Stephanie Möllmert, unabhängige Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, erhält einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, kurz ERC). In ihrem geförderten Projekt REPROMECH will sie die physikalischen und mechanischen Bedingungen im Eileiter und ihre Bedeutung für den Transport von Eizellen und frühen Embryonen untersuchen.
- REPROMECH verbindet Physik und Lebenswissenschaften. Methodisch kombiniert das Projekt quantitative mechanische Messverfahren und Bildgebung mit einer Langzeitkultur des Eileiters ex vivo.
- Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, die Mechanismen im gesunden Eileiter ebenso wie seine Veränderungen im Alter oder durch Erkrankungen zu verstehen.
- Die Fördersumme beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro. Der Förderzeitraum von fünf Jahren beginnt am 1. Januar 2027.
„Ich freue mich sehr über den ERC Starting Grant, weil er mir ermöglicht, genau der Fragestellung nachzugehen, die mich wissenschaftlich besonders antreibt: Wie wird aus hormoneller und zellulärer Regulation eine funktionierende Mechanik?“, sagt Stephanie Möllmert. „Im Eileiter müssen Muskelaktivität, Gewebeeigenschaften und Flüssigkeitsströmungen so zusammenspielen, dass Eizellen und frühe Embryonen zuverlässig transportiert werden. Ich möchte verstehen, welche physikalischen Parameter diesen Prozess bestimmen und innerhalb welcher Grenzen sie liegen müssen, damit eine normale Funktion möglich ist.“
Kräfte und Mechanik im Eileiter verstehen
Hier setzt Stephanie Möllmert mit ihrem Projekt REPROMECH an. Im Zentrum steht die quantitative Charakterisierung des Eileiters als mechanisch aktives Organ. Erfasst werden unter anderem Muskelaktivität, Gewebezusammensetzung und -verformbarkeit sowie Strömungsverhältnisse. Aus ihrem Zusammenspiel soll ein mechanischer Funktionsbereich beschrieben werden, innerhalb dessen der Eileiter seine physiologische Aufgabe erfüllen kann.
Biophysik und Reproduktionsbiologie greifen ineinander
In ihrer Forschungsarbeit wird Stephanie Möllmert Methoden aus der Physik und den Lebenswissenschaften einsetzen: quantitative mechanische Tests, verschiedene Bildgebungsverfahren sowie experimentelle Modelle lebender Zellen und Gewebe. Damit untersucht sie, wie sich die mechanischen Größen des Eileiters erfassen und mit seiner Funktionalität in Beziehung setzen lassen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie sich diese mechanischen Zustände mit dem Alter verändern.
„Wissenschaftliche Grenzen erweitern“
ERC Starting Grants dienen dazu, jungen Spitzenforschenden den Aufbau ihrer eigenen unabhängigen Forschungsgruppe oder ihres eigenen Forschungsprogramms in Europa zu ermöglichen und sie dadurch auf dem Weg in die wissenschaftliche Unabhängigkeit zu unterstützen. ERC-Präsidentin Maria Leptin sagt: „Die Kreativität und der Ehrgeiz dieser neuen Generation von Stipendiaten sind inspirierend. Unter den Forschenden, die ihre Arbeit europaweit durchführen werden, sind mehr als 50 Nationalitäten vertreten. Die Förderung verschafft ihnen Unabhängigkeit und unterstützt sie in der frühen Phase ihrer Karriere – was sie benötigen, um wissenschaftliche Grenzen zu erweitern. Das ist die beste Investition, die wir tätigen können, um unsere Forschungsbasis und die Zukunft Europas weiter zu stärken.“
Über den ERC
Der ERC wurde 2007 von der Europäischen Union gegründet und ist die führende europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Er finanziert kreative Forscher jeder Nationalität und jeden Alters, um Projekte in ganz Europa durchzuführen. Der ERC bietet vier zentrale Förderprogramme an: Starting Grants, Consolidator Grants, Advanced Grants und Synergy Grants. Mit seinem zusätzlichen „Proof of Concept Grant“-Programm hilft der ERC den Stipendiaten, die Lücke zwischen ihrer bahnbrechenden Forschung und den frühen Phasen ihrer Kommerzialisierung zu schließen. Das neue Förderprogramm „ERC Plus Grants“ ist seit Juni 2026 für Anträge offen. Der ERC wird von einem unabhängigen Gremium, dem Wissenschaftlichen Rat, geleitet. Seit November 2021 ist Maria Leptin Präsidentin des ERC. Das Gesamtbudget des ERC für den Zeitraum 2021 bis 2027 beläuft sich auf mehr als 16 Milliarden Euro und ist Teil des Programms „Horizont Europa“ unter der Verantwortung der EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation, Ekaterina Zaharieva.
Über das Max-Planck-Institut für medizinische Forschung
Das interdisziplinär arbeitende Max-Planck-Institut für medizinische Forschung mit Standorten in Heidelberg und Heilbronn widmet sich der Untersuchung und Manipulation von molekularen Prozessen in lebenden Zellen, Zellgruppen und Organoiden. Die Abteilungen des Instituts vereinen Expertise aus den Bereichen Chemie, Physik, Biologie und Materialwissenschaften, um konzeptionell neue Methoden und Technologien für die biomedizinische Grundlagenforschung zu entwickeln. Ein weiteres Ziel des Instituts und insbesondere des Standorts in Heilbronn ist es, Grundlagenforschung und Anwendungen nahtlos zu verbinden, um damit den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis zu beschleunigen.
ERC Starting Grant für Stephanie Möllmert: Sie erhält die Förderung für ihre Forschung im Bereich re ...
Copyright: Max-Planck-Institut für medizinische Forschung
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Biologie, Medizin, Physik / Astronomie
überregional
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