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03.09.2026 19:00

Warum Babys besser riechen als Teenager

Katja B. Bär Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Forschende der Universitäten Jena, Dresden und Wrocław gewinnen Ig-Nobelpreis

    Babys riechen wunderbar – zumindest für ihre Eltern. Warum Jugendliche diesen besonderen Geruchsbonus verlieren, untersuchte ein internationales Forschungsteam um Ilona Croy, Tomasz Frackowiak, Thomas Hummel und Agnieszka Sorokowska – und erhielt dafür den Ig-Nobelpreis.

    „Wissenschaft bedeutet Neugier, Freude am Experimentieren und im besten Fall auch eine gewisse Portion Verrücktheit. Dieser Preis stellt genau das in den Vordergrund – den Spaß an der Arbeit. Deshalb haben wir uns wirklich sehr über den Ig-Nobelpreis gefreut“, betont Ilona Croy, Professorin für Klinische Psychologie am Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

    Der Ig-Nobelpreis ist als spielerische Alternative zum Nobelpreis gedacht. Sein Name ist ein Wortspiel aus „Nobel“ und dem englischen „ignoble“. Die jährlich von den Annals of Improbable Research vergebenen zehn Preise würdigen nämlich überraschende wissenschaftliche Arbeiten, die Menschen „zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen“.

    Auf die Forschung des Teams trifft dieses Prinzip in besonderer Weise zu. Ausgangspunkt war eine einfache Frage: Warum riechen Babys für ihre Eltern so angenehm – und was passiert mit diesem Geruch während der Pubertät?

    Für die erste Studie von 2017 wurden 255 Mütter und Väter gebeten, den Körpergeruch ihres Kindes zu bewerten. Zum Vergleich beurteilten sie auch den Geruch ihres Partners oder ihrer Partnerin. Das Ergebnis: Der Körpergeruch von Babys und Kleinkindern wurde von der großen Mehrheit der Eltern als besonders angenehm bewertet – sogar angenehmer als der des Partners. Mit zunehmendem Alter nahm diese besondere Geruchsaffinität jedoch deutlich ab. Dies war unabhängig davon, wie gut Eltern die Beziehung zu ihrem Kind einschätzten.

    Die Fragebogenstudie war der Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer Experimente. Das Team um Ilona Croy sammelte Körpergerüche von mehr als 300 Kindern unterschiedlichen Alters und präsentierte sie Eltern und Nicht-Eltern. Einige Untersuchungen fanden im MRT-Scanner statt.

    Die Ergebnisse erweitern das Konzept des „Kindchenschemas“, das vor rund 80 Jahren zunächst anhand der visuellen Merkmale von kleinen Kindern beschrieben wurde. Demnach sehen Babys und kleine Kinder nicht nur niedlich aus, sie riechen auch besonders angenehm, und zwar nicht nur für ihre eigenen Eltern. Babygeruch aktiviert zentrale Bereiche des Belohnungssystems im Gehirn und kann dadurch Fürsorgeverhalten fördern.

    Die Eltern erkennen und bevorzugen jedoch besonders den Geruch ihres eigenen Babys und Kindes – bis zur Pubertät, in der Eltern verwirrt vom Geruch des Teenagers sind und Mütter den Geruch der Söhne und Väter den der Töchter sogar ablehnen. Nach der Pubertät jedoch gewöhnen sich Eltern wieder an den Geruch ihrer Kinder und präferieren ihn auch.

