Während andere Athletinnen nach der Europameisterschaft regenerieren, nutzt die Studentin der OTH Regensburg die Saisonpause für ihre Bachelorarbeit über innovative Sensorsysteme.
Der Bundestag hat im Sommer ein neues Sportfördergesetz beschlossen. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Frage, wie Deutschland Spitzensportlerinnen und Spitzensportler beim Aufbau eines zweiten beruflichen Standbeins für die Zeit nach der Sportkarriere unterstützt. Jana Lakner kennt diese Herausforderung aus ihrem Alltag: Die 26-jährige 400-Meter-Läuferin steht im Nationalkader, lief bei der Europameisterschaft mit der deutschen Staffel ins Finale und schreibt parallel ihre Bachelorarbeit an der OTH Regensburg.
Aktuell ist Jana Lakner jedoch entspannt. Nach ihrer Rückkehr von der Europameisterschaft steht zunächst eine Saisonpause von vier bis sechs Wochen an. Gleichzeitig nutzt sie die ruhigere Zeit für ihre Bachelorarbeit im Studiengang Umwelt- und Industriesensorik an der OTH Regensburg, das sie dieses Semester abschließen möchte. Darin untersucht sie, ob sogenannte mikroelektromechanische Systeme, also winzige Sensoren, wie sie auch in Smartphones stecken, Vibrationen an Motoren ebenso zuverlässig messen können wie herkömmliche Sensoren. Das könnte Motorentests künftig effizienter machen. Ob sie nach dem Bachelorstudium noch ein Masterstudium beginnt, hat sie bislang offen gelassen.
Die Doppelbelastung von Sport und Studium nimmt Jana Lakner bewusst in Kauf, denn ihre Identität soll nicht nur davon abhängen, wie schnell sie 400 Meter läuft. „Es kann immer etwas passieren, was eine Saison schnell beendet. Außerdem möchte ich meine Sportkarriere genießen. Wenn ich das einmal nicht mehr kann, will ich mir eine neue Leidenschaft suchen“, erzählt Lakner.
Dass beides möglich ist – ein Studium und eine Sportkarriere – liegt auch an dem flexiblen Umfeld, das ihr die Hochschule bietet. Professorinnen und Professoren ermöglichen ihr beispielsweise, Studienleistungen während internationaler Trainingslager teilweise online zu absolvieren. „Ich würde sagen, man findet immer eine Lösung. Manchmal nimmt mein Trainer Rücksicht und manchmal meine Dozenten“, sagt Lakner.
Spätstarterin auf der Überholspur
Den eigentlichen Startschuss für ihre Karriere als 400-Meter-Läuferin gab der Umzug nach Regensburg. Mit 19 Jahren war sie im Vergleich zu vielen anderen Athletinnen bereits eine Spätstarterin. Zuvor war sie vor allem geschwommen und hatte dort zwar bayerisches Niveau erreicht, den Leistungssport aber noch nicht mit derselben Konsequenz verfolgt. Der entscheidende Wandel kam, als sie an der OTH Regensburg ihr Studium begann und mit ihrem heutigen Trainer Stefan Wimmer trainierte. Er erkannte in ihr Potenzial und bestärkte sie darin, den Sport ernsthafter zu verfolgen. Ihre Bestzeit hat sie seit 2021 von 56,66 auf 51,60 Sekunden gesteigert.
Ein weiterer Wendepunkt war ihr Sportstipendium in den USA. In diesen eineinhalb Jahren lernte sie ein Leistungssportsystem kennen, in dem sich das Studium stärker nach dem Sport richtet. „Der Stundenplan wird eigentlich nach deinem Training erstellt“, erzählt Lakner. Auch wenn ein späteres Praxissemester mit 40-Stunden-Woche und hartem Training extrem fordernd war, nahm sie nicht nur Erfahrungen mit intensiven Trainingseinheiten mit, sondern auch ein besseres Gespür für die Balance zwischen Belastung und Regeneration. Vor allem habe sie die Mentalität, Dinge nicht von vornherein schlechtzureden, sondern positiv an sie heranzugehen, nachhaltig geprägt.
Spitzensport und Studium zusammendenken
Jana Lakner trainiert sechsmal pro Woche, rund drei Stunden täglich, ein Jahr nach dem anderen. Was jedoch Außenstehende sehen, sind die wenigen Sekunden, die am Ende eines Laufs an der Anzeigentafel stehen. Aber die Disziplin und die konsequenten Routinen werden häufig unterschätzt. „Auch die Länge der Bahn verkennen wohl die meisten. Wer denkt, das kann nicht so schwer sein, muss selbst einmal versuchen, 400 Meter an seinem Limit zu laufen“, erklärt Lakner. Gerade auf den letzten 100 Metern, in denen sich oft ein Rennen entscheidet, muss man seine Spitzenzeit abrufen können und gleichzeitig möglichst wenig darüber nachdenken, was gerade passiert. „Im Optimalfall laufe ich mich in einen Flow-Zustand, dann funktioniert es am besten.“ Genau daran möchte sie weiterarbeiten.
Dass eine solche sportliche Karriere nicht im Widerspruch zu einer akademischen und beruflichen Entwicklung stehen muss, ist auch ein Anliegen der OTH Regensburg. Dafür setzt die Hochschule gezielt auf Kooperationen wie mit dem ESV 1927 Regensburg, den Eisbären Regensburg, den Guggenberger Legionären, dem SSV Jahn Regensburg und seit diesem Jahr auch mit NawaRo Straubing. Ziel ist es, Sportlerinnen und Sportlern mit flexibleren Studienbedingungen und individueller Unterstützung im Studienalltag akademische Perspektiven zu eröffnen. Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen gibt es außerdem eine Zwei-Prozent-Sonderquote für Personen im Spitzensport.
Jana Lakners nächstes großes Ziel ist Olympia 2028 in Los Angeles. Aber Jana Lakner ist keine verbissene Sportlerin, sie geht es mit einer Kombination aus Disziplin und Gelassenheit an. „Der Weg ist das Ziel. Ich werde mich Schritt für Schritt weiterentwickeln“, schließt Lakner ihren Blick in die Zukunft.
Jana Lakner im Stadion am Tag vor ihrem Einsatz in der 4x400-Meter-Staffel bei der Europameisterscha ...
Quelle: Irina Gorr
Copyright: Irina Gorr
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Pädagogik / Bildung, Sportwissenschaft
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Studium und Lehre
Deutsch

Jana Lakner im Stadion am Tag vor ihrem Einsatz in der 4x400-Meter-Staffel bei der Europameisterscha ...
Quelle: Irina Gorr
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