Forschende des Thünen-Instituts haben aus einer winzigen Holzkohleprobe aus Sedimentkernen der Westantarktis die Baumart identifiziert. Die Probe liefert den bislang ältesten Beleg für wiederkehrende Waldbrände in der Erdgeschichte. Die Probe ist rund 90 Millionen Jahre alt – und damit 35 Millionen Jahre älter als der bisher bekannte Rekordfund.
Hamburg (12. Oktober 2026). Eine winzige Probe hat das Zeug zu einer großen Sensation: Der Wissenschaftler Immo Heinz und der technische Mitarbeiter Sergej Kaschuro vom Thünen-Institut für Holzforschung in Hamburg haben in einer Sedimentprobe aus der westlichen Antarktis das älteste bisher bekannte Holzkohlestück holzanatomisch bestimmt. Mitgebracht hatten die Holzstückchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), von einer Expedition mit dem Forschungsschiff Polarstern. Im Kompetenzzentrum Holzherkünfte am Thünen-Institut haben Heinz und Kaschuro die verkohlten Holzstrukturen präpariert und anatomisch analysiert. „Es war schwierig, aus den winzigen Partikeln eine brauchbare Aufnahme unter dem Mikroskop zu erstellen. Aber als es gelungen war, wusste ich auch sehr schnell, um welches Holz es sich handelt“, berichtet Immo Heinz, Spezialist für Nadelholzbestimmungen am Thünen-Institut. Die Ergebnisse der umfangreichen Untersuchungen zum Bohrkern sind in der internationalen Fachzeitschrift Communications Earth & Environment erschienen
Holzkohle-Analyse als Schlüssel zum Brandereignis
Die Forschenden des AWI hatten von ihrer Expedition unter anderem einen Sedimentkern mitgebracht, der eine etwa fünf Zentimeter mächtige, verkohlte Braunkohleschicht und darunter rund drei Meter carbonhaltigen Ton enthielt. Im gesamten Profil waren mikroskopische (unter 125 Mikrometer) und makroskopische (über 125 Mikrometer) Holzkohlepartikel nachweisbar, die in den oberen Kernen deutlich zunahmen. Das deutete auf eine Zunahme der Brandhäufigkeit und -intensität in der Region hin, die damals nur 900 Kilometer vom Südpol entfernt lag.
Der erfahrene Holzforscher Heinz übernahm die Holzidentifikation der makroskopischen Holzkohle. Mit einem Digitalmikroskop und einem Rasterelektronenmikroskop untersuchte er die anatomischen Strukturen der verkohlten Partikel. Diese wiesen eindeutig auf Nadelhölzer der Familie der Steineibengewächse (Podocarpaceae) hin, zu denen beispielsweise die Huonkiefer (Lagarostrobos franklinii) und die Silberkiefer (Manoao colensoi) zählen. Diese wachsen in wasserreichen, torfigen Habitaten des Pazifiks.
Die Identifikation der Brandstoffe war ein zentraler Schritt, um das Brandregime der fossilen Wälder im Detail zu rekonstruieren. „Dass durch die vielen unterschiedlichen Untersuchungen jetzt das älteste Holzstückchen entdeckt wurde, dass bisher gefunden wurde, ist auch für uns eine echte Sensation“, sagt Immo Heinz. Das Holz stammt aus Wäldern der späten Kreidezeit und ist rund 90 Millionen Jahre alt. Damit gehört der Holzkohle-Partikel zu einem Torfmoos-Moor, das 35 Millionen Jahre älter ist als das bisher älteste bekannte im Helmstedter Braunkohle-Revier. Das Alter der Kohle wurde an den darüber gelegenen Sandschichten mit Uran-Blei Datierung (U-Pb) und den darunter liegenden organischen Sedimenten mit Biostratigraphie (Pollen) und Magnetostratigraphie eingegrenzt.
Niedertemperierte Oberflächenbrände statt Vulkanismus
Ergänzende Messungen der Polarforschenden zeigten, dass die Brände bei Temperaturen von rund 370 bis 400 Grad Celsius abliefen: klassische Oberflächenbrände, keine hochintensiven Ereignisse. Die geochemischen Untersuchungen bestätigten, dass es sich beim Hauptbrandstoff um Koniferen handelte. Vulkanische Ausbrüche, wie sie für andere Regionen der antarktischen Halbinsel diskutiert werden, können damit als primäre Zündquelle ausgeschlossen werden.
Das Ergebnis liefert einen seltenen Einblick in die Wechselwirkung von Brand, Vegetation und Kohlenstoffspeicherung unter extremen „Gewächshaus“-Bedingungen mit hohen CO2-Konzentrationen. Da heutige Moore unter den projizierten Klimaveränderungen zunehmend brandgefährdet sind, geben die Ergebnisse aus der Frühzeit wichtige Hinweise auf Ökosystemreaktionen und Kohlenstoffbilanz unter extremeren Wetterbedingungen.
Dr. Immo Heinz
Thünen Institut für Holzforschung
immo.heinz@thuenen.de
Salzmann, U., Bauersachs, T., Klages, J. P., Gerschel, H., Müller, J., Heinz, I., Hillenbrand, C.-D., Bohaty, S. M., Bickert, T., Titschack, J., Kaschuro, S., McKay, J., Nehrke, G., Pälike, H. (2026): Co-evolution of wildfires and early Sphagnum-peatlands near the Cretaceous South Pole. Communications Earth & Environment 7, 715.
doi.org/10.1038/s43247-026-03959-1
Künstlerische Darstellung saisonaler Brände in farnreichen Sphagnum-Torfmooren und gemäßigten Regenw ...
Copyright: McKay/CC-BY 4.0
Die untersuchte Holzprobe als Elektronenmikroskop-Aufnahme.
Copyright: Thünen-Institut/Tanja Potsch
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Gesellschaft, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie, Werkstoffwissenschaften
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
Deutsch

Künstlerische Darstellung saisonaler Brände in farnreichen Sphagnum-Torfmooren und gemäßigten Regenw ...
Copyright: McKay/CC-BY 4.0
Die untersuchte Holzprobe als Elektronenmikroskop-Aufnahme.
Copyright: Thünen-Institut/Tanja Potsch
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