idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
25.08.2026 10:00

Vom Labor in die Luft: Handtellergroße Glasbank macht Atomgravimeter mobil

Georg Weigelt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM

    Gemeinsam mit dem Quantentechnologie-Unternehmen Nomad Atomics entwickeln Forschende vom Fraunhofer IZM im Forschungsprojekt QuoGkA ein kompaktes Atomgravimeter, welches zukünftig aus der Luft Gravitationsfelder messen soll. Dafür werden die bislang laborgebundenen Messsysteme so weit miniaturisiert, dass sie mühelos in eine Drohne passen. Essenziel für diesen Schritt ist die am Fraunhofer IZM entwickelte hochintegrierte Glasbank, die zentrale optische Komponenten sowie eine Rubidium-Glaszelle vereint. Damit ermöglicht die Technologie hochpräzise Schwerkraftmessungen außerhalb des Labors und eröffnet neue Anwendungen in Bereichen wie Bergbau, Umweltmonitoring und Forschung.

    Mit Atomgravimetern lassen sich Gravitationsfelder hochpräzise messen. Ihr Messprinzip basiert auf der Atominterferometrie, bei der ultrakalte Rubidiumatome als Quantensensoren dienen. Das Alkalimetall Rubidium eignet sich besonders gut für das Verfahren, da es einen gut kontrollierbaren Laserübergang hat, bei Raumtemperatur bereits gasförmig ist und sich relativ einfach kühlen lässt. Bei dem Verfahren werden die Rubidiumatome so stark abgekühlt, dass sie sich wie Wellen verhalten. Anschließend teilen kurze Laserpulse diese „Atomwellen“, schicken sie in zwei unterschiedliche Richtungen und führen sie dann wieder zusammen – der gemessene Unterschied zeigt die Stärke der Schwerkraft. Bereits kleinste Veränderungen des Schwerefeldes liefern so Informationen über unterirdische Strukturen und ermöglichen Anwendungen in der Rohstofferkundung, der Wasserwirtschaft oder geophysikalischen Forschung.

    Kompakte Quantensensorik für mobile Schwerkraftmessungen

    Bislang sind entsprechende Systeme jedoch groß, schwer und überwiegend laborgebunden. Kommerzielle Atomgravimeter können weit mehr als 100 Kilogramm wiegen und sind so für mobile Anwendungen eher ungeeignet. Mit QuoGkA (»Quantensensorik durch optische Integration für Gravimetrie mit kalten Atomen«) wollen Forschende des Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM und Projektpartner Nomad Atomics den logistischen Aufwand massiv verringern, soweit, dass sich die Messysteme perspektivisch sogar auf Drohnen einsetzen lassen. Dafür müssen die optischen Systeme miniaturisiert und auf einer gemeinsamen Plattform integriert werden - der zentrale Beitrag des Fraunhofer IZM.

    Hochintegrierte Glasbank als Schlüsseltechnologie

    Im Mittelpunkt der Arbeiten steht dabei die Entwicklung einer elektro-optischen Leiterplatte, bei der optische und elektrische Funktionen auf einer gemeinsamen Glasplattform vereint werden. Die bislang einzeln aufgebauten optischen Komponenten werden so auf einer Fläche von rund 50 cm² vereint.

    Herzstück sind im Glas integrierte Lichtwellenleiter, die das Laserlicht präzise durch das System führen. Durch das Know-How am Fraunhofer IZM geschieht letzteres mithilfe eines speziellen Ionenaustauschverfahrens – einer Technologie, die weltweit nur an wenigen Forschungsinstituten und Unternehmen beherrscht wird. Bislang wurden entsprechende Wellenleiter insbesondere bei einer Wellenlänge von 1.550 Nanometern vor allem für Telekommunikationsanwendungen genutzt. Fraunhofer IZM-Forschende realisieren nun erstmalig Single-Mode-Wellenleiter mit einer Zielwellenlänge von 780 Nanometern in einem industriellen Prozess mit kommerziellem Dünnglas. Diese wird benötigt, um die Rubidiumatome in einer magneto-optischen Falle auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt abzukühlen, sodass sie nutzbar für die Atominterferometrie sind.

    Als Schlüsselkomponenten verfügbar sind somit sowohl ein Multimode-Interferenzkoppler als auch ein Evaneszenz-Koppler zur gezielten Aufteilung der Lasersignale sowie ein 1-zu-n Schal-ter auf Basis eines vom Startup Hyphox entwickelten elektro-optischen Polymers. Dieser ermöglicht die elektrische Verteilung des Lasersignals auf einen von vier Kanälen. Des Weiteren entwickeln Projektleiter Jackson Kocis und sein Team eine Rubidium-Gaszelle aus Glas, die mittels eines Laserschweißverfahrens gefertigt wird und neben der hermetisch abgeschlossenen Zelle bereits optische Komponenten zur Strahlformung integriert.

    Die Fraunhofer IZM-Wissenschaftler schaffen durch die Kombination dieser Technologien eine hochintegrierte Plattform für die Quantensensorik. Dank ihrer Expertise ist aus einem teuren und schweren Laborgerät ein hochintegriertes und leichtes System geworden, das sich industriell fertigen und in seiner Feldumgebung einsetzen lässt. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag, hochpräzise Schwerkraftmessungen in Zukunft flexibler und vor allem in bislang schwer zugänglichen Regionen verfügbar zu machen.

    Das Projekt QuoGkA läuft vom 01.08.2024 – 31.07.2027 und wird im Rahmen des Förderprogramms ProFit (IBB) (Förderkennzeichen 10206866) durchgeführt. Neben dem Fraunhofer IZM ist das Unternehmen Nomad Atomics beteiligt.

    (Text : Lotta Jahnke)


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Julian Schwietering | Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM | Gruppenleiter OIT | Tel. +49 30 46403-731 | julian.schwietering@izm.fraunhofer.de


    Originalpublikation:

    https://www.izm.fraunhofer.de/de/news_events/tech_news/quogka.html


    Bilder

    Im Glas integrierte Lichtwellenleiter führen das Laserlicht präzise durch das System. Evaneszenz-Koppler ermöglichen dabei eine beliebige Aufteilung des Lichts.
    Im Glas integrierte Lichtwellenleiter führen das Laserlicht präzise durch das System. Evaneszenz-Kop ...
    Quelle: Fraunhofer IZM
    Copyright: Fraunhofer IZM, Simulation: Jackson Kocis


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Bauwesen / Architektur, Elektrotechnik, Geowissenschaften, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Im Glas integrierte Lichtwellenleiter führen das Laserlicht präzise durch das System. Evaneszenz-Koppler ermöglichen dabei eine beliebige Aufteilung des Lichts.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).