Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hat den Deutschen Millerpreis 2026 an PD Dr. Eva Paddenberg-Schubert, Stellvertretende Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), und PD Dr. Sebastian Krohn, Fachzahnarzt der Poliklinik für Kieferorthopädie des UKR sowie ein interdisziplinäres Forscherteam aus Zahnmedizinern, Physikern und Radiologen verliehen. Ausgezeichnet wurde eine Forschungsarbeit, die mithilfe einer neuartigen Multi-Slice-Echtzeit-MRT erstmals die dynamischen Bewegungen beider Kiefergelenke beim Kauen mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung sichtbar macht.
Wie bewegen sich die beiden Kiefergelenke beim Öffnen, Schließen und Kauen tatsächlich? Diese Frage lässt sich mit herkömmlichen bildgebenden Verfahren nur eingeschränkt beantworten. Das Forscherteam um PD Dr. Eva Paddenberg-Schubert und PD Dr. Sebastian Krohn hat deshalb eine Multi-Slice-Echtzeit-MRT-Technik eingesetzt, mit der sich die Bewegungen beider Kiefergelenke in vivo darstellen und quantitativ analysieren lassen.
Die Untersuchungen liefern neue Erkenntnisse zur Kiefergelenkkinematik: Rotation und Translation sind bereits bei kraftfreien Öffnungs- und Schließbewegungen des Mundes miteinander gekoppelt. Die häufig beschriebene Vorstellung, dass zunächst eine reine Drehbewegung und anschließend eine Gleitbewegung erfolgt, bestätigte sich nicht.
Echtzeit-MRT macht Kiefergelenkbewegungen beim Kauen sichtbar
Auch die Härte der Nahrung hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Kiefergelenkbewegung. Untersucht wurden Kaubewegungen mit Brot, Käse, Karotte und Karamell. Beim einseitigen Kauen zeigte sich dagegen die bekannte funktionelle Asymmetrie: Auf der Balanceseite traten größere Vorwärtsbewegungen auf als auf der Arbeitsseite.
Deutliche Veränderungen fanden die Forschenden bei pathologischen Veränderungen, insbesondere bei einer Diskusverlagerung ohne Reposition. Die Abweichungen der Kiefergelenkbewegung zeigten sich vor allem auf der Balanceseite.
„Wir würden im nächsten Schritt gerne einen biomechanischen Korridor definieren, in dem physiologische Kieferbewegungen stattfinden, um davon abweichende Pathologien aufzeigen zu können“, erläutert PD Dr. Sebastian Krohn, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie.
Potenzial für die klinische Diagnostik
Die ausgezeichnete Arbeit ist primär der Grundlagenforschung zuzuordnen. Die entwickelte MRT-Methode ermöglicht jedoch einen detaillierten Einblick in die komplexe mandibuläre Biomechanik und könnte künftig die dynamische Kiefergelenkdiagnostik ergänzen, insbesondere bei therapieresistenten oder therapierefraktären klinischen Situationen.
„Für unser gesamtes Team ist diese Auszeichnung eine große Ehre und eine besondere Anerkennung der Arbeit, die über viele Jahre in dieses Forschungsprojekt geflossen ist“, sagt PD Dr. Paddenberg-Schubert. „Sie zeigt uns auch, dass es sich lohnt, grundlegenden Fragen der Kiefergelenkfunktion mit neuen Methoden nachzugehen.“
PD Dr. Eva Paddenberg-Schubert und PD Dr. Sebastian Krohn (re.)
Quelle: Milan Fries
Copyright: © Milan Fries
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Medizin
überregional
Forschungsprojekte, Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch

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