Cyberkriminalität vorausdenken
Re_thinking Cybercrime: Formen, Muster und Folgen von Cyberkriminalität der Zukunft
Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur) hat am 29. und 30. September 2026 gut 60 Forschende aus dem In- und Ausland sowie Bedarfsträger zum Symposium „Re_thinking Cybercrime“ in Halle (Saale) zusammengebracht. Im Mittelpunkt standen erste Forschungsergebnisse zu zukünftiger Cyberkriminalität und ihren Schäden sowie die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse künftig für Sicherheits- und insbesondere Strafverfolgungsbehörden nutzbar werden können.
Cyberkriminalität verändert sich mit technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Neue Technologien eröffnen neue Möglichkeiten, schaffen aber zugleich neue Angriffsflächen und können neue Formen von Kriminalität ermöglichen. Forschung muss deshalb über bestehende Bedrohungslagen hinausblicken und verschiedenste interdisziplinäre Perspektiven bündeln. Sie muss mögliche Entwicklungen erkennen, deren Entstehungsbedingungen untersuchen und ihre Folgen systematisch erfassen.
Genau hier setzte das zweitägige Symposium „Re_thinking Cybercrime“ an. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten erste Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit vor und diskutierten diese mit Bedarfsträgern. Vorträge und Workshops ermöglichten es den Teilnehmenden, eigene Perspektiven, Anforderungen und offene Fragen einzubringen. Ziel war es, unterschiedliche Aspekte von Cyberkriminalität gemeinsam zu betrachten, Synergien zwischen den Forschungsansätzen zu identifizieren, neue Fragestellungen für die weitere Arbeit zu gewinnen, die Bedarfsträgerperspektive frühzeitig einzubinden und sich zu vernetzen.
Beide Veranstaltungstage wurden durch Keynotes eingeläutet, welche Rahmen und Diskussionspunkte für die jeweiligen Tage setzen. So wurde der erste Tag der Veranstaltung nach offiziellem Opening mit einer Keynote von Dr. Gert Hofstede eingeleitet. Er berichtete über kulturelle Bedingungen sowie ihre Wichtigkeit und ihren Einfluss vor allem auch im Bereich der Cyberkriminalität und der Entwicklungen von entsprechenden Tätern und ihren Motiven. In der Keynote des zweiten Tages räumte Roro Seidel mit vier Mythen bzgl. Cybercrime und Social Media auf. Beispielsweise, dass die Annahme einer egalitären Internetstruktur nicht die Realität widerspiegelt und marginalisierte Gruppen auch im digitalen Raum häufiger Kriminalität und Gewalt erleben.
Bedarfsträger werden Teil des Forschungsprozesses
Eine zentrale Rolle bei „Re_thinking Cybercrime“ spielten die teilnehmenden Bedarfsträger. Für sie bot das Symposium die Möglichkeit, sich unmittelbar über den Stand der Forschung zu informieren, mit den Projektteams über Anforderungen aus der Praxis zu diskutieren und die Forschung von morgen mitzugestalten.
Dabei ging es nicht erst um einen späteren Transfer abgeschlossener Forschung. Vielmehr sollten die Perspektiven derjenigen Institutionen, die mit Cyberkriminalität und ihren Folgen umgehen müssen, bereits während der Forschungsarbeit einbezogen werden. Die Bedarfsträger konnten deshalb diskutieren, welche Erkenntnisse und Instrumente sie benötigen und unter welchen Voraussetzungen Forschungsergebnisse künftig in ihren Institutionen eingesetzt werden können.
„Wir wollen nicht erst am Ende eines Forschungsprojekts fragen, ob Ergebnisse für die Praxis nutzbar sind. Der Austausch mit den Bedarfsträgern muss bereits während der Forschung stattfinden. So können wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Anforderungen frühzeitig miteinander verbunden werden“, sagt Dr. Nicole Hartlapp, Leiterin des Forschungsfelds Cybervigilante Gesellschaft bei der Cyberagentur.
Das Veranstaltungsprogramm war darauf ausgerichtet. Auf die Präsentationen der Forschungsarbeiten folgten vertiefende Workshops und in der Sneak Peek Session gab es erste Einblicke in die Demonstratoren Zum Abschluss wurden Ergebnisse der Projekte sowie Synergien, offene Fragen und Anforderungen aus Sicht der Bedarfsträger zusammengeführt und diskutiert.
Mit „Re_thinking Cybercrime“ verbindet die Cyberagentur unterschiedliche Forschungsdisziplinen mit der Perspektive der späteren Anwender. Drei Forschungsprojekte aus den Programmen „Forschung zu zukünftiger Cyberkriminalität“ (zCK) und „Schäden durch Cyberkriminalität“ (SCK) beleuchten dabei unterschiedliche Dimensionen desselben Phänomens. Gemeinsam sollen sie dazu beitragen, zukünftige Cyberkriminalität früher zu verstehen, ihre Auswirkungen wissenschaftlich belastbar einzuordnen und Grundlagen für einen vorausschauenden Umgang mit neuen Bedrohungen zu schaffen.
