idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instanz:
Teilen: 
16.10.2026 11:46

Dies Universitatis eröffnet akademisches Jahr und Feierlichkeiten zu 550 Jahren Universität Tübingen

Christfried Dornis Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Rund 5.200 Neuimmatrikulierte starten in das Wintersemester 2026/27 – Universitätspreis an die Stadt Tübingen verliehen – Lehr- und Sonderpreis zeichnen herausragende Projekte aus

    Mit dem Dies Universitatis am Mittwoch und der Erstsemesterbegrüßung am Donnerstag hat die Universität Tübingen sowohl das akademische Jahr 2026/27 als auch mit den Feierlichkeiten zu 550 Jahre Universität Tübingen begonnen. Das Jubiläum der Universität sei weit mehr als die Gelegenheit, auf die eigene Geschichte zurückzublicken, sagte Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, zur Eröffnung des Dies Universitatis. „Der Blick auf 550 Jahre Universität Tübingen fordert uns zugleich dazu auf, über die Bedeutung der Wissenschaft für unsere Gegenwart und ihre Verantwortung für die Zukunft nachzudenken. Deshalb haben wir unser Jubiläumsjahr unter das Motto ‚Vom Wert der Wissenschaft‘ gestellt.“

    Die Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professorin Katja Becker, hob in ihrem Videogrußwort die Rolle der Universitäten für die Demokratie hervor. Universitäten böten einen einzigartigen Raum, um Fragen der Forschung, der Gesellschaft, der Kultur und Politik zu diskutieren. „Dies alles zeigt die Eberhard Karls Universität Tübingen par excellence – mit ihrer herausragenden Bedeutung für die Stadt, die ganze Region und dank ihrer internationalen Strahlkraft auch für den Wissenschaftsstandort Deutschland“, sagte Becker.

    Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Wolfgang Wick, betonte in seinem Videogrußwort die Bedeutung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Angesichts aktueller Entwicklungen sei die Frage nach dem Wert der Wissenschaft wichtiger denn je. „Universitäten wie die Universität Tübingen machen den Nutzen von Wissenschaft unmittelbar erfahrbar, sie schaffen Nahbarkeit und kommen ins Gespräch mit Menschen, auch außerhalb unseres unmittelbaren akademischen Umfelds.“

    „Die Universität ist weit mehr als ein Ort, an dem Wissen vermittelt wird“, sagte Johannes Schwörer, Präsident der IHK Reutlingen, in seinem Grußwort im Festsaal der Neuen Aula. „Sie ist Zukunftsmotor, wissenschaftliche Heimat für herausragende Leistungen und ein Grund für das internationale Ansehen der Region. Sie trägt Tübingen und die Neckar-Alb Region weit über ihre Grenzen hinaus in die Welt.“

    Universitätspreis für Jahrhunderte der Partnerschaft

    Im Rahmen des Dies Universitatis würdigte die Universität eine besondere Partnerschaft: Seit ihrer Gründung im Jahr 1477 ist die Universität untrennbar mit der Stadt Tübingen verbunden, über die Jahrhunderte entwickelte sich eine gemeinsame Identität. Heute besteht deshalb eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität. In Wertschätzung, Anerkennung und Dankbarkeit für diese mehr als fünf Jahrhunderte gewachsene Verbundenheit sowie das herausragende Engagement für Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft verleiht die Universität Tübingen den Universitätspreis 2026 an die Universitätsstadt Tübingen.

    „Die Geschichte unserer Universität ist immer auch die Geschichte einer Stadt, die Wissenschaft nicht nur beherbergt, sondern getragen und mitgestaltet hat“, sagte Rektorin Pollmann. „Der Wert der Wissenschaft entsteht nicht hinter Mauern. Er entsteht dort, wo Universität und Gesellschaft einander begegnen. Die Stadt Tübingen hat dafür seit 550 Jahren den Raum geschaffen.“

    Oberbürgermeister Boris Palmer nahm den Preis von Rektorin Karla Pollmann entgegen. „Ich verstehe den Universitätspreis als Anerkennung einer besonderen Zusammenarbeit und Symbiose. Stadt und Universität haben einander über Generationen hinweg geprägt“, sagte Palmer.

    Auszeichnungen für innovative Lehre und soziales Engagement

    Professorin Karin Amos, Prorektorin für Lehre und Studium, überreichte am Mittwoch beim Dies Festakt den Lehrpreis 2026 sowie am Donnerstag bei der Begrüßung der Neuimmatrikulierten den Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement der Universität Tübingen. Mit dem Lehrpreis wurden in diesem Jahr Dr. Frank Papenmeier, Dr. Tjark Müller, Dr. Tobias Rebholz und Gerrit Anders vom Fachbereich Psychologie für die Entwicklung des KI-gestützten „R-Tutors“ ausgezeichnet. Das Projekt unterstützt Psychologie-Studierende beim selbstständigen Erlernen von Programmierkenntnissen für die Datenanalyse, fördert reflektiertes Lernen mit KI und verhindert, dass Lernprozesse vollständig an KI ausgelagert werden. Den diesjährigen Preis für herausragendes studentisches Engagement erhielt der studentische Verein AIAS Tübingen für seinen Einsatz zur Registrierung von Stammzellspenderinnen und Stammzellspendern.

    Der Lehrpreis der Universität Tübingen wird seit 2007 jährlich vergeben, der Sonderpreis für herausragendes studentisches Engagement seit 2010. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden jeweils von der Senatskommission Studium und Lehre gewählt. Die Preisgelder in Höhe von 5.000 Euro für den Lehrpreis und 1.500 Euro für den Sonderpreis werden von der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen (Universitätsbund) gestiftet.

