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26.08.2026 15:46

Der Philosophische Buchpreis 2026 geht an den Rechtsphilosophen Tommaso Greco

Dr. Johann Szews Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

    Das Buch „Das Gesetz des Vertrauens. An den Wurzeln des Rechts“ (Erste Auflage, Karl Al-
    ber Verlag 2026) des Rechtsphilosophen Tommaso Greco wird mit dem Philosophischen Buchpreis 2026 ausgezeichnet. Das Thema des diesjährigen Buchpreises lautet „Vertrauen“, verliehen wird der Preis vom Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (FIPH).

    Bereits der Buchtitel ist programmatisch: „Das Gesetz des Vertrauens“. Greco setzt
    dem vorherrschenden Realitätsparadigma in den Rechtstheorien ein Vertrauenspara-
    digma entgegen. Das Buch beginnt mit dem Satz: „Das Vertrauen wartet auf seinen
    Platz im Recht und fordert dabei sein Recht ein“. Vertrauen – so Greco – sei das Fun-
    dament des Rechts. Ohne Vertrauen verliere es seine Legitimität und Wirksamkeit. Die
    Krise der Institutionen des Rechts, die wir gegenwärtig erleben, sei eine Krise des Ver-
    trauens.
    Das Recht fordere uns dazu auf, einander zu vertrauen. Es motiviere uns, „uns so zu
    verhalten, wie es den Erwartungen der Menschen entspricht, mit denen wir in Bezie-
    hung treten.“ Durch diese Neuperspektivierung, so Greco, würden die Bürgerinnen
    und Bürger sich ihres eigenen Staatsbürgerseins erst bewusst. Schließlich würden sie
    erst durch das Vertrauen in die gemeinsame Verantwortung gezogen.
    Grecos Essay ist ein Plädoyer für eine verantwortungsvolle Rechtskultur, die er von
    einem dominanten juristischen Machiavellismus absetzt. Nur auf der Basis einer sol-
    chen Kultur ließen sich die Potenziale des Rechts für das Zusammenleben freisetzen.
    Dazu müsste allerdings das Rechtsverständnis von der einseitigen Fixierung auf
    Furcht und Sanktionen abgelöst und für die Dimensionen der Verantwortung, Solida-
    rität und Anerkennung geöffnet werden.
    Um das auszudeuten und ein neues Vertrauensparadigma zu begründen, bezieht sich
    Greco nicht nur auf Größen der italienischen und nicht-italienischen Rechtstheorie, er
    nimmt auch Anleihen bei verschiedenen Philosophen. Damit bietet das Buch viele Öff-
    nungen zu philosophischen Debatten über Solidarität, Geschwisterlichkeit und Aner-
    kennung. Bedenkenwert sind viele seiner Überlegungen, etwa die, dass eine sich aus-
    breitende Regelexekution im Recht einer Digitalisierung des Rechtssystems Vorschub
    leiste. Dann wäre es nur noch ein kleiner Schritt, bis Richter durch KI ausgetauscht
    werden würden.
    Der rechtsphilosophische Essay ist gerade für Nicht-Juristen sehr gut lesbar. Ein wich-
    tiges Buch zur richtigen Zeit.

    Prof. Dr. Tommaso Greco wurde 1968 in Caloveto (Kalabrien-Italien) geboren. Er ist
    Professor für Rechtsphilosophie im Fachbereich Jura der Universität zu Pisa und Lei-
    ter des fachübergreifenden Zentrums für Bioethik.

    Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und wird in einer öffentlichen Feierstunde am Frei-
    tag, den 4. September 2026, um 19.30 Uhr in der Dombibliothek in Hildesheim durch
    den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung „Forschungsinstitut für Philosophie Hanno-
    ver“, Prof. Dr. Ulrich Hemel, überreicht. Die Laudatio wird Prof. Dr. Markus Kotzur
    (Universität Hamburg) halten. Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich
    (kontakt@fiph.de).