Drei Forschungsansätze – eine gemeinsame Fragestellung
CytZuReDen – zukünftige Cyberkriminalität systematisch vorausdenken: Das Projektteam des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) untersucht, welche Formen Cyberkriminalität künftig annehmen könnte. Im Zentrum stehen plausible Szenarien für die Jahre 2030 und 2040. Dafür werden technologische Entwicklungen mit kulturellen und strukturellen Veränderungen verknüpft. Foresight-Methoden und Technikfolgenabschätzung beziehen unter anderem Wertewandel, Technikakzeptanz, Kompetenzen und rechtliche Rahmenbedingungen ein. Ziel ist Orientierungswissen, das Sicherheitsbehörden und Gesellschaft dabei unterstützt, sich frühzeitig mit möglichen Entwicklungen auseinanderzusetzen.
Cybercrime Early Warning Radar – Muster erkennen und analysieren, bevor sich Bedrohungen verfestigen: Das vom internationalen Forschungsverbund Ventel LLC um Dr. C. Jordan Howell geleitete Projektteam verbindet Künstliche Intelligenz mit sozialwissenschaftlichen Methoden. Untersucht werden technische, strukturelle und kulturelle Bedingungen von Cyberkriminalität in Deutschland und ausgewählten Vergleichsländern. Ziel ist es, Veränderungen und Angriffstrends frühzeitig zu identifizieren. Ein interaktives Dashboard soll die gewonnenen Erkenntnisse perspektivisch für Strafverfolgungs-, Sicherheits- und Regierungsinstitutionen nutzbar machen.
ARCH – Schäden von Cyberkriminalität ganzheitlich erfassen: Im Projekt „Assessing Risks and Cybercrime Harms“ (ARCH) arbeitet ein internationaler Forschungsverbund unter Führung der Université de Montréal mit Flare Systems, dem Max-Planck-Institut Freiburg, dem Cyberintelligence Institut und der Freien Universität Berlin zusammen. Das Team um Projektleiter Prof. David Décary-Hétu entwickelt einen Ansatz, der materielle, immaterielle und kaskadierende Schäden von Cyberkriminalität systematisch erfasst. Neben finanziellen Verlusten werden damit beispielsweise psychologische Belastungen, Vertrauensverluste, organisationale Auswirkungen und langfristige gesellschaftliche Folgen berücksichtigt.
Weitere Informationen:
https://www.cyberagentur.de/programme/zck
https://www.cyberagentur.de/programme/sck
Pressekontakt:
Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH
Große Steinstraße 19
06108 Halle (Saale)
Michael Lindner
Pressesprecher
Tel.: +49 151 44150 645
E-Mail: presse@cyberagentur.de
Hintergrund: Cyberagentur
Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur) wurde im Jahr 2020 als vollständige Inhouse-Gesellschaft des Bundes unter der gemeinsamen Federführung des Bundesministeriums der Verteidigung und des Bundesministeriums des Inneren durch die Bundesregierung mit dem Ziel gegründet, einen im Bereich der Cybersicherheit anwendungsstrategiebezogenen und ressortübergreifenden Blick auf die Innere und Äußere Sicherheit einzunehmen. Vor diesem Hintergrund bezweckt die Arbeit der Cyberagentur maßgeblich eine institutionalisierte Durchführung von hochinnovativen Vorhaben, die mit einem hohen Risiko bezüglich der Zielerreichung behaftet sind, gleichzeitig aber ein sehr hohes Disruptionspotenzial bei Erfolg innehaben können.
Die Cyberagentur ist Bestandteil der Nationalen Sicherheitsstrategie der Bundesrepublik Deutschland.
Der Cyberagentur stehen als Geschäftsführung Prof. Dr. Christian Hummert als Forschungsdirektor und Bettina Bubnys als kaufmännische Geschäftsführung vor.
Dr. Nicole Hartlapp, Leiterin des Forschungsfelds Cybervigilante Gesellschaft bei der Cyberagentur
https://www.cyberagentur.de/presse/cyberkriminalitaet-vorausdenken/
https://www.cyberagentur.de/programme/zck
https://www.cyberagentur.de/programme/sck
„Re_thinking Cybercrime“: Beim internationalen Symposium der Cyberagentur diskutierten Forschende un ...
Quelle: Magnific/Cyberagentur
Copyright: Cyberagentur
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Gesellschaft, Informationstechnik, Philosophie / Ethik, Politik, Recht
überregional
Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

„Re_thinking Cybercrime“: Beim internationalen Symposium der Cyberagentur diskutierten Forschende un ...
Quelle: Magnific/Cyberagentur
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