    „Unsere Forschung zeigt, dass menschliche Körpergerüche soziale und biologische Informationen transportieren, die unser Miteinander steuern“, erklärt Ilona Croy. „Und vielleicht erzählt sie damit auch etwas über die Liebe: Wir sind darauf programmiert, uns um unseren Nachwuchs zu kümmern. Zugleich können wir lernen, den vertrauten Geruch unserer Nächsten wieder lieben zu lernen, auch wenn er sich im Laufe des Lebens verändert. Kurz gesagt: Babys riechen wunderbar. Teenager nicht mehr ganz so sehr. Aber wir lieben sie trotzdem.“

    Die Preisverleihung fand am 3. September 2026 im Kongresshaus Zürich statt – erstmals in der Geschichte des Preises in Europa, nachdem sie 35 Jahre lang in Cambridge bzw. Boston, USA ausgerichtet worden war. Ein Grund für den Wechsel: 2025 verzichteten Mitglieder mehrerer internationaler Gewinnerteams auf die Reise in die USA, unter anderem wegen Visabeschränkungen und Bedenken hinsichtlich der Einreise- und Grenzpolitik. Mehr als 9.000 neue Nominierungen erreichen das Ig-Nobel-Komitee jedes Jahr. Sie ergänzen einen großen Pool aus den Vorjahren, aus dem schließlich zehn ausgezeichnete Arbeiten ausgewählt werden.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Ilona Croy
    Institut für Psychologie der Universität Jena
    Am Steiger 3, Haus 1, 07743 Jena
    Tel.: 03641 / 945141
    E-Mail: ilona.croy@uni-jena.de


    Originalpublikation:

    Croy, I., Frackowiak, T., Hummel, T. and Sorokowska, A., 2017. Babies smell wonderful to their parents, teenagers do not: an exploratory questionnaire study on children’s age and personal odor ratings in a polish sample. Chemosensory perception, 10(3), pp.81-87. doi: 10.1007/s12078-017-9230-x

    Folgestudien

    Schäfer, L., Sorokowska, A., Sauter, J., Schmidt, A. H. & Croy, I. (2020): Body odours as a chemosignal in the mother–child relationship: New insights based on an human leucocyte antigen-genotyped family cohort. Philosophical Transactions of the Royal Society B. doi: 10.1098/rstb.2019.0266

    Schäfer, L., Sorokowska, A., Weidner, K., Sauter, J., Schmidt, A. H. & Croy, I. (2024): Body odours as putative chemosignals in the father-child relationship: New insights on paternal olfactory kin recognition and preference from infancy to adolescence. Physiology & Behavior. doi: 10.1016/j.physbeh.2024.114505

    Croy, I., Mohr, T., Weidner, K., Hummel, T. & Junge-Hoffmeister, J. (2019): Mother-child bonding is associated with the maternal perception of the child's body odor. Physiology & Behavior. doi: 10.1016/j.physbeh.2018.09.014

    Schäfer, L., Köppel, C., Kreßner-Kiel, D., Schwerdtfeger, S., Michael, M., Weidner, K., & Croy, I. (2024): The scent of cuteness—neural signatures of infant body odors. Social Cognitive and Affective Neuroscience. doi: 10.1093/scan/nsae038


    Bilder

    Prof. Dr. Ilona Croy von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde für ihre Forschung zur Wahrnehmung des Körpergeruchs von Kindern mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet.
    Prof. Dr. Ilona Croy von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde für ihre Forschung zur Wahrne ...
    Quelle: Foto: Anne Günther/Uni Jena

    Der vertraute Geruch des eigenen Kindes: Eltern nehmen den Körpergeruch ihres Nachwuchses besonders positiv wahr – allerdings verändert sich diese Wahrnehmung mit zunehmendem Alter des Kindes.
    Der vertraute Geruch des eigenen Kindes: Eltern nehmen den Körpergeruch ihres Nachwuchses besonders ...
    Quelle: Foto: Anne Günther/Uni Jena


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Personalia
    Deutsch


     

    Prof. Dr. Ilona Croy von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde für ihre Forschung zur Wahrnehmung des Körpergeruchs von Kindern mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet.


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    Der vertraute Geruch des eigenen Kindes: Eltern nehmen den Körpergeruch ihres Nachwuchses besonders positiv wahr – allerdings verändert sich diese Wahrnehmung mit zunehmendem Alter des Kindes.


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