschließen – idealerweise schon vor dem Renteneintritt.

    - Vorausschauend in Pflege und Wohnraum investieren: Ab Mitte der 2030er Jahre steigt mit der Zahl der Hochaltrigen der Pflege- und Unterstützungsbedarf deutlich.

    - Ost-West-Erfahrungsaustausch stärken: Ostdeutsche Regionen müssen bestehende Versorgungsstrukturen unter schwierigeren demografischen Bedingungen sichern, westdeutsche Regionen wachsende Bedarfe erst noch auffangen. Ein gezielter Austausch kann beiden Seiten helfen.

    - Rahmenbedingungen auf Bundesebene anpassen: Bund und Länder sind gefordert, zentrale Aufgaben wie die Reform der Renten-, Pflege- und Sozialsysteme sowie Arbeitskräftesicherung, Arbeitsmarktintegration und Erwerbszuwanderung voranzubringen.

    Das Wichtigste in Kürze:

    - Der Anteil der Menschen im Ruhestandsalter steigt bis 2045 in allen Bundesländern und Regionen deutlich, mit erheblichen regionalen Unterschieden – von 14 Prozent in Frankfurt am Main bis über 31 Prozent in Teilen Thüringens und Brandenburgs.

    - Aktive Ältere (67 bis 79 Jahre) und Hochaltrige (80 Jahre und älter) entwickeln sich bis 2060 in gegenläufigen Wellenbewegungen: Nach einem Anstieg der aktiven Älteren sinkt deren Zahl wieder, sobald die Babyboomer hochaltrig werden – ab Mitte der 2030er Jahre steigt dann die Zahl der potenziell Pflegebedürftigen.

    - Die Alterung verläuft regional sehr unterschiedlich: in Ost- und Westdeutschland sowie ländlichen und städtischen Räumen unterschiedlich stark und zeitlich versetzt. Der ländliche Osten hat die Entwicklung, die dem Westen noch bevorsteht, bereits durchlaufen.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Frederick Sixtus
    sixtus@berlin-institut.org
    Tel. 030 31 10 26 98

    Pressekontakt:
    Dominik Wilsch
    info@berlin-institut.org
    Tel. 030 22 32 48 45


    Originalpublikation:

    Nach den Babyboomern. Wie sich der demografische Wandel über 2030 hinaus entwickelt
    https://www.berlin-institut.org/studien-analysen/detail/nach-den-babyboomern


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).