Studium-generale-Vortrag: Wie Nutztiere vom Klimasünder zu einem wichtigen Glied einer Kreislaufwirtschaft werden -
NÜRTINGEN (hfwu). Zu viele Nutztiere schaden dem Klima und der Umwelt. Zu wenige aber auch. Das war eine Erkenntnis, die die Besucher eines Studium-generale-Vortrags an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) mit nach Hause nahmen. Ein Agrarwirt-schaftsexperte erläuterte, wie Nutztiere vom Klimasünder zu einem wichtigen Glied einer Kreislaufwirtschaft werden und so zur Lösung des Problems beitragen.
Zum Einstieg ins Thema waren die Besucher zu einer Origami-Aufgabe eingeladen – die Welt in Form eines Blatt Papiers zu falten, entsprechend den verschiedenen Nutzungsflächen Siedlungsland, Ackerland, Grünland. Eindrücklich führte die kleine Übung vor Augen, wie wenig Fläche global für Agrar- und Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung steht.
Eine Schlussfolgerung daraus, so Dr. Stephan Schneider, zukünftig wird es drauf ankommen, nicht-essbare Biomasse möglichst intelligent in eine Kreislaufproduktion zurückzuführen. Der HfWU-Professor für Tierernährung und Experte für die Verminderung von Treibhausgasemissionen in der Nutztierhaltung sprach an der Hochschule im Rahmen des öffentlichen Studium-generale-Programms. Rund 70 Interessierte waren zu seinem Vortrag in Nürtingen gekommen. „Vom Klimasünder zum Kreislauf-Champion – warum Nutztiere Teil der Lösung sind“, so der Titel.
Der Klimawandel, eine auf über zehn Milliarden wachsende Weltbevölkerung und knapper werdende landwirtschaftlichen Nutzflächen machten Biomasse zu einer wertvollen Ressource. „Wie viel pflanzliche Biomasse verfügbar ist, wird zum limitierenden Faktor zukünftiger Agrar- und Ernährungssysteme“, so Schneider. Daher bestehe eine zentrale Herausforderung künftig darin, nicht-essbare Biomasse möglichst intelligent zu rezyklie-ren. Die Kreislaufwirtschaft mit Nutztieren ermögliche einen maximaler Gewinn an Nahrung aus denselben Ressourcen. Sie reduziere den Klimabeitrag von Fleisch und Milch. Wie das konkret bei der Milchproduktion realisiert werden kann, zeigt das Projekt „Klima-Milchfarm“, das die HfWU zusammen mit einem Milchviehbetrieb, einer Molkerei und einem Nahrungsmittelhersteller gestartet hat. Zu viele Nutztiere schaden dem Klima und der Umwelt, zu wenige aber auch, bringt Schneider den Sachverhalt auf den Punkt. Denn mit dem Verzicht auf Nutztiere reduziere sich der Ertrag an Nahrung aus derselben Fläche, die Emissionen blieben jedoch fast unverändert.
Das Fazit des Agrarwissenschaftlers: Die Erzeugung von Fleisch, Milch und Eiern, wie sie in der der Veredelungswirtschaft auf der Basis von Nahrungskonkurrenz zum Menschen praktiziert, wird auch mit Blick auf die notwendigen Veränderungen in der Landnutzung un-weigerlich zu Ende gehen. Zukunftsfähige Ernährungssysteme nutzen dagegen die Gesamtheit der essbaren und nicht-essbaren Biomasse. Nutztiere bleiben als „sekundäre Transformer“ von nicht-essbarer Biomasse auch in Zukunft eine unverzichtbare Komponente von Agrar- und Ernährungssystemen, so der Wissenschaftler. Ihre künftige Rolle in der „Kaskade von Teller zu Trog zu Tank“ hänge von der technologischen Weiterentwicklung der Verarbeitung von pflanzlicher Biomasse ab. Alle Teile der Kaskade, von pflanzlichen Lebensmitteln, den Nutztieren, Pilzen, Hefen, etc. müssten miteinander vernetzt werden, um ein Optimum an Ernährungssicherung, Umwelt- und Klimaschutz und Biodiversität sicherzustellen. In einer Gesamtschau heißt das, künftiger Wohlstand beruhe nicht mehr auf bloßem Wachstum, sondern auf Effizienz und Produktivität.
Prof. Dr. Stephan Schneider
Prof. Dr. Stephan Schneider sprach im Rahmen des Studium generale an der HfWU. (Foto: HfWU/Harzer)
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Tier / Land / Forst, Wirtschaft
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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