Eine spezialisierte Schlaganfallbehandlung rettet Leben und kann schwere Behinderungen verhindern. Doch ausgerechnet die über Jahrzehnte aufgebauten Versorgungsstrukturen könnten durch die Krankenhausreform gefährdet werden. Zum morgigen Welt-Schlaganfalltag warnt die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) deshalb vor kurzfristigen Sparentscheidungen mit möglicherweise gravierenden medizinischen und wirtschaftlichen Folgen. In einem aktuellen Positionspapier fordert die Fachgesellschaft, bewährte Stroke Units zu erhalten und regionale Versorgungsbedürfnisse bei der Krankenhausplanung stärker zu berücksichtigen.
„Bei einem Schlaganfall läuft für die Patienten die Uhr. Es geht darum, innerhalb von kurzer Zeit das verschlossene Hirngefäß wiederzueröffnen. Es gibt wenige Erkrankungen, bei denen die Behandlungserfolge so zeitkritisch sind. Innerhalb der entscheidenden ersten Stunden das bestmögliche Behandlungs-Outcome für unsere Patienten herausholen – das treibt uns Neurologinnen und Neurologen an“, erklärt Prof. Waltraud Pfeilschifter, 1. Vorsitzende der DSG und Chefärztin der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie des Städtischen Klinikums Lüneburg. „Das zahlt sich wirtschaftlich auch langfristig aus. Wer bei der Akutversorgung spart und dadurch mehr Pflegebedürftigkeit riskiert, hat am Ende nichts gewonnen.“
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen den Nutzen der spezialisierten Behandlung. So zeigte eine deutsche Langzeitstudie mit Daten aus mehr als 1.000 Krankenhäusern, dass die Versorgung in Häusern mit Stroke Unit mit einer um 5,6 Prozent niedrigeren risikoadjustierten 30-Tage-Sterblichkeit verbunden war. Moderne Therapieverfahren können zudem bleibende Behinderungen verringern und damit langfristig erhebliche Folgekosten vermeiden helfen.
Krankenhausreform: Bewährte Strukturen erhalten statt Versorgungslücken riskieren
Deutschland verfügt heute über ein international anerkanntes, abgestuftes System der Stroke-Unit-Versorgung. Rund 90 Prozent der Patienten werden in neurologischen Kliniken mit Stroke Unit behandelt. Regionale und überregionale Zentren arbeiten eng zusammen, in dünn besiedelten Gebieten ergänzt durch telemedizinisch angebundene Einrichtungen. Die DSG sieht jedoch mit Sorge, dass die Qualitätskriterien für die Zuweisung der Leistungsgruppe „Stroke Unit“ im Zuge der Krankenhausreform regional unterschiedlich ausgelegt werden. Damit könnten bewährte Standorte trotz ihrer Bedeutung für die Bevölkerung gefährdet sein.
„Es darf nicht vom Bundesland abhängen, ob eine gut funktionierende Stroke Unit erhalten bleibt“, fordert Prof. Helge Topka, seit Oktober neuer Geschäftsführer der DSG. „Wir brauchen bundesweit vergleichbare Maßstäbe, die neben den formalen Anforderungen auch die tatsächliche Versorgungssituation berücksichtigen.“ Entscheidend seien die Erreichbarkeit der nächsten Stroke Unit, die Zahl der versorgten Patienten sowie nachgewiesene Qualitätsstandards.
Die DSG appelliert deshalb an die Bundesländer, bei ihrer Krankenhausplanung auch die langfristigen medizinischen und wirtschaftlichen Folgen zu berücksichtigen. „Wir haben über Jahrzehnte ein leistungsfähiges Versorgungsnetz aus regionalen Stroke Units, überregionalen Stroke Units und Neurovaskulären Netzwerken aufgebaut, das verlässliche Standards in der Fläche und klare Zuweisungswege für spezialisierte Behandlungen garantiert. Dieses System müssen wir erhalten und sinnvoll weiterentwickeln“, betont Topka. „Wer bewährte Standorte aus der Versorgung nimmt, muss auch sicherstellen, dass Patientinnen und Patienten künftig ohne zusätzliche Verzögerung spezialisierte Hilfe erhalten. Sonst drohen schlechtere Behandlungsergebnisse, mehr Pflegebedürftigkeit und letztlich höhere Kosten. Das kann nicht das Ziel einer Krankenhausreform sein.“
Positionspapier der DSG vom 28.10.2026 – Flächendeckende Stroke-Unit-Versorgung in Deutschland im Kontext der Krankenhausreform: https://www.dsg-info.de/wp-content/uploads/2026/10/DSG-Positionspapier-Leistungs...
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https://www.dsg-info.de/welt-schlaganfalltag-2026-dsg-warnt-vor-teuren-fehlentsc...
Prof. Waltraud Pfeilschifter und Prof. Helge Topka
Quelle: Andreas Tamme (Pfeilschifter)
Copyright: Klinikum Lüneburg und München Klinik
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
Deutsch

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