idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
17.09.2026 11:00

CCS: Rettung für den Klimaschutz?

Clara Wisotzky Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut

    Carbon Capture and Storage (CCS) kann künftig helfen, schwer vermeidbare Restemissionen etwa aus der Zement- und Kalkherstellung oder der Abfallverbrennung zu speichern. Ein schneller oder unbegrenzter Ausbau hat jedoch Grenzen: Der Aufbau der Infrastruktur dauert Jahre, verursacht hohe Kosten und geeignete Speicherflächen sind begrenzt. Dr. Florian Krob, Senior Researcher am Öko-Institut, spricht in der neuen Folge des Podcasts „Wenden bitte!“ über die Einsatzmöglichkeiten und Risiken von CCS.

    Zum Podcast „CCS – Rettung für den Klimaschutz?“ des Öko-Instituts [https://www.oeko.de/podcast/ccs-rettung-fuer-den-klimaschutz]

    Bei CCS wird Kohlendioxid an Industrieanlagen oder anderen Punktquellen abgeschieden, zu geeigneten Speicherstätten transportiert und in tief liegenden porösen Gesteinsschichten wie dem Buntsandstein gepresst. In Deutschland kommen dafür insbesondere Speicher unter der Nordsee in Betracht.
    „Die erste Frage beim Klimaschutz muss immer sein, wie sich Treibhausgasemissionen vermeiden lassen. CCS sollte erst dann genutzt werden, wenn alle Minderungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind“, sagt Dr. Florian Krob im Podcast. „Es darf nicht zur Begründung dafür werden, notwendige technische Veränderungen aufzuschieben.“

    Infrastruktur und Speicher setzen Grenzen

    Im Podcast macht Krob deutlich, dass die Technologie nicht kurzfristig zur Verfügung zur Verfügung stehen wird. Allein der Aufbau der notwendigen Transportinfrastruktur kann Krob zufolge bis zu acht Jahre benötigen. Der gesamte Prozess von Abscheidung bis Speicherung im Boden kann zwischen sechs und dreizehn Jahre dauern. Selbst ein Beginn der Speicherung in der deutschen Nordsee um das Jahr 2035 wäre unter den derzeitigen Bedingungen ambitioniert.

    Hinzu kommen hohe Kosten und ein erheblicher Energiebedarf. Je nach Transportweg können Kosten von bis zu 100 Euro pro Tonne gespeichertem CO2 entstehen. Auch der verfügbare Speicherraum ist begrenzt. Für die deutsche Nordsee hält Krob eine Menge von ein bis zwei Gigatonnen CO2 für realistisch. Gleichzeitig konkurriert die Speicherung mit anderen Nutzungen wie etwa Offshore-Windenergie, militärischer Nutzung oder Naturschutzgebieten. „Ohne Konzepte zur Mehrfachnutzung wird CCS in der Nordsee nicht möglich sein“, so der Senior Researcher.

    CCS braucht klare Regeln

    Mit dem neuen Kohlendioxid-Speicherung-und-Transport-Gesetz (KSpTG) gibt es seit Ende des vergangenen Jahres einen gesetzlichen Rahmen für CO2-Transport und -Speicherung. Damit werden erstmals konkrete Projekte und Speicherstandorte in Deutschland möglich.

    „Das Gesetz ist ein guter Rahmen für die Etablierung von CCS. Neben den darin beschriebenen Regeln für Infrastruktur und Speicherzugang ist auch entscheidend, für welche Anwendungen CCS eingesetzt werden soll“, sagt Dr. Florian Krob. Der Forscher betont, dass es weiterführende Leitplanken brauche, damit CCS für den Klimaschutz gesellschaftlich akzeptiert wird. Dazu gehöre, dass der Zugang zu einer künftigen CCS-Infrastruktur auf Anwendungen konzentriert werden solle, bei denen es keine realistischen Möglichkeiten gibt, Emissionen zu verringern.

    Ökologische Risiken von Anfang an berücksichtigen

    Krob erläutert darüber hinaus, dass Transport und Speicherung von Kohlendioxid mit technischen und ökologischen Risiken verbunden sind. Bei Unfällen während des Transports kann CO2 austreten und bei der Speicherung müssen insbesondere Bohrungen und geologische Strukturen sorgfältig untersucht und dauerhaft überwacht werden. Unter Wasser kann ausgetretenes CO2 zudem zur Versauerung beitragen. Die Erkundung potenzieller Speicherstätten und die dazugehörigen Arbeiten verursachen Lärm, der beispielsweise die empfindlichen Schweinswale vertreibt. „Umweltprüfungen und eine sorgfältige Standortauswahl sollten deshalb von Beginn an Teil der Planung sein“, empfiehlt der Wissenschaftler.

    Wissen statt Alltagsberatung

    Der Podcast „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts richtet sich an alle mit politischem und ökologischem Interesse aus Politik, Wissenschaft, Medien, NGOs und Öffentlichkeit. Den Podcast moderieren Mandy Schoßig, Leiterin Öffentlichkeit & Kommunikation am Öko-Institut, und Nadine Kreutzer, Journalistin und Moderatorin. Rund eine Stunde lang sprechen sie mit einem Experten beziehungsweise einer Expertin aus dem Öko-Institut über anstehende Nachhaltigkeitstransformationen – genug Zeit für die „Langstrecke der Umweltpodcasts“. Die Spezial-Folgen greifen tagesaktuelle politische und gesellschaftliche Themen auf.

    Podcast „Wenden bitte!“, Episoden der 6. Staffel

    Episode 1 „Wie wird Klimaschutz gerecht?“ mit Jonathan Schreiber, erschienen am 29.1.2026 [https://www.oeko.de/podcast/wie-wird-klimaschutz-gerecht/]
    Episode 2 „Nachhaltige Chemikalien – geht das?“ mit Prof. Dr. Dirk Bunke, erschienen am 12. März 2026 [https://www.oeko.de/podcast/nachaltige-chemikalien-geht-das/]
    Episode 3 „Regionen als Motor einer nachhaltigen Zukunft?“ mit Ryan Kelly, erschienen am 7. Mai 2026 [https://www.oeko.de/podcast/regionen-als-motor-einer-nachhaltigen-zukunft/]
    Episode 4 „Wie viel Lärm ist zu viel?“ mit Christoph Brunn, erschienen am 11. Juni 2026
    Alle Staffeln und Episoden des Podcasts auf www.oeko.de/podcast [https://www.oeko.de/podcast/wie-viel-laerm-ist-zu-viel/]
    Episode 5 „CCS – Rettung für den Klimaschutz?“ mit Dr. Florian Krob, erschienen am 17. September 2026 [https://www.oeko.de/podcast/ccs-rettung-fuer-den-klimaschutz]

    Alle Staffeln und Episoden des Podcasts auf www.oeko.de/podcast
    Der Podcast ist erhältlich auf allen gängigen Podcast-Portalen – etwa bei Apple Podcasts sowie bei Spotify.

    Das Öko-Institut ist seit seiner Gründung vor mehr als 40 Jahren eine der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Es erarbeitet Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.
    oeko.de | Podcast | Blog | Bluesky | Instagram | Onlinemagazin


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Ansprechpartner am Öko-Institut
    Dr. Florian Krob
    Senior Researcher im Institutsbereich
    Nukleartechnik & Anlagensicherheit
    Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
    Telefon: +49 6151 8191-142
    E-Mail: f.krob@oeko.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Energie, Geowissenschaften, Meer / Klima
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, wissenschaftliche Weiterbildung
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).