Die Leibniz-Gemeinschaft trauert um ihren ehemaligen Präsidenten Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Ernst Th. Rietschel, der am 20. Oktober 2026 im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Ernst Rietschel stand von 2005 bis 2010 an der Spitze der Leibniz-Gemeinschaft, nachdem er zuvor bereits seit 2003 als Vizepräsident und Sprecher der Sektion C – Lebenswissenschaften gewirkt hatte. Mehr als 20 Jahre war er als Direktor des heutigen Forschungszentrums Borstel – Leibniz Lungenzentrum tätig. Ihn zeichnete eine tiefgehende Verbundenheit mit der Leibniz-Gemeinschaft aus, die einher ging mit einer ausgeprägten Verbindlichkeit und Zugewandtheit zu den bei Leibniz arbeitenden und engagierten Kolleginnen und Kollegen aller Hierarchieebenen und darüber hinaus. Auf dieser Basis war die Präsidentschaft Ernst Rietschels stark von einem durch ihn maßgeblich geförderten wachsenden Gemeinschaftsgefühl geprägt.
In seine Amtszeit fielen wesentliche forschungspolitische Weichenstellungen, die nach wie vor auf die Leibniz-Gemeinschaft ausstrahlen: Der 2006 gestartete Pakt für Forschung und Innovation als Vereinbarung zwischen Bund und Ländern und den großen Wissenschaftsorganisationen ist vermutlich die wichtigste forschungspolitische Entscheidung für die deutsche außeruniversitäre Wissenschaft der vergangenen Jahrzehnte. Diese in der Leibniz-Gemeinschaft in die Tat umzusetzen – u.a. in Form des Leibniz-Wettbewerbsverfahrens – war eine der zentralen und bleibenden Leistungen der Präsidentschaft Ernst Rietschels.
Auch die Entscheidung, ein Leibniz-Europa-Büro in Brüssel einzurichten, fiel in seine Amtszeit; ebenso wie der Aufbau des „Center for Behavioral Brain Sciences“ in Magdeburg, der Blaupause für die Leibniz-WissenschaftsCampi als besondere Form der Hochschulkooperation. Ebenso gelang es Ernst Rietschel, die steigende Identifikation der Institute mit ihrer Dachorganisation in wesentliche Fortschritte hin zu einer „Marke Leibniz“ und einer Corporate Identity umzusetzen.
Leibniz-Präsident Christoph M. Schmidt hat seinen Amtsvorgänger in guter Erinnerung: „Ich durfte Ernst vor mehr als 20 Jahren, kurz nach meinem Eintritt in die Leibniz-Gemeinschaft, als Sektionssprecher der Sektion B kennenlernen und seine Präsidentschaft für einige Zeit begleiten. Seitdem habe ich mich ihm persönlich sehr verbunden gefühlt. Seine ausgeprägte Menschlichkeit und sein zugewandter und respektvoller Umgang mit einem deutlich jüngeren Kollegen hatten mich damals sehr beeindruckt. Von seiner Leistung, in seiner Präsidentschaft so ein ausgeprägtes Wir-Gefühl in unserer Gemeinschaft zu erzeugen, haben wir lange zehren dürfen. Ich werde ihn stets in freundschaftlicher Erinnerung behalten.“
Ernst Rietschel wurde am 21. Mai 1941 in Gießen geboren. Er studierte in München und Freiburg Chemie, wurde 1971 in Freiburg promoviert. Nach einem Post-Doc-Aufenthalt an der University of Minnesota und der Rückkehr nach Deutschland ans Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg folgte 1978 die Habilitation im Fach Biochemie. 1980 erteilte ihm die Medizinische Hochschule Lübeck den Ruf auf eine C4-Professur für das Fachgebiet „Immunchemie und Biochemische Mikrobiologie“, die mit dem Direktorat am damaligen Forschungsinstitut Borstel, dem heutigen Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Lungenzentrum verbunden war. Dieses hatte Ernst Rietschel für 25 Jahre bis 2005 inne.
Auch nach seiner Präsidentschaft bei Leibniz war Ernst Rietschel noch mehrere Jahre forschungspolitisch aktiv, etwa als EU-Beauftragter des Präsidiums von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften sowie als Gründungsdirektor des Berliner Institute of Health.
Unser Mitgefühl gilt vor allem seiner Frau und seiner Familie. Die Leibniz-Gemeinschaft wird Ernst Rietschel stets in tiefer und dankbarer Verbundenheit gedenken.
Pressekontakt für die Leibniz-Gemeinschaft
Christoph Herbort-von Loeper
Tel.: 030 / 20 60 49 – 471
Mobil: 0174 / 310 81 74
herbort@leibniz-gemeinschaft.de
Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 96 eigenständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Lebens-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, vernetzen sich in übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an.
Die Leibniz-Gemeinschaft berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, insbesondere mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf technologisch relevanter Forschung und aktivem Technologietransfer: Leibniz-Institute bringen innovative Entwicklungen gezielt in die Anwendung und fördern durch Kooperationen mit Wirtschaft und Industrie die Umsetzung neuer Technologien in die Gesellschaft.
Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren.
Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 21.400 Personen, darunter 12.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das Finanzvolumen liegt bei gut 2,3 Milliarden Euro.
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Ernst Th. Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft von 2005-2010
Quelle: Foto: Ralf Günther
Copyright: (c) Leibniz-Gemeinschaft
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
fachunabhängig
überregional
Personalia
Deutsch

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