    Mitglieder der Jury:
    Prof. Dr. Ulrich Hemel (Universität Regensburg), Prof. Dr. Markus Kotzur (Universität
    Hamburg), Prof. Dr. Armin Nassehi (Ludwig-Maximilians-Universität München),
    Prof. Dr. Birgit Recki (Universität Hamburg), PD Dr. Jörg-Dieter Wächter (Universität
    Hildesheim/Bistum Hildesheim), Prof. Dr. Christiane Woopen (Rheinische Friedrich-
    Wilhelms-Universität Bonn), Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig (Universität Passau)
    Der Philosophische Buchpreis wird alle zwei Jahre vom Forschungsinstitut für Philo-
    sophie Hannover vergeben. Damit möchte das fiph die Aufmerksamkeit auf drän-
    gende philosophische Gegenwartsfragen lenken. Die Nominierung der Titel erfolgt
    durch die Buchverlage. Ausgezeichnet wird jeweils die beste Neuerscheinung der letz-
    ten drei Jahre zu einem aktuellen Themenbereich der praktischen Philosophie.

    Frühere Preisträger*innen:

    2014
    Dr. Sascha Dickel (Technische Universität München): „Enhancement-Utopien. Sozio-
    logische Analysen zur Konstruktion des Neuen Menschen“ (Baden-Baden: Nomos
    2011)
    2016
    Prof. Dr. Albrecht Koschorke (Universität Konstanz): „Hegel und wir“ (Berlin: Suhr-
    kamp 2015)
    2018
    Dr. Isolde Charim (Wien): „Ich und die Anderen. Wie die neue Pluralisierung uns alle
    verändert“ (Paul Zsolnay Verlag 2018)
    2020
    Dr. Michael Frey (Berlin): „Liberalismus mit Gemeinsinn. Die politische Philosophie
    Nassif Nassars im libanesischen Kontext“ (Velbrück Wissenschaft 2019)
    2022
    Prof. Dr. Lars Svendsen (Bergen, NOR): „Philosophie der Einsamkeit“ (3., aktualisierte
    Aufl. S. Marix Verlag 2022)
    2024
    Prof. Dr. Rahel Jaeggi (Berlin): „Fortschritt und Regression“ (Suhrkamp Verlag 2023)

    Ausschreibungstext 2026

    Vertrauen

    Angesichts multipler Krisen und der rasanten Beschleunigung der Lebenswelt wird
    verschärft die „Vertrauensfrage“ gestellt. In der medialen, gesellschaftlichen, politi-
    schen und ökonomischen Arena verbreitet sich der Eindruck, dass Vertrauen schwin-
    det. Die Rede vom Vertrauensschwund bezieht sich aber nicht nur auf das Vertrauen
    ineinander. Auch das Vertrauen in sich selbst scheint immer mehr Menschen abhan-
    den zu kommen. Ein solcher Vertrauensschwund kann einen Kontrollverlust zur
    Folge haben. Auch die bewusste Weigerung, anderen überhaupt zu vertrauen, kann
    daraus erwachsen. Gegenwärtig stellt sich eine verkehrte Situation ein: Gerade denje-
    nigen, die durch ihre Worte und Taten die Vertrauenskrise in der Gesellschaft schüren
    und bewusst an der Zerstörung des Vertrauens ineinander arbeiten, wird zunehmend
    das Vertrauen ausgesprochen. Gleichzeitig offenbaren populistische Strömungen,
    dass das Grundvertrauen in die Institutionen in Teilen der Gesellschaft erschüttert ist.
    Neben dem persönlichen Vertrauen ist deshalb auch das Systemvertrauen (u.a. „ver-
    trauenswürdige“ KI) zu berücksichtigen. Dabei geht es sowohl um Fragen des funkti-
    onellen Vertrauens als auch des Kompetenzvertrauens bezogen auf die Kompetenz
    von Personen und Institutionen.
    Vertrauen ist die Kraftquelle des Zusammenlebens und eines Selbst, das fähig ist, die
    Kontingenzen des Lebens und gesellschaftliche Komplexitäten auszuhalten. Wer nie-
    mandem mehr vertraut, dem kommen mit dem Vertrauensverlust auch das Wissen
    und die Wahrheit abhanden.
    Es ist an der Zeit, erneut philosophisch danach zu fragen, was Vertrauen überhaupt
    heißen kann.
    Im Zentrum des Buchpreises stehen philosophische Perspektiven. Bei der Vergabe des
    Preises geht es nicht um bloße Darstellungen philosophischer, kultur- und sozialwis-
    senschaftlicher Forschungen, sondern um ein informiertes Bedenken und Weiterden-
    ken in praktisch-philosophischer Absicht.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Jürgen Manemann
    Forschungsinstitut für Philosophie Hannover
    Gerberstr. 26
    30169 Hannover
    Tel. 0511-1640910
    E-Mail: hahn@fiph.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Philosophie / Ethik
    überregional
    Pressetermine, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

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