Eine neue Studie untersucht, wie sich urbane Hitze auf unterschiedliche Weise auf Menschen auswirkt. Durch die Verknüpfung von Klima-, Fernerkundungs- und demografischen Daten mit Aktivitäten in sozialen Medien konnten Forschende aus dem Bereich Geolingual Studies einen Schwellenwert bestimmen, ab dem Hitze zu einem wichtigen Thema im öffentlichen Diskurs wird.
Urbane Hitze ist mehr als eine Frage der Temperatur. Sie kann beeinflussen, wie Menschen schlafen, arbeiten, sich durch die Stadt bewegen und kleiden – und sogar, wie sicher oder wohl sie sich im öffentlichen Raum fühlen. Diese alltäglichen Folgen bleiben bei herkömmlichen Untersuchungen urbaner Hitze jedoch häufig unsichtbar.
Dieser Sommer hat in Europa und insbesondere in Deutschland gezeigt, wie dramatisch die Folgen von Hitzewellen sein können – von einer verminderten Lebensqualität und enormen wirtschaftlichen Schäden bis hin zu einer hohen Zahl hitzebedingter Todesfälle.
Eine neue Studie eines interdisziplinären Teams der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMu), des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Mendel-Universität in Brünn (Tschechien) untersucht die menschliche Dimension urbaner Hitze am Beispiel von Mexiko-Stadt im Jahr 2022.
Für ihre Studie kombinierten die Forschenden Satellitenbeobachtungen, Messungen von Wetterstationen, städtische Raumstrukturen, Zensusdaten und geolokalisierte Beiträge aus sozialen Medien. So wollten sie herausfinden, wie und wo urbane Hitze die Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt beeinträchtigt.
Die aktuelle Studie zeigt den Mehrwert interdisziplinärer Forschung: Die Verbindung von Fernerkundung, Linguistik, Digital Humanities und Geographie ermöglicht es, das Phänomen Hitze räumlich und thematisch differenzierter zu untersuchen. Die Studie entstand im Forschungsfeld Geolingual Studies, das derzeit an der JMU entwickelt wird.
Hitze beeinflusst viele Bereiche des städtischen Alltags
Die Forschenden identifizierten einen klaren Schwellenwert. Der Erstautor der Studie, Dr. Richard Lemoine-Rodríguez, erklärt: „Sobald die Lufttemperatur 25 Grad Celsius überstieg, nahm die Zahl hitzebezogener Beiträge aus Mexiko-Stadt in den sozialen Medien exponentiell zu. Das zeigt, dass Hitze oberhalb dieses Schwellenwerts verstärkt zu einem öffentlichen Thema wird. Zudem stellten wir fest, dass aus heißeren und dichter bebauten Teilen von Mexiko-Stadt mehr Beiträge zum Thema Hitze veröffentlicht wurden.“
„Die Online-Diskussionen zeigen, dass Hitze viele Bereiche des Alltags beeinflusst. Am häufigsten ging es um gesundheitliche Probleme und Hitzestress. Nutzerinnen und Nutzer berichteten von Erschöpfung, Schlaflosigkeit, körperlichem Unwohlsein und emotionaler Belastung. Auch Arbeitsbedingungen und Kleidung waren ein wichtiges Thema: Menschen beschrieben eine unzureichende Kühlung am Arbeitsplatz und berichteten, dass sie trotz extremer Hitze keine kurzen Hosen tragen durften. In einigen Fällen forderten sie sogar, dass die Arbeit unter solchen Bedingungen eingestellt werden sollte“, erläutert Lemoine-Rodríguez weiter.
Frauen berichteten außerdem von unerwünschter Aufmerksamkeit und Belästigung, wenn sie leichtere Kleidung trugen, um mit den hohen Temperaturen zurechtzukommen. Eine eigentlich der Anpassung an die Hitze dienende Strategie wurde für sie dadurch zu einer belastenden Erfahrung.
Professorin Carolin Biewer erläutert weitere Ergebnisse: „Andere Beiträge beschäftigten sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der Infrastruktur – etwa mit Verspätungen, unangenehmen Fahrten und unzureichender Belüftung oder Klimatisierung. Nutzerinnen und Nutzer beschrieben außerdem Situationen, in denen sie sich zwischen zwei Übeln entscheiden mussten: Hitze oder Luftverschmutzung. Öffneten sie ein Fenster, um sich abzukühlen, mussten sie gleichzeitig verschmutzte Luft einatmen.“
Diskutiert wurden außerdem Möglichkeiten zur Abkühlung und Klimaanlagen sowie die Frage, wie Vögel, Haustiere und andere Tiere bei Hitze ausreichend mit Wasser versorgt werden können. Einige Beiträge stellten zudem einen Zusammenhang zwischen Hitze und übergeordneten Themen wie sozialer Ungleichheit und Klimawandel her.
Von gemessener zu erlebter Hitze
Professor Hannes Taubenböck betont: „Satelliten und Wetterstationen können uns zeigen, wo es heiß ist und wie hoch die Temperaturen sind. Sie können uns aber nicht sagen, ob Menschen nicht schlafen können, Schwierigkeiten bei der Arbeit haben, sich unsicher fühlen oder auf ihrem täglichen Arbeitsweg unter der Hitze leiden. Genau das ist die zentrale Idee der Studie: den Blick von der gemessenen auf die erlebte Hitze zu richten.“
Durch die Kombination physikalischer Messungen mit Daten aus sozialen Medien konnten die Autorinnen und Autoren der Studie nicht nur bestimmen, wo Hitze auftritt, sondern auch, welche konkreten Probleme sie im Alltag der Menschen verursacht.
Die Studie weist damit den Weg zu einem stärker am Menschen orientierten Ansatz für die Anpassung an den Klimawandel, bei dem Temperaturkarten um Informationen über die Erfahrungen und Bedürfnisse der Menschen ergänzt werden.
„Um Städte an zunehmende Hitze anzupassen, reicht es nicht aus, zu wissen, wie heiß sie sind. Wir müssen auch verstehen, was diese Hitze für die Menschen bedeutet“, so Taubenböck.
Dr. Richard Lemoine Rodríguez, Englische Sprachwissenschaft, E-Mail: richard.lemoine-rodriguez@uni-wuerzburg.de
R. Lemoine-Rodríguez, H. Debray, C. Biewer, L. Inostroza und H. Taubenböck, „From Measured to Experienced Heat: A Multimodal Analysis of Temperature, Urban Form, and Social Media in Mexico City“, in IEEE Journal of Selected Topics in Applied Earth Observations and Remote Sensing, doi: 10.1109/JSTARS.2026.3728299.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Geowissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Meer / Klima, Sprache / Literatur, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch
erstellt mit KI-UnterstützungÜbersetzung aus dem Englischen mit Hilfe von KI

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