idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
03.09.2026 16:22

ERC Starting Grant für UHH-Forscherin: Was definiert eine religiöse Handschrift?

Christina Krätzig Abteilung 2
Universität Hamburg

    Dr. Sophia Dege-Müller von der Universität Hamburg wird mit einem Starting Grant des Europäischen Forschungsrats gefördert. Die Expertin für äthiopische Handschriften erhält 2,5 Millionen Euro – eine Million Euro mehr als bisherige Preisträgerinnen und Preisträger.

    Ende des 20. Jahrhunderts emigrierte beinahe die gesamte Volksgruppe der äthiopischen Juden aus dem christlich und islamisch geprägten Äthiopien nach Israel; teilweise durch dramatische Rettungsaktionen per Luftbrücke. Viele ihrer einzigartigen Kulturgüter gingen in den äthiopischen Bürgerkriegswirren und durch die Emigration verloren.

    „Die Kultur der Beta Israel – wie sich die Menschen selbst nennen – ist wissenschaftlich wenig erforscht, ihre bis zu fünfhundert Jahre alten Handschriften mit religiösen Inhalten so gut wie gar nicht. Im 20. Jahrhundert waren die Menschen selbst vielfach vor allem mit dem Überleben beschäftigt. Nach jahrhundertelanger religiöser Isolation mussten sie in Israel um ihre Anerkennung als Juden ringen, anschließend setzte ein Assimilierungsprozess ein. Erst die junge Generation beginnt nun, sich wieder stärker für ihr historisches Erbe zu interessieren“, sagt Dr. Sophia Dege-Müller.

    Zu ihrem fünfköpfigen Team werden auch eine äthiopische Jüdin und eine Agaw-Muttersprachlerin gehören. Diese Sprache ist eine von mehreren, in denen die Schriftstücke verfasst wurden. „Mir ist es wichtig, mit Menschen aus der Gemeinschaft gemeinsam zu arbeiten. Ohne ihre Unterstützung hätte ein Projekt wie meines ohnehin keine Chance“, so Dege-Müller. „Die Ergebnisse des Projekts sind dabei auch von direkter Relevanz für die Gemeinschaft selber“. Den hohen Personalaufwand, den ihr Projekt mit sich bringt, fördert der Europäische Forschungsrat (ERC) mit einer Million Euro zusätzlich. Es ist das erste Jahr, in dem eine solche Zusatzförderung möglich ist.

    Das erste Ziel des Projektes ist es, die Handschriften zu finden und zu katalogisieren. Sie sind über die halbe Welt verstreut, lagern in europäischen Bibliotheken, in Synagogen oder befinden sich in Privatbesitz. Entstanden sind sie meist in einer Zeit, als Juden und Christen in Äthiopien eng und friedlich zusammenlebten. „Manche wechselten im Laufe der Zeit von christlichen zu jüdischen Eigentümerinnen und Eigentümern – ebenso wie umgekehrt. Oder ein Jude beauftragte einen christlichen Schreiber mit der Anfertigung. Der Umgang mit diesen Schriften war wahrscheinlich pragmatischer, als wir es heute denken“, erklärt Dege-Müller.

    Indem sie die Schriftstücke erforscht, will sie sich ihrer zentralen Forschungsfrage nähern: Was definiert eine religiöse Handschrift – und wie kann sich diese Definition im Lauf der Zeit ändern? Diese Frage ist auch für Forschende, die zu anderen Kulturen arbeiten, relevant.

    Dr. Sophia Dege-Müller ist die 43. Wissenschaftlerin der Exzellenzuniversität Hamburg, die aktuell mit einem ERC Grant gefördert wird. Mit den Starting Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler über einen Zeitraum von fünf Jahren.


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2026/pm33.html


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Religion
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).