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17.09.2026 23:17

Passend zum Tag der Gebärdensprache am 23. September: Neues Forschungsprojekt zum Spracherwerb gehörloser Kinder

Dr. Fabienne Salfner Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS)
Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ)

    Wie erwerben Kinder die Deutsche Gebärdensprache (DGS)? Welche sprachlichen Strukturen entwickeln sich dabei – und welche Besonderheiten zeigen sich im Vergleich zur gesprochenen Sprache? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das neue Forschungsprojekt DISCAVA, das Anfang September am Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) in Berlin begonnen hat. Das Projekt soll dazu beitragen, den Spracherwerb in Gebärdensprache besser zu verstehen und die Forschung zu menschlicher Sprache um die Perspektive gebärdender Kinder zu erweitern.

    Im Mittelpunkt des Projekts steht ein bislang wenig erforschtes Gebiet: der Spracherwerb von Kindern in Deutscher Gebärdensprache. Anhand von Sprachdaten gehörloser Kinder und Erwachsener untersucht das Forschungsteam, wie komplexe Sätze in der Deutschen Gebärdensprache entstehen und welche sprachlichen Mechanismen dabei eine Rolle spielen.

    Ein besonderes Augenmerk liegt auf einem Phänomen, das zunächst ungewöhnlich erscheint: Manche sprachlichen Elemente werden in der Gebärdensprache doppelt gebärdet. Solche Verdopplungen können beispielsweise in Fragen oder Relativsätzen auftreten.

    Wenn ein Wort zweimal gebärdet wird

    In Fragen und Relativsätzen steht ein sprachliches Element an einer anderen Stelle als dort, wo es eigentlich in der Satzstruktur hingehört. Seine ursprüngliche Position wird normalerweise nicht artikuliert. Manchmal wird diese Position jedoch ebenfalls sprachlich ausgefüllt – etwa durch ein Pronomen oder durch eine Wiederholung des ursprünglichen Elements.

    Solche Verdopplungen sind in der gesprochenen Sprache von Erwachsenen vergleichsweise selten. In der Kindersprache und insbesondere in Gebärdensprachen treten sie dagegen deutlich häufiger auf. Warum das so ist, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die bisherigen Beobachtungen zeigen allerdings, dass sich Verdopplungen bei Kindern und in Gebärdensprachen unterschiedlich verteilen. Bei Kindern treten sie besonders häufig in Relativsätzen auf und können auch komplexere sprachliche Ausdrücke betreffen. In Gebärdensprachen werden sie dagegen vor allem bei Fragen und bei eher einfachen sprachlichen Einheiten beobachtet.

    Das Forschungsprojekt untersucht, ob ein gemeinsamer Mechanismus für die verschiedenen Verdopplungen verantwortlich ist oder ob bei Kindern und in Gebärdensprachen unterschiedliche Prozesse eine Rolle spielen.

    Für die Untersuchung werden zunächst bestehende Daten und sprachwissenschaftliche Analysen der Gebärdensprache ausgewertet. Darüber hinaus analysiert das Forschungsteam, wie Fragen und Relativsätze in alltäglichen, informellen Situationen produziert werden.

    Das Projekt soll dazu beitragen, den Spracherwerb in Gebärdensprache besser zu verstehen und die Forschung zu menschlicher Sprache um die Perspektive gebärdender Kinder zu erweitern.

    Das ZAS ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut des Landes Berlin. Aufgabe des Zentrums ist die Erforschung der menschlichen Sprachfähigkeit im Allgemeinen und deren Ausprägung in Einzelsprachen. Ziel ist, diese zentrale Fähigkeit des Menschen und ihre biologischen, kognitiven und sozialen Faktoren besser zu verstehen. Das ZAS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

    Pressekontakt:
    Dr. Fabienne Salfner
    salfner@leibniz-zas.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Uli Sauerland
    Email: sauerland@leibniz-zas.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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