    Informationen zum Lehrpreis 2026

    Künstliche Intelligenz ist längst im Studienalltag angekommen. Ob zum Guten oder zum Schlechten, das liegt auch in der Hand der Lehrenden. Mit ihrem Projekt „Einsatz generativer KI als Tutor zur Vermittlung von R-Programmierkompetenzen für die Datenanalyse“ greifen Dr. Frank Papenmeier, Dr. Tjark Müller, Dr. Tobias Rebholz und Gerrit Anders diese Herausforderung für die Lehre am Fachbereich Psychologie auf. Sie entwickelten einen KI-basierten Tutor, der die Studierenden bei der selbstständigen Erarbeitung der Programmier-Grundlage unterstützt und so einer unreflektierten Nutzung von KI vorbeugt. Der „R-Tutor“ ist inzwischen fester Bestandteil der R-Programmierausbildung in der Psychologie.

    Mit Unterstützung des KI-Tutors erarbeiten sich die Studierenden die Grundlagen des Programmierens selbstständig. Über eine spezielle Chatoberfläche können sie ihre Lösungsansätze mit dem Bot besprechen und weiterentwickeln. Die Präsenztermine bieten so mehr Raum für vertiefende Übungen und individuelle Rückfragen. Um das Gelernte eigenständig anzuwenden, bearbeiten die Studierenden hier Transferaufgaben ohne Unterstützung durch KI. So erhalten sie auch realistische Rückmeldung zu ihrem Kenntnisstand.

    „KI ist ein starkes Lernwerkzeug und wird von den Studierenden selbstverständlich genutzt. Der Lösungsprozess darf jedoch nicht vollständig an dieses Werkzeug ausgelagert werden“, sagt Papenmeier. „Die falsche Verwendung der Technologie kann den Lernerfolg nachhaltig schwächen und sogar zu sogenanntem Deskilling führen, dem Verlust eigener Fähigkeiten durch die unreflektierte oder übermäßige Nutzung von KI.“ Statt fertige Lösungen zu präsentieren, unterstützt der KI-Tutor die Studierenden daher mit individualisiertem Feedback, das an ihren jeweiligen Lernstand angepasst ist. Der R-Tutor wurde in der Evaluation von den Studierenden als besonders hilfreich bewertet. Nach Einschätzung der Arbeitsgruppe lassen sich die Erfahrungen aus dem Projekt auch auf andere Fächer übertragen. „Unsere Erkenntnisse sind für die gesamte universitäre Lehre relevant“, sagt Papenmeier.

    Kontakt:
    Dr. Frank Papenmeier
    Fachbereich Psychologie
    Tel: +49 7071 29-75610
    Frank.papenmeier@uni-tuebingen.de

    Informationen zum Preis für herausragendes studentisches Engagement 2026

    Für viele an Blutkrebs erkrankte Menschen ist eine Stammzellspende die einzige Chance auf Heilung. Der studentische Verein AIAS Tübingen setzt sich dafür ein, Menschen als Stammzellspenderinnen und Stammzellspender bei der DKMS zu registrieren.

    Die rund 15 Studierenden von AIAS Tübingen organisieren dafür Registrierungsaktionen in der Mensa Morgenstelle und in der Universitätsbibliothek sowie bei Veranstaltungen wie dem Career-Day und dem Ract!-Festival. Mit der direkten Ansprache informieren sie über Blutkrebs, die Arbeit der DKMS und den Ablauf einer Stammzellspende. Wer sich als Spenderin oder Spender registrieren lassen möchte, kann dies innerhalb von etwa 15 Minuten vor Ort erledigen.

    „Unser Engagement zeigt konkrete Wirkung: Bislang konnten durch unsere Arbeit 3.862 Menschen als potenzielle Stammzellspenderinnen und Stammzellspender registriert werden. 33 von ihnen haben bereits Stammzellen gespendet“, sagt Lars Neumann, Vorstandsmitglied von AIAS Tübingen. „Wir freuen uns über jede einzelne Spende. Doch noch immer warten viele Betroffene auf ein passendes Match. Deshalb ist es wichtig, dass sich weiterhin möglichst viele Menschen registrieren lassen.“

    Das Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro wird AIAS Tübingen vor allem für die Deckung laufender Kosten verwenden, wie etwa für Transporte, die Vereinsführung sowie auch Reinigungsutensilien und weiteres Equipment.

    Kontakt:
    Lars Neumann
    Vorstandsmitglied bei AIAS e. V.
    tuebingen@aias.de


    Bilder

    Das Symbol einer besonderen Partnerschaft: Rektorin Karla Pollmann und Boris Palmer, Oberbür-germeister von Tübingen, mit dem Universitätspreis für die Stadt Tübingen.
    Das Symbol einer besonderen Partnerschaft: Rektorin Karla Pollmann und Boris Palmer, Oberbür-germeis ...
    Quelle: Alexander Ries
    Copyright: Alexander Ries / Universität Tübingen

    Rektorin Karla Pollmann eröffnete beim traditionellen Dies Universitatis das Wintersemester 2026/27 sowie die Feierlichkeiten zum 550. Jubiläum der Universität Tübingen.
    Rektorin Karla Pollmann eröffnete beim traditionellen Dies Universitatis das Wintersemester 2026/27 ...
    Quelle: Alexander Ries
    Copyright: Alexander Ries / Universität Tübingen


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    fachunabhängig
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Das Symbol einer besonderen Partnerschaft: Rektorin Karla Pollmann und Boris Palmer, Oberbür-germeister von Tübingen, mit dem Universitätspreis für die Stadt Tübingen.


    Zum Download

    x

    Rektorin Karla Pollmann eröffnete beim traditionellen Dies Universitatis das Wintersemester 2026/27 sowie die Feierlichkeiten zum 550. Jubiläum der Universität Tübingen